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Trendseller: Das faire Kaufhaus in Karlsruhe

Mit sorgfältig ausgewählten Produkten nimmt die Ladeninhaberin Gabriela Merx Rücksicht auf Mensch und Umwelt. In ihrem fairen Kaufhaus in Karlsruhe gibt es nur Produkte, die gleichzeitig nachhaltig, nützlich und schön sind!

Schmuck aus Fundstücken

„Wenn ich früher auf Messen gegangen bin und mir die angebotenen Produkte zu billig erschienen, dann habe ich nachgefragt“, erinnert sich Gabriela Merx. Denn von Anfang an war für die engagierte Inhaberin klar: zu billig kann nicht fair sein. Inzwischen achtet die 56-Jährige genau auf Qualität, Material und Produktionsprozesse. „Mein Geschäft ist in gewisser Weise wie früher ein Tante Emma Laden. Meine Kunden können mir vertrauen, dass unsere Ware nach bestem Wissen und Gewissen auf Nachhaltigkeit geprüft ist.“ 2003 hat Gabriela Merx die „Tragware“ in Karlsruhe eröffnet, einen kleinen Laden mit hochwertigen Taschen in der Herrenstraße, unweit der Innenstadt. Schon damals war die Geschäftsfrau daran interessiert, wie und wo produziert wird. Später kamen Möbel, Kleidung und mehr dazu. „Ich habe immer wieder mal etwas Neues ausprobiert. Bei vielen Produkten hat mir die Transparenz gefehlt. Für Lebensmittel gibt es nun eine Kennzeichnungspflicht, aber bei Produkten des täglichen Gebrauchs fehlt etwas in dieser Art,“ erläutert sie. Gabriela Merx hat viel recherchiert, hört Podcasts der Nachhaltigkeitsforscherin Katarina Schickling und hakt bei den Unternehmen immer genau nach. Als Fachhändlerin möchte sie Verantwortung übernehmen, will Vorbild sein und den Kunden Alternativen aufzeigen. Dabei stellt sie sich der Komplexität des Themas. Ein Beispiel: Wenn Textilhersteller in Europa produzieren, bedeutet das nicht unbedingt schon, dass sie deswegen nachhaltige, faire Ware bieten. Manches, wie beispielsweise Winterjacken, lassen sich in Europa gar nicht mehr herstellen, dafür gebe es hier gar keine Maschinen, meint die Expertin. Und auch in Fernost konnten inzwischen faire Regeln aufgestellt und gößtenteils auch eingehalten werden.

Gabriela Merx beschäftigt sich Tag für Tag aufs Neue intensiv mit vielen essentiellen Fragen, darunter, ob Bio oder Regional besser sei, ob recycelte Plastik oder Papier nachhaltiger sind, ob es überhaupt sinnvoll ist, Plastikflaschen zu Fasern zu verarbeiten, was den Energieaufwand betrifft. Bei ihren Kunden leistet sie viel Aufklärungsarbeit, sie hält Vorträge und geht an Schulen, um zu erklären welche Produkte nachhaltig sind und warum. Doch das kostet viel Zeit und Kraft, denn es passiert neben dem alltäglichen Ladengeschäft.

Komplett nachhaltig

In Karlsruhe wurde lange Jahre an einer U-Bahn-Strecke gebaut, dadurch gab es Baustellen, welche die Zufahrt, unter anderem zu ihrem Laden erschwerten. Das seien so die kleinen Hürden, welche es zu meistern gelte. Schließlich entschied sich Gabriela Merx 2015 komplett auf nachhaltig umzustellen. Sie hat sich überlegt, was die Menschen im Alltag wirklich benötigen, um genau dafür umweltfreundliche Alternativen anzubieten. „Ich war eigentlich ein Haushaltswarenladen mit nützlichen und notwendigen Dingen. Doch die Kunden haben immer wieder nach Kleidung gefragt, so dass ich das Sortiment entsprechend erweitert habe“, berichtet Merx.

Becher aus Kaffeesatz
Ob Textilien, Haushaltswaren, Taschen oder Fitnessbänder: alle Produkte sind auf Herz und Niere geprüft und wirklich umweltverträglich
Kleidung aus recycelten Materialien werden ebenfalls angeboten

