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Bambusbecher-„Test“: Ernüchterndes Ergebnis

23. Juli 2019, 7:39

Anbieter preisen sie als biologisch abbaubar oder recycel­bar an. Doch der Test von zwölf Bambusbechern zeigt: Immer ist Kunststoff drin. Die meisten Becher enthalten zu viele Schad­stoffe oder sind falsch deklariert – sie hätten laut Sitftung Warentest nicht verkauft werden dürfen.

Bambus allein kein Becher

„Bambusbecher“, „aus Bambusfasern“ oder „dieser Becher wurde aus umwelt­freundlichen Bambusfasern hergestellt“. So steht es auf einigen der getesteten Trinkgefäße. Käufer bekommen den Eindruck, sie würden ein reines Natur­produkt erwerben. Tatsäch­lich bestehen die Coffee-to-go-Becher aus fein zermahlenen Bambusfasern. Doch das Pulver allein ergibt noch keinen Becher.

Um in Form zu kommen, braucht das Bambusfaserpulver Klebstoff. Im Labor fanden die Tester in allen Bechern Melaminharz. Ein Kunststoff, der sich aus Form­aldehyd und Melamin zusammensetzt. Grund­sätzlich ist Melaminharz laut „Test“ kein gefähr­licher Stoff. Kinder­geschirr besteht oft daraus und ist meist sicher. Solange der Kunststoff ordentlich verarbeitet ist und bestimmte Bedingungen beim Gebrauch einge­halten werden, etwa Temperaturen unter 70 Grad Celsius, gehen keine nennens­werten Schad­stoff­mengen in Lebens­mittel über.

Hitze und Schadstoffe 

Anders bei Kaffee. Der ist ja ein Heiß­getränk. Im Labor wurden drei­prozentige Essig­säure in die Bambusbecher gefüllt, die Flüssig­keit zwei Stunden 70 Grad Celsius warm hielten. So simulierten die Tester ein heißes, leicht saures Getränk wie Kaffee. Das machten die Prüfer pro Becher sieben Mal und bestimmten jeweils nach der dritten und siebten Befüllung den Gehalt von Form­aldehyd und Melamin in der Flüssig­keit.

In vier der zwölf Becher fanden die Tester bereits nach der dritten Befüllung sehr hohe Gehalte von Melamin, in drei weiteren nach der siebten Befüllung. Auch Form­aldehyd wurde in teils hohen Mengen in der Flüssig­keit gefunden. „Die Analysen zeigen: Nicht nur zu Beginn der Nutzung gehen Schad­stoffe über. Nach der siebten Migrations­prüfung lagen die Werte teil­weise sogar noch höher. Die Schad­stoffe verflüchtigen sich also nicht. Sie gelangen auch nach längerer Nutzung noch in die Getränke“, heißt es bei den Berlinern.

Das sei nicht ohne: Melamin steht im Verdacht, Erkrankungen im Blasen- und Nieren­system zu verursachen. Form­aldehyd kann Haut, Atemwege oder Augen reizen sowie beim Einatmen Krebs im Nase-Rachen-Raum verursachen. Und: Bambusbecher haben nichts in der Mikrowelle zu suchen. Beim Erhitzen auf hohe Temperaturen zersetzt sich das Bechermaterial, die Oberfläche wird zerstört. Entsprechend mehr Melamin und Form­aldehyd wandern ins Getränk. Deswegen ist der Warnhin­weis vor Benut­zung der Mikrowelle so wichtig. Am Zuperzozial-Becher fehlt die Warnung komplett. Auf der Verpackung des Morgen­helds steht: „Hält Jahre, wenn er nicht fallen gelassen oder in die Mikrowelle gesteckt wird.“ Das ist keine Warnung, sondern ein Tipp für lange Lebens­dauer. Beide Becher hätten nicht verkauft werden dürfen, lautet das Testfazit.

Nur der Bamboo Cup von Chicmic konnte die Tester im Gesamtvergleich überzeugen, der damit seinen Verkaufspreis von knapp 15 Euro wert zu sein scheint. Ein Testverlierer von einem Discounter kostete hingegen nur rund zwei Euro.

Der Morgen­held wirbt zusätzlich damit, „biologisch abbaubar“ zu sein. Pandoo schreibt auf der Verpackung: „Bambus ist ein natürlicher Rohstoff, der keinen nicht abbaubaren Abfall verursacht.“ Für reinen Bambus stimme das natürlich. Doch der dick­wandige kunst­stoff­haltige Becher werd auch in Jahren nicht auf dem Kompost verrotten. Selbst industrielle Kompostier­anlagen könnten das Material nicht zersetzen, erklären die Bundestester.

Miss­verständlich seien auch die Recycling­symbole auf den Verpackungen der Becher von ppd und Rex London. Die Mischung aus dem Kunststoff Melaminharz und Bambusfasern lasse sich nicht in die ursprüng­lichen Komponenten aufteilen oder einschmelzen. Es bleibe nur energetisches Recycling – also Verbrennung. Das ist sicher nicht das, was umwelt­bewusste Käufer im Sinn haben, wenn sie auf den Verpackungen lesen „der umwelt­freundliche Becher“ (Pandoo) oder „schont die Umwelt“ (Morgen­held) – resümiert die „Test“-Redaktion.

Echte Bambusprodukte

Alternativen zu den Bambusvarianten sind Mehrwegbecher aus Edelstahl, Porzellan und auch Polypropylen (PP), erklärt die Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern. Ein Hinweis auf das Material gibt auch der Recyclingcode: Das  dreieckige Pfeil-Piktogramm – meist an der Unterseite des Produkts – hat eine Zahl in der Mitte. So steht 05 für Polypropylen und 07 für sonstige Stoffe, was Melamin mit einschließt.

Reine Bambus­produkte wie Schüsseln oder Schneidebretter gebe es natürlich auch. Bei ihnen sei im Gegen­satz zu den Bechern die Material­struktur erkenn­bar, so die Schlussworte in der Ankündigung des aktuellen Produkttestes der Stiftung Warentest.

 

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