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EcoTrend Handel: Avocadostore

Eco, fair und nachhaltig online shoppen, geht das? Seit 2010 gibt es den Avocadostore als reinen Onlinehandel für nachhaltige Produkte. Wir sprachen mit der Geschäftsführerin Mimi Sewalski über den Marktplatz für „Green Lifestyle“ und die aktuellen Herausforderungen.

Im Knesebeck Verlag erschien 2020 das Buch „Nachhaltig leben jetzt“, ein Faktencheck mit Lösungsvorschläge und Ideen für den Alltag von Mimi Sewalski

Wie kam es zur Gründung von Avocadostore?
Wir wollten eine Plattform schaffen, auf der Konsumierende eine nachhaltige, faire und sinnvolle Alternative für herkömmliche Produkte finden. Als wir Avocadostore 2010 gründeten gab es zwar einen wachsenden Bedarf an ökologischen Non-Food-Produkten, aber das Bewusstsein war noch nicht so stark wie heute vorhanden. Es gab noch nicht so viele Labels, die wirklich nachhaltig produziert haben. Damals entwickelte sich eine Szene junger Designer und Hersteller, die einzigartige, nachhaltige Produkte entwarfen und produzierten – ob in München, Berlin, Hamburg oder Stuttgart. Jedoch waren sie für viele unbekannt. Avocadostore hat ihnen im April 2010 einen Marktplatz gegeben, sie sichtbar und für einen großen Kundenkreis zugänglich gemacht. Hier können sie einfach, kostengünstig und ohne großes Risiko ihre Ware online verkaufen. Sie zahlen neben einer Anmelde- und Monatsgebühr noch 17 Prozent auf den Bruttoverkaufspreis. Dafür übernehmen wir Pressearbeit, Marketing, Newsletter sowie Paymentkosten. Und die Kunden haben den Vorteil, dass sie unter einer URL alles finden, was es zum Thema nachhaltigen Konsum gibt, ohne stundenlange Recherche. Neben bekannten Eco-Brands gibt es bei uns auch kleine Labels, lokale Shops oder Start-Ups. Aktuell umfasst unser Sortiment über 500.000 Produkte von 6.000 bis 8.000 Marken und rund 1.300 Händlern. Derzeit arbeiten über 60 Menschen bei Avocadostore. Inzwischen sind wir auch selbst Händler auf unserer eigenen Plattform, weil es tolle Produkte gab, wie beispielsweise Strumpfhosen aus recycelten Fischernetzen, die jedoch kein anderer Händler ins Programm nehmen wollte, so haben wir die eben selbst mit angeboten.

Warum heißt der Marktplatz Avocadostore?
Zugegeben, wir würden ihn heute vielleicht anders nennen. Aber gerade weil die Avocado aufgrund ihrer Klimabilanz in einem Widerspruch zum Nachhaltigkeitsgedanken steht, sie gleichzeitig aber damals das Symbol der Öko- und Vegetarierbewegung war, ist sie ein großartiges Beispiel dafür, dass Nachhaltigkeit ein sehr komplexes Thema und daher immer ein Diskurs ist. Je nach Wissen und Komplexität der Fakten kann sich eine Beurteilung schnell verändern. Erst wenn man die nötigen Informationen hat, versteht man das große Ganze. Aus diesem Grund wird Avocadostore auch weiterhin so heißen, denn Avocadostore führt diesen Diskurs gerne. Unsere Mission ist es, unseren Kunden Transparenz und Orientierung zu geben. Wir wollen zeigen, dass es viele tolle Ideen gibt, die uns ein nachhaltigeres Leben wirklich einfach machen.

Nach welchen Kriterien werden die Produkte für Avocadostore ausgewählt?
Avocadostore hat zehn Kriterien entwickelt: ressourcenschonend, schadstoffreduzierte Herstellung, Bio-Rohstoffe, fair & sozial, cradle to cradle, recyclebar oder recycelt, vegan, Made in Germany, CO2-sparend, lange haltbar. Eines dieser Kriterien muss mindestens erfüllt sein, um Produkte über uns anzubieten. Die Marken füllen dann ein entsprechendes Statement aus. Wir setzen uns einmal die Woche zusammen und entscheiden gemeinsam, welche Produkte wir aufnehmen. Welche Kriterien erfüllt sind und warum, ist in der jeweiligen Produktbeschreibung nachvollziehbar. Wir bieten zudem unseren Kunden die Möglichkeit zu kommentieren, zu kritisieren, zu argumentieren und zu diskutieren. So kann es auch mal vorkommen, dass man ein Produkt wieder runternimmt oder ein anderes aufnimmt, wenn Kunden es wünschen. Durch unsere enge Kundenbindung erkennen wir aktuelle Konsumentenwünsche und setzen sie so weit wie möglich um.

„Es gibt derzeit viele spannende, technische Innovationen in Richtung Nachhaltigkeit, das stimmt mich positiv!“


Mimi Sewalski

Mimi ist von Beginn bei Avocadostore und seit 2013 Geschäftsführerin. Die studierte Soziologin und Kriminologin geht den Dingen gerne auf den Grund. Sie liebt es, innovative grüne Produkte zu entdecken und sie zu Avocadostore zu bringen. Ihre große Leidenschaft ist ihr Elektroroller, mit dem man sie oft durch Hamburg zu ihrem Gemüse-acker düsen sieht.

