
VITA
Michael Rossmann startete als Management- und Vertriebsassistent in der Textilbranche, reiste um die Welt und arbeitete als freiberuflicher Berater. Zu Beginn der 2000er Jahre enstand auf einer Asienreise – inspiriert durch eine ganz besondere Begegnung – die Idee von PAD und damit quasi ein doppelter Fall von „love at first sight“.
Im Jahr 2026 feiert die renommierte Textilmarke PAD 20-jähriges Firmenjubiläum. Damals wie heute steht der Gründer Michael Rossmann als kreativer Kopf hinter der Marke mit Seele, die nachhaltige, europäische Produktion mit Liebe zum Detail, präzisem Handwerk und trendbewusstem Design verbindet.
Die Jahrtausendwende als Umbruch: Wie kam es damals dazu, dass aus einer geplanten Auswanderung die Gründung von PAD wurde?
Nach fast einem Jahrzehnt in der Design- und Vertriebswelt eines schwedischen Heimtextilunternehmens habe ich damals eine zweite anderthalbjährige Asienreise unternommen. Auf dieser Reise begegnete ich der australischen Liebe meines Lebens, einer Interior Designerin, die mir später unsere beiden Kinder schenkte. Nach unserer Rückkehr arbeiteten wir beide als selbstständige Designer und Berater für verschiedene Marken in Europa. Uns war schnell klar, dass man Kreativität und Stil weltweit vermarkten kann, unabhängig vom Ort. Als unser Sohn drei Jahre alt wurde, planten wir, von Europa nach Australien auszuwandern. Doch genau in diesem Moment blieb ein Kunde seine Zahlung schuldig und meine damalige Frau schlug vor, ich solle die Kollektion selbst verkaufen. Gesagt, getan: Nach nur drei Tagen unterwegs in Österreich und einem Umsatz von 150.000 Euro blieb uns gar nichts anderes übrig, als eine eigene Firma zu gründen. Zunächst in Deutschland, einen Monat später auch in Australien. Von da an pendelte ich zwischen zwei Kontinenten, zwischen Lagern, Messen und Produktionen. Diese Zeit war unglaublich inspirierend: In Deutschland spürte man plötzlich den lässigen australischen Lifestyle in unseren Produkten, während die Australier den europäischen Sinn für Stil und Qualität entdeckten. Nach vielen Höhen und Tiefen und auch manchem Verzicht konnten wir PAD erfolgreich aufbauen und im Markt etablieren.
Wie definieren Sie für sich selbst „Risiko“ und wann lohnt es sich, den Mut zum Schritt ins Ungewisse zu haben?
Risiko lohnt sich immer dann, wenn man seinem Gefühl folgt und an sich selbst glaubt, nicht aus Gier, sondern aus Leidenschaft. Wer überzeugt ist von dem, was er tut, und konsequent dranbleibt, schafft am Ende immer etwas Wertvolles, auch wenn der Weg steinig ist. Ich wünsche mir diesen Mut auch heute wieder häufiger, vor allem im Einzelhandel. Es braucht neue Ideen, frische Konzepte und den Glauben daran, dass man etwas bewegen kann. Gleichzeitig müssen die Rahmenbedingungen stimmen, etwa durch staatliche Unterstützung bei Mieten oder Personalkosten. Nur so bleibt Raum für Innovation, Individualität und Vielfalt, das, was uns als Gesellschaft eigentlich ausmacht.
Wie wichtig ist das „Immer anders“ für den Markenerfolg und wie bleiben Sie kreativ, wenn der unternehmerische Alltag strukturiert sein muss?
„Immer anders“ ist für mich das Herzstück einer erfolgreichen Marke. Lebendig und immer in Bewegung bleiben ist das Motto. Es bedeutet, offen zu bleiben für Neues, für Trends, für Energie. Genau das macht meinen Beruf so faszinierend. Gleichzeitig braucht unternehmerischer Erfolg Struktur, Disziplin und Verlässlichkeit. Ohne mein großartiges Team, das mit Vertrauen, Loyalität und klaren Abläufen arbeitet, wäre PAD nicht das, was es heute ist. Kreativität und Organisation schließen sich nicht aus, sie ergänzen sich. In diesem Spannungsfeld entsteht die Energie, die PAD so lebendig macht.
Würden Sie sagen, dass Sie eher ein Visionär, ein Macher oder ein Abenteurer sind?
Das dürfen andere beurteilen. Sicher ist: Ich habe immer mutig an meinen Ideen festgehalten und durfte dabei mit offenen Augen durch die Welt gehen. Geld war nie der Antrieb, vielmehr der Wunsch, eine eigene Marke im Bereich Heimtextilien aufzubauen. Keine Lizenzgeschäfte, keine schnellen Erfolge, sondern eine Marke mit Charakter. Mit dieser Haltung entwickeln Projekte über die Zeit ihren eigenen Rhythmus und ihre Authentizität und genau das macht sie irgendwann zur echten Marke.
Do it with love.
Or not at all.
Klasse statt Masse: Wie lässt sich diese Redewendung auf Ihre Marken-Ideologie übertragen?
„Klasse statt Masse“ beschreibt PAD sehr gut. Uns geht es darum, durchdachte, hochwertige Produkte zu schaffen, nachhaltig, fair und mit Liebe zum Detail, in Traditionswebereien produziert. Leider beobachten wir, dass viele zwar über Nachhaltigkeit und faire Arbeitsbedingungen sprechen, aber am Ende ihr Geld lieber für Reisen, Autos oder Restaurantbesuche ausgeben als für bewusst gefertigte Designs. Gerade in unsicheren Zeiten ist das verständlich und doch bleibt es unsere Aufgabe, Überzeugungsarbeit zu leisten. Wir wollen Produkte schaffen, die Qualität, Ästhetik und Verantwortung miteinander verbinden und so zeigen, dass gutes Design auch ein gutes Gefühl hinterlassen kann.
Der Stoff, aus dem Träume gemacht werden. Was ist Ihr persönlicher Favorit unter den Textilien und warum?
Dieser Favorit ändert sich für mich saisonal, es gibt so viele faszinierende Materialien, Techniken und Manufakturen. Ich bewundere die kleinen Familienbetriebe, die ihr Handwerk über Generationen weitergeben – ob in Italien, Spanien, Portugal, Frankreich, den Benelux-Ländern, Deutschland oder Indien. Ich kenne jede dieser Werkstätten und Produktionswege persönlich und sehe es als meine Aufgabe, sie zu unterstützen. Unser Ziel ist es, uns klar vom Massenmarkt abzugrenzen, fernab der großen Fashionlabels, die sich nun im Interiorbereich versuchen, oder von „Ikea Wir Stehen Für Werte Und für Individualisten“. PAD soll für echte Handwerkskunst und besondere Textilien stehen, spürbar, ehrlich und mit Seele.

Wie kann man sich Ihren Arbeitsplatz vorstellen – als gemütliche Kissenlandschaft mit all Ihren Lieblingsstücken von PAD?
(lacht) Nicht ganz. Mein Arbeitsplatz ist eher ein kreatives, wachsendes Chaos, aber im besten Sinne. Ich sitze mit unserem Designteam zusammen, Ideen entstehen überall, Stoffmuster liegen auf dem Tisch, und trotzdem herrscht eine gewisse Ordnung im Durcheinander. Es ist einfach eine wunderbare Branche: kreativ, lebendig, inspirierend. Und wenn ich dann doch mal aufräume, entdecke ich zwischen all den Kissen, Farben und Mustern wieder, warum ich diesen Beruf so liebe.
