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EHI fordert mehr Mut zum Mobile Payment

4. Juli 2016, 8:03

Kleinbeträge noch weitgehend bar

Unbares Bezahlen ist beliebt – das Volumen der Kartenzahlung hat sich seit Mitte der 1990er Jahre mehr als verachtfacht. Dennoch werden mehr als drei Viertel aller Einkäufe auch heute noch mit Bargeld beglichen, da vor allem Kleinbeträge in Deutschland gern bar beglichen werden. Von den 18 bis 20 Miiliarden Transaktionen im deutschen Einzelhandel liegt der größte Teil unter einem Betrag von 15 Euro. In Drogeriemärkten (12,28 Euro) und Supermärkten (13,93 Euro) liegen die durchschnittlichen Einkaufsbeträge sogar unter dieser Schwelle. Das EHI hat über alle Branchen in „klassischen“ Filialbetrieben des Handels einen Durchschnittseinkaufsbetrag von 21,18 Euro ermittelt. Inkl. der zahlreichen Kioske, Büdchen und Bäckereien liegt der Betrag mit 18,75 Euro bis 20,80 Euro sogar noch niedriger.

Drogerie- und Supermärkte haben in den vergangen Jahren beim bargeldlosen Bezahlen deutlich zugelegt. Der Umsatzanteil der Barzahlung lag im Jahr 2015 selbst hier nur noch bei 62 Prozent. Zehn Jahre zuvor waren es noch 83 Prozent (Supermärkte) bzw. 87 Prozent (Drogeriemärkte). Der Trend zum unbaren Bezahlen ist also gerade in diesen Kleinbetragsbranchen besonders stark.

High-Tech für High-Speed

Die Händler versuchen, den geänderten Zahlungsgewohnheiten ihrer Kunden mit High-Tech an der Kasse gerecht zur werden. In den vergangenen fünf Jahren standen Investitionen zur Erhöhung der Geschwindigkeit von Karten-Zahlungsvorgängen im Vordergrund. Benchmark hierbei war die Dauer eines Barzahlungsvorgangs vom  Nennen des Einkaufsbetrages bis zum Aushändigen des Kassenbons, für den das EHI branchenabhängig durchschnittliche Zeiten zwischen 15 und 28 Sekunden ermittelt hat. 

Die Kartenzahlung konnte diese Werte lange nicht erreichen. Ein Hoffnungsträger für höhere Geschwindigkeit ist die NFC-Technologie (Near-Field-Communication) und die darauf aufbauende kontaktlose Kartenzahlung. 60 Prozent der großen Handelsunternehmen werden bis Ende 2016 kontaktlose Kartenzahlungen akzeptieren können. Damit werden Beträge bis 25 Euro ohne zusätzliche Authentifizierung per PIN oder Unterschrift verarbeitet, was zu einer deutlichen zeitlichen Entlastung an der Kasse führt.

Anbieter sind vorbereitet – Kunden noch zurückhaltend

Parallel haben die Deutsche Kreditwirtschaft und die Kreditkartenorganisationen einen Großteil der von ihnen ausgegebenen Karten NFC-fähig gemacht. MasterCard hat für Händler, die Kreditkarten oder Maestro akzeptieren, sogar die NFC-Fähigkeit bis 2018 verpflichtend gemacht. Auch die beliebteste Karte der Deutschen, die girocard, wird sukzessive kontaktlos. In der Pilotregion Kassel ist girocard kontaktlos bereits nutzbar.

Die Voraussetzungen für schnelle Bezahlvorgänge sind damit auf der Anbieterseite erfüllt – es fehlt allerdings die Nachfrage. Selbst bei Handelsunternehmen und Tankstellenbetreibern, die zu den ersten kontaktlos-Anbietern zählten, bewegen sich Kontaktloszahlungen nach wie vor nur in unteren einstelligen Nutzungsraten.

Kunden fehlt Übung und Vertrauen

Mit Payback Pay ist im Juni das mit 28 Mio. Kunden führende Bonuspunkteprogramm in die Welt des innovativen Bezahlens eingestiegen. Bei Dm Drogerie Markt und Real später auch bei weiteren Partnern ist es nun möglich per Smart Phone App ohne Karte bargeldlos zu bezahlen und gleichzeitig das Payback-Punktekonto zu füllen. Auch hier funktioniert die Technik. Die Payback-Anwendung nutzt zwar zur Zeit nicht die NFC-Technologie, sondern einen vom SmartPhone generierten QR-Code zur Kommunikation. Die Lösung ist aber ebenso einfach und verständlich. Es zeigt sich auch hier, dass bei den Kunden noch viel Überzeugungsarbeit geleistet werden muss. Die Systemnutzung muss sowohl auf Seiten der Kassierkräfte als auch auf Seiten der Kunden geübt werden, um zukünftig als selbstverständlich betrachtet zu werden. Ebenso ist das Vertrauen in die Sicherheit mobiler Zahlungen zu stärken.

Die Kunden müssen den Vorteil schnellen Bezahlens verstehen und annehmen, um sowohl dem kontaktlosen als auch dem mobilen Bezahlen zum Durchbruch zu verhelfen. Die EHI-Studie zeigt, dass die Kunden der entscheidende Faktor beim Aufbau mobilen Bezahlens sind, mit deutlichem Abstand vor Apple, Google & Co. und vor der Kreditwirtschaft.

Das Potenzial für mobile Zahlungen im Einzelhandel ist riesengroß, die technischen Lösungen sind sehr weit entwickelt. Der Kunde muss aber mitziehen, um zu signalisieren, dass er gewillt ist, ein Stück weit mehr auf Bargeld zu verzichten – von einer bargeldlosen Gesellschaft ganz zu schweigen.

Datenbasis

Das EHI-Panel umfasst 489 Unternehmen mit ca. 80.000 Betrieben aus 35 Branchen des Handels mit einem Bruttoumsatz (2015) in Höhe von 253,5 Mrd. Euro, davon relevanter stationärer Einzelhandelsumsatz im engeren Sinne (insbesondere ohne Brennstoffe, E-Commerce und Versandhandel) in Höhe von 230,3 Mrd. Euro; das sind etwa 57,6 Prozent des Einzelhandelsumsatzes im eigentlichen Sinne.

177,8 Mrd. Euro wurden im vergangenen Jahr in Deutschlands Einzelhandelsgeschäften per Karte umgesetzt. Das sind 44,5 Prozent des gesamten Einzelhandelsumsatzes. Hinzu kommen noch 3,1 Prozent über Rechnungen, Finanzkäufe und Gutscheinkarten. Der Bargeldanteil liegt noch bei  52,4 Prozent, schrumpft aber Jahr für Jahr und wird nach Berechnungen des EHI voraussichtlich in zwei bis drei Jahren die magische 50 Prozent-Schwelle nach unten durchbrechen.

www.ehi.org/de