Mimi Sewalski

Passt denn der Versand und Nachhaltigkeit überhaupt zusammen?
Das ist tatsächlich auch ein komplexes Thema. Auch hier muss man differenzieren. In einem Ladengeschäft wird viel Energie für Heizung, Licht oder Kühlung gebraucht. Hier wird die Ware ebenfalls in Kartons oder Plastikverpackungen angeliefert und dann ausgepackt, was der Kunde nicht unbedingt sieht. Dann stellt sich die Frage, wie die Menschen in das Ladengeschäft kommen: Nutzen sie öffentliche Verkehrsmittel oder nehmen sie das Auto?
Als Onlineshop versuchen wir beispielsweise, Auswahlbestellungen zu vermeiden und unsere Kunden dahingehend zu sensibilisieren. Wir haben selbst verschiedene Mehrwegversandtaschen ausprobiert. Seit über einem Jahr arbeiten wir mit Sendmepack zusammen, das sind Verpackungen aus dem B2B Bereich (zum Beispiel Umverpackung von Hörgeräten), die wir quasi abkaufen und vor dem Müll retten und dann solange wie möglich im Umlauf halten. Das Ganze kann man via QR-Code nachverfolgen. Momentan ist dies für uns die nachhaltigste Variante, auch wenn wir uns für die Zukunft immer noch ein europaweites Mehrweg-Versandsystem mit Rücknahme-Infrastruktur wünschen. Und, ganz wichtig: Wir verpflichten uns, keinerlei Rücksendungen zu vernichten, das ist wirklich unser Manifest, Ware nicht zu vernichten!

Wie ist die aktuelle Lage?
Es gibt eine hohe Dynamik und sehr viele Insolvenzen, aber auch viele Neuanmeldungen. Die Kauflaune ist gesunken und einige sparen an der Nachhaltigkeit, das haben wir schon mit dem Beginn des Ukrainekrieges gemerkt. Zuvor sind wir jährlich um 40 bis 50 Prozent gewachsen, jetzt erleben wir eine Stagnation und haben einen Einstellungsstopp. Vielen kleinen sowie mittleren Unternehmen ging nach der Pandemie, mit dem Krieg und der Inflation die Puste aus. Früher hatten wir drei bis vier Insolvenzen im Jahr, derzeit erleben wir diese Zahl monatlich. Aber dann kommen eben auch wieder wirklich tolle Innovationen wie beispielsweise „der Warmduscher“, ein technisches Produkt zur Wärmerückgewinnung beim Duschen, das stimmt mich durchaus positiv!

Trinkflaschen aus Edelstahl
Obstregal „Fruits on air“
Heimtextilien aus 100 Prozent Baumwolle, hergestellt in Portugal

Lebt das Avocadostore-Team nachhaltig?
Ich habe viel über grüne Produkte, Eco Fair Fashion, Nachhaltigkeitskriterien, Siegel, Herstellungsprozesse und nachhaltige Lebensweise nachgedacht. Das komplexe Thema bietet Chancen und es ist nur ehrlich, wenn man auch wirklich selbst dahinter steht. Gemeinsam mit meinem Team stellen wir uns immer wieder neuen Herausforderungen. Beispielsweise haben wir eine vegane Ernährungschallenge gemacht und jetzt überlegen wir gerade, welches die besten Lösungen sein könnten, überflüssige Daten zu löschen. Außerdem leisten wir viel Aufklärungsarbeit und wollen die Kunden für einen verantwortungsvollen Konsum sensibilisieren, denn jede reflektierte Entscheidung macht den Unterschied und ist gut für die Umwelt! Auf unserer Website finden Interessierte unter anderem Interviews zu den Themen nachhaltige Smartphones, vegane Ernährung und nachhaltige Banken oder Krankenversicherungen.

Welche großen Herausforderungen meistert Avocadostore gerade?
Neben der anhaltenden Kaufzurückhaltung, beschäftigt uns die Verpackungsfrage, aber auch Social Media. Wir müssen da immer gute Inhalte liefern, das wird von den Kunden erwartet. Es ist auch nicht so leicht technisch immer up to date zu bleiben. Die Ansprüche sind hoch!

Welches sind ihre Lieblingsprodukte?
Ach, ich habe einige und das wechselt zudem immer wieder. Für den Sommer finde ich unsere Balkonbar aus nachhaltigem Holz mit FSC-Label wirklich super schön und praktisch. Das schicke Obstregal „Fruits on air“ von side by side design ist eine echt platzsparende Obstaufbewahrung in der Küche, die ich sehr empfehlen kann (das Obst hält tatsächlich länger frisch!). Mir persönlich gefallen zudem die Aufbewahrungskörbe mit Deckel aus Kaisa-Gras mit Baumwollumwicklung richtig gut. Die sind universell einsetzbar und von Dhaka Handicrafts, einer Fairhandels-Organisation, die mit Kunsthandwerkern in ganz Bangladesch zusammenarbeitet und ihnen neue Marktzugänge ermöglicht.

avocadostore.de