Fast hätte er Geographie studiert. Auch wenn es dazu nicht kam, ist