Die Welle ist eines der ältesten visuellen Symbole und erzählt von Auf und Ab, von Werden und Vergehen. Genau das macht sie so interessant für Interior und Produktdesign: Eine Wellenkante oder -form bringt Dynamik in ein Objekt, ganz ohne dass es dafür bunt oder gemustert sein müsste.
Der Minimalismus im Wohnen wandelt sich gerade von einer geometrisch strengen Formensprache zu einer weicheren, emotionaleren Aussage, was gerne als „Soft Minimalism“, also weicher Minimalismus, bezeichnet wird. So finden sich da nicht nur gerundete Konturen, sondern auch organisch geschwungene Silhouetten statt kantiger Rechtecke und harter rechter Winkel. Möbelstücke und andere Interiorgegenstände wirken dadurch sanfter und harmonischer, was wohltuend beruhigend auf uns wirkt. Auf der anderen Seite gibt es durch die ungebrochene Nachfrage nach Second-Hand-Ware immer noch einen starken Trend zu nostalgisch anmutenden Wohnprodukten, die oftmals etwas dekorativer gestaltet sind. Diese vertrauten Formen der Vergangenheit schenken uns Sicherheit und Geborgenheit. Beiden gemeinsam sind Wellenformen und -kanten, die mal regelmäßiger und mal natürlich organischer gestaltet sind und die für eine wohlige Entschleunigung und einladende Emotionalität im Zuhause stehen. Das zeigt sich ebenso auf dem gedeckten Tisch und in der Küche, wo Wellenkanten und -formen in den aktuellen Kollektionen gerade stark im Trend liegen und im wahrsten Sinne des Wortes Wellen schlagen.
Sanfte Wellen Ein im Stil des Soft Minimalism gedeckter Tisch wirkt schlicht, leise und hochwertig, ohne dabei langweilig zu sein. Die Elemente Geschirr, Vase und Kerzenleuchter fügen sich harmonisch zu einem Gesamtbild, wobei Weiß oder Creme oftmals die Basis bildet und Accessoires in Edelstahl glänzende Akzente setzen. Durch die fließenden Wellenbewegungen entsteht eine natürliche Dynamik, die dabei mühelos leicht wirkt. Ob matte Keramik, zartes Biskuitporzellan oder glänzender Edelstahl, die Welle verbindet die unterschiedlichen Materialien zu einem stimmigen Ganzen, ohne dass sie sich gegenseitig die Show stehlen. Die Tafel wird so zu einer Ode an die pure Natürlichkeit mit subtiler Eleganz. Dabei bietet die wellenförmige Silhouette besonders bei Vasen und Schüsseln neuen kreativen Spielraum für interessante Blumenarrangements und Dekorationen, indem die Dinge in den Falten zum Liegen kommen.
Die Kollektion „Pura“ von Villeroy & Boch fängt den Zeitgeist mit harmonischen, fließenden Linien in Premium Bone Porcelain ein.
Die cremeweiße Keramikvase „Livree“ von Philippi besticht durch ihre organisch gewellte Falten-struktur, die im modernen 3D-Druck entsteht und ihr eine modern lebendige Ausstrahlung verleiht.
Die Vase „Valentina“ von Kaiser Porzellan verkörpert den fließenden Wellenschlag des Wassers. In hochwertigem Biskuitporzellan gefertigt, lebt die organische Form ganz von der meisterlichen Handarbeit.
Während gerade Linien und rechte Winkel Ordnung und Kontrolle symbolisieren, steht die Welle für Fluss und Lebendigkeit.
Schlicht und doch raffiniert zeigt sich der Leuchter „River“ von Fink Living. Die geschwungenen Wellenbewegungen in glänzendem, vernickeltem Edelstahl bringen die drei Kerzen auf verschiedene Höhen.