Sorgfältig geprüft

Ihre Entscheidung, rein nachhaltige Produkte zu verkaufen, hat sie nie bereut. Zuerst sah es auch sehr gut für sie aus. Denn die Fridays-for-Future-Bewegung sowie ein steigendes Bewusstsein bei den Konsumenten führte zu einer größeren Nachfrage. Das Geschäft lief gut und sie wollte schon eine Geschäftsführerin einstellen, doch dann kam die Pandemie und zog ihr quasi den Boden unter den Füßen weg. Zwar habe es Unterstützung vom Staat gegeben, doch das habe einfach nicht gereicht, um den Verlust durch die Zwangsschließung und wenig Kundschaft unter Coronabedingungen auszugleichen. Obwohl ihre Kunden lieber stationär einkaufen und wirklich wenig bestellen, ist Online auch ein Problem. Daher hat sie Verständnis für Ladenbesitzer, die ihre Schaufenster mit schwarzen Vorhängen verhüllten als Warnsignal, dass bald alle schließen oder für solche die dafür plädieren, Eintritt zu verlangen.
Bedingt durch die Pandemie hat sie selbst auch einen Online-Shop ins Leben gerufen, doch den versteht sie eher als Schaufenster für ihr Ladengeschäft. Es sei einfach die einzige Möglichkeit gewesen, die Kunden weiter zu bedienen. Um einer sinnlosen Bestellwut entgegen zu treten verlangt sie normale Versandkosten. Viele Marken, welche Gabriela Merx nach sorgfältiger Prüfung mit ins Sortiment aufnimmt, verkaufen selbst nicht über die großen Preis-Dumping-Onlineplattformen, sondern arbeiten fair mit dem Fachhandel zusammen. Das gebe ihr selbst auch Sicherheit. In ihrem fairen Kaufhaus gibt es beispielsweise Hausschuhe aus Korken, Pullover aus recyceltem Cashmere (alte Cashmere Pullover können abgegeben werden, dafür erhalten die Kunden Prozente beim Kauf eines neuen Pullovers, dadurch sollen mehr Kreisläufe entstehen) auch Korken sammelt die Geschäftsfrau. Taschen von Vaude, bereits als Deutschlands nachhaltigste Marke ausgezeichnet, hat sie ebenso im Programm wie Sonnenglas, Tassen aus Kaffesatz oder Pfannen von Riess, einem klimaneutralen Unternehmen aus Österreich. Es gibt faltbare Kaffeedauerfilter von Weis aus langlebigen, ultrafeinen Edelstahlgewebe, perfekt für Zuhause sowie unterwegs sind. Fitnessbänder aus Kautschuk, Einwegflaschen Windlichter, Handschuhe oder „Schrubberle“, die umweltfreundlichen Reinigungsschwämme werden ebenso wie Decken von Lapuan Kankruit angeboten.

Das engagierte Team um Ladeninhaberin Gabriela Merx (Mitte hinten) berät und informiert die Kunden leidenschaftlich über ehrlich nachhaltige Alternativen
Das faire Kaufhaus befindet sich in der Karlsruher Herrenstraße 31

Mehr Ladenfläche

Im Februar 2022 zog Gabriela Merx mit dem Laden in ein größeres Geschäft in derselben Straße, weiter Richtung Innenstadt. Dadurch verdoppelte sie die Fläche auf 189 Quadratmeter. Dann kam der Krieg, das sei fast noch schlimmer als Corona, denn seither spüre sie eine große Zurückhaltung und Unsicherheit. Doch die Chefin bleibt optimistisch und kämpferisch, zumal alle mit anpacken in dem Familienunternehmen. Ihr Mann kümmert sich um die Buchhaltung, die Tochter updatet die Social Media Kanäle und gemeinsam versuchen sie die Welt ein Stückchen besser zu machen. Für Studenten bietet Merx weiterhin einen Rabatt, denn auch die sollen sich nachhaltige, langlebige Ware leisten können. Ideen wie Kleidertausch, Flohmärkte, Reparieren steht sie offen gegenüber und unterstützt solche Ansätze. „Als Händler haben wir eine Verantwortung“, davon ist Merx überzeugt. Es müsse ja nicht gleich jeder Fachhändler Hundertprozent auf nachhaltige Ware umstellen. Es reiche vielleicht erstmal eine Insel mit nachhaltigen Produkten anzubieten. Das könne jeder Laden versuchen. Und nicht nur weil eine steigende Nachfrage nach nachhaltigen Produkten herrsche und somit auch besserer Umsatz,, sondern eben auch weil wir es dem Planeten schuldig seien jetzt zu handeln! Es gehe nicht immer nur um die Marge, meint Merx und will den anderen Ladenbesitzern Mut machen, anders einzukaufen, es gebe immer eine Alternative. Ihr Geschäft sei inzwischen ein ganz anderer Arbeitsplatz geworden, hier gebe es einen regen Austausch mit ihren Kunden und Mitarbeiterinnen zum Thema Nachhaltigkeit und Umweltschutz bezüglich der Produkte, aber eben auch im Hinblick auf die eigene Lebensweise.

faireware.de


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