Roland Stehle ist als Inhaber seines Redaktionsbüros eines der vertrauten Gesichter der Branche: kompetent, zuverlässig und stets mit einem passenden Spruch auf den Lippen. Dabei tritt er ruhig und besonnen auf, ist bestens vernetzt und versteht es, viele Fäden erfolgreich zusammenzuführen.
In der Ruhe liegt die Kraft
VITA Roland Stehle betreibt seit 2000 ein Redaktionsbüro für PR-Beratung und Redaktion, seit 2017 mit seinem Sohn Patrick Stehle. Zuvor war er in leitender Position im Bereich Presse und PR in der Industrie tätig. Zwischen 2003 und 2024 war er verantwortlich für die Presse- und PR-Arbeit bei der Branchenorganisation GFU Consumer & Home Electronics GmbH, Inhaberin der Markenrechte der IFA.
Immer gut gelaunt,
top organisiert und absolut professionell. Seine
weitreichende Erfahrung teilt er immer gern.
Sie wollten eigentlich in den Ruhestand gehen und sind trotzdem noch mittendrin: Lässt die Branche Sie einfach nicht los? Generell war ein Einschnitt mit Knopfdruck von hundert auf null nie so ganz mein Plan. Es ist aber als „Teilzeitrentner“ inzwischen schon um Einiges weniger auf der täglichen beruflichen Agenda geworden. Und ja, unsere fantastische Branche hat mich früh infiziert und lässt mich auch nicht ganz los – sonst hätte sie ja auch nicht mein komplettes Berufsleben bestimmt. Die Branche ist schon etwas Besonderes und ich war und bin fast ausschließlich von sehr netten Menschen umgeben. Aus der einen oder anderen beruflichen Beziehung ist so auch eine langanhaltende Freundschaft entstanden. Das finde ich sehr schön und bemerkenswert.
Sie kennen die Branche aus ganz unterschiedlichen Perspektiven. Was hat sich verändert und was wird sich vermutlich nie ändern? Die Branche ist ständig in Bewegung – das muss sie auch sein, denn die Welt und die Technik bleiben nicht stehen. Zum Start meines Berufslebens gab es beispielsweise noch deutlich mehr Produktion in Deutschland und Europa, da ist bekannterweise viel nach Asien abgewandert. So habe ich im Lauf der Zeit einige Firmen kommen und leider auch welche gehen sehen. Dass eine über Jahre erfolgreiche Marke keine Garantie für zukünftigen Erfolg ist, ist eine Tatsache, die sich nicht ändern wird. Auch die Handelslandschaft hat sich stark verändert, Geschäftsmodelle von Mitte der 1980er-Jahre funktionieren in Zeiten von Online-Handel und KI einfach nicht mehr. So wird die Veränderung der Rahmenbedingungen weitergehen. Industrie und Handel werden sich entsprechend immer weiter und neu auf die sich wandelnden Gegebenheiten anpassen müssen.
Sie gelten als ausgesprochen ruhiger und besonnener Mensch. Ist Gelassenheit eine Charaktereigenschaft oder etwas, das man sich in dieser Branche hart erarbeiten muss? Das lässt sich pauschal nicht sagen, aber meines Erachtens schadet Gelassenheit in keiner Branche. Ich denke bei mir ist es das Zusammenspiel aus Charaktereigenschaft, erworbenen Fähigkeiten und Erfahrung (positiv wie negativ). Entscheidend erscheint mir: Unter Zeitdruck und Hektik leidet die Qualität – die alte Weisheit „in der Ruhe liegt die Kraft“ finde ich sehr treffend.
Stillstand ist für Roland Stehle auch als Teilzeitrentner keine Option. So zieht er – gerne auch im Hintergrund – an sehr vielen Strippen.
Er kennt die IFA in Berlin und deren Aussteller wie seine eigene Westentasche. Wer Fragen hat, findet bei Roland Stehle immer eine Antwort. Wir hoffen auf viele weitere Jahre als Teilzeitrentner.
Was war der mutigste Schritt Ihrer beruflichen Laufbahn? Da gibt es eigentlich zwei Entscheidungen in der Laufbahn zu nennen: Zuerst der Wechsel aus der Technik in die PR und Kommunikation – ich hatte ursprünglich ja einen ganz anderen Beruf gelernt und studiert. Der zweite große Schritt war dann natürlich der Sprung aus der Industrie-Anstellung in die Selbständigkeit, praktisch zur Hälfte des Berufslebens. Beides musste ich glücklicherweise nie bereuen, es war jeweils eine Punktlandung und hat mir viel Spaß und auch Erfolg gebracht.
Ihr Herz schlägt auch für Eishockey. Was kann die Branche von diesem Sport lernen? Alles ist möglich, aus einem vermeintlich beruhigenden Vorsprung kann schnell eine Niederlage werden – und umgekehrt kann ein Rückstand auch in kürzester Zeit noch in einen Sieg gedreht werden. Das verdeutlicht Eishockey meiner Meinung nach sehr stark und mehr als viele andere Sportarten. Eishockey zeigt also auch deutlich: Stillstand ist Rückschritt – das gilt meines Erachtens auch für unsere Branche.
Ihre Sprüche sind fast schon legendär. Gab es jemals Situationen, in denen Sie sprachlos waren? Angesichts der aktuellen Lage und verrückten Entwicklungen in der Welt gäbe es schon Gründe, sprachlos zu sein. Aber im Berufsleben ist mir das tatsächlich noch nicht so wirklich passiert. Manchmal liegt die Kraft nicht nur in der Ruhe, sondern auch in einem guten Spruch – Humor hilft immer.
Wenn Sie heute einem jungen Menschen aus der Branche einen einzigen Rat geben dürften, welchen würden Sie ihm mit auf den Weg geben – und welchen Spruch würden Sie gleich noch hinterherschieben? Der Rat: Man sollte immer neugierig und flexibel sein, nie stehen bleiben und Neues nicht grundsätzlich ablehnen. Und der Job sollte Spaß machen, also im wahrsten Sinne des Wortes eine Berufung sein und nicht bloß die reine Pflicht, oder noch schlimmer eine Qual. Sonst kann es auch auf die Gesundheit gehen. Der Spruch, er stammt von meinem Opa: Das Leben ist eine Intelligenzfrage.
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