Fröhlicher Rhythmus
Die Wellenbewegung darf aber auch gerne regelmäßig sich wiederholend sein. Schon aus der Antike kennt man den „laufenden Hund“: ein fortlaufendes griechisches Ornament-Fries, das abstrahierten, sich überschlagenden Wasserwogen gleicht und im Gegensatz zum eckigen Mäander steht. Auch die archetypische Jakobsmuschel gilt mit ihrer gerippten, wellenartigen Kontur seit der Renaissance als Designklassiker. So spricht man beim Wellenrand an Tischwäsche auch gerne von Muschelkante. Im Jugendstil und Art Déco galt die geschwungene, wellenförmige Linie als wichtiges Grundprinzip als Reaktion auf die kantige Industrialisierung. Heute sind die Interpretationen freier und lockerer: mal ist es fröhlich bunt und mal sind die Linien wie von Hand erstellt unregelmäßig verlaufend. So bleibt vom alten Prinzip vor allem die Wiederholung selbst übrig, während Form und Farbe heute deutlich mehr Freiheit haben.
Das handgewebte Tablett mit gewelltem, grünem Rand von Sophie Allport ist nicht nur praktisch, sondern auch dekorativ, ein echter Blickfang auf Couch- oder Esstisch für ein Extra an Natürlichkeit.
Bei Meri Meri tragen auch Servietten einen gewellten Rand. In klein oder groß enthält jede Packung 16 Stück in acht Farben. So muss man sich für keinen Farbton entscheiden und der Tisch erhält einen witzig bunten Look.
Die Tischsets, Glasuntersetzer und Servietten von Bitossi tragen eine gestickte Kante, deren unregelmäßig verschlungene Linie wirkt, als wäre sie von Hand gezeichnet worden. Aus reiner Baumwolle sind die textilen Eyecatcher maschinenwaschbar.
Hoff-interieur bringt mit seinen Wein- und Sektgläsern „Blooming Grace“ und ihrem blumig gewellten Rand in sechs fröhlichen Farben gute Laune auf den Tisch.
Mit seinen „Samsurium“ Mini-Schalen in den Farben Mimosa und Blush verbreitet Dottir große Freude auf dem Tisch. Aus Porzellan eignen sich die kleinen gewellten Bowls für Oliven, Erdnüsse, Marmelade und mehr.
Wellenkanten machen Geschirr, Tischwäsche und Möbel weicher, organischer, ja menschlicher.
Bei Ib Laursen zeigen die Steingutbecher mit und ohne Henkel ein bewegtes Farbenspiel in der Glasur. Die weich gewellte Oberfläche sorgt dafür, dass die Becher gut in der Hand liegen.
Die Pendelleuchte „House Doctor Desk“ besticht durch ihren gefalteten Lampenschirm mit markanter Wellenkante in gebürstetem Eisen.
Rauer Charme
Neben der eleganten Anmutung sieht man gewellte Oberflächen und Formen auch in einer etwas erdigeren Variante. Statt Weiß und Creme bestimmen hier warme Beige-Brauntöne sowie Honiggelb und Terracotta oftmals das Bild. Keramik und Glas dürfen etwas schwerer sein und die Formen wirken ein wenig grober und handwerklicher. Das Metall ist oftmals eher matt gebürstet oder gealtert angelaufen. Gefaltete oder changierende Oberflächen brechen dabei das Licht auf angenehm unregelmäßige Weise und schaffen eine leicht urige, behagliche Atmosphäre. Die Gesamtoptik ist ebenfalls natürlich, aber insgesamt viel wärmer und rustikaler. Die Wellen wirken hier noch weniger perfekt, dafür umso gemütlicher. Natürliches Holz beim Tisch oder Holzbretter runden den Look ab.
Die Vase „Blossa“ von Boltze aus lackiertem braunem Glas ist ein handgearbeitetes Unikat. Die organische Formgebung der 17 Zentimeter hohen Vase wird durch die glänzende Oberfläche unterstrichen.
Knusprige Kante
Ein gewellter Rand gehört zu den klassischen Formen in der Konditorei. Viele historische Ausstechformen bei Plätzchen werden mit geriffelter Kante hergestellt. Ob Linzer Kekse in Österreich, Spitzbuben in der Schweiz, Sablés in Frankreich oder Shortbread-Kekse aus Großbritannien, die häufig mit den sogenannten „fluted cutters“ ausgestochen werden. Eine gewellte Kante gibt dem Gebäck direkt ein aufwendigeres, ja festlicheres Aussehen, ohne dass die Form an sich kompliziert ist. Aber nicht nur bei Keksen, sondern auch bei Kuchen finden sich wellige Formen. Die klassische Tarteform trägt ihren gewellten Rand ebenso selbstverständlich wie der Gugelhupf seine gerillte, sich windende Silhouette. Besonders schön zeigt sich das beim französischen Cannelé, das „geriffelt“ bedeutet und dessen charakteristische Rillen dem Gebäck seinen sicheren Halt in der Hand und eine vergrößerte karamellisierte Krustenfläche verleihen.
Le Creuset gibt der Tarteform mit der neuen Farbe Bleu Riviera einen frischen Akzent, der einen Hauch sommerliche Meeresbrise in die Küche bringt – ein stimmungsvoller Kontrast zu warmen Holz, aber auch modernen Grautönen.
Die Ausstechform für Linzer Plätzchen gibt es bei Birkmann mit dem klassischen welligem Rand und einer Innenausstechung wahlweise als rundes Loch, Herz, Stern, Schmetterling, Teddy, Hase, Tanne und mehr.
Scharfe Wellen Auch Küchenhelfer tragen gerne einen Wellenschliff, um damit verschiedenen Lebensmitteln, Gerichten und Backwaren ein schönes Muster zu verleihen oder schlicht, weil es ganz einfach die Funktionalität erhöht. So wirkt Gemüse mit Wellenschnitt direkt viel dekorativer als eine gerade Kante – ganz abgesehen vom Gebäck, das immer gerne verziert wird. Messer mit Wellenschliff eignen sich ideal für Schnittgut, das außen hart und innen weich ist, sowie für faserige Materialien. Die sägeartige Verzahnung greift sofort, erfordert weniger Kraftaufwand und schont dabei weiches Material. So ist es optimal für Brot, Brötchen, Kuchen und Gemüse und Obst wie Melonen oder Kürbisse geeignet.
Die Klinge beim Brotmesser „Osaka“ von Zassenhaus aus verschiedenen Stahlschichten trägt einen präzisen, scharfen Wellenschliff, der Hammerschlag sorgt dabei für müheloses Lösen vom Schneidgut. Der Griff aus Olivenholz mit individueller Maserung sorgt für sicheren Halt.
Die Pfeffermühle „Paris“ von Peugeot Saveurs trägt seit 1987 ihre charakteristische, gedrechselte Wellenform aus Buchenholz und liegt dabei angenehm in der Hand.
Der Wellenschneider „Presto“ von Tescoma ist hervorragend zum dekorativen Schneiden von Kartoffeln, Gurken, Möhren, aber auch Butter und Teig geeignet und verleiht diesen dabei eine elegante Wellenkante.
Der „Tortendekorationskamm Wellen“ von der Lares Blechwaren-fabrikation zieht zwei verschiedene effektvolle Muster in Sahne, Glasuren und Cremes, da er beidseitig nutzbar ist.
Bewegung am Pos
Mit Wellenform oder gewellter Kante erhalten Geschirr, Homeaccessoires, Küchenhelfer und sogar Kulinarisches eine lebendige und dynamische Optik, die mal natürlicher und mal traditioneller anmutet, aber immer wohnlich und geborgen wirkt. Für den Handel lohnt sich der Blick über eine Kategorie hinaus, denn wer die Welle quer durchs Sortiment aufgreift, schafft im Regal ein stimmiges, wiedererkennbares Wellenspiel.
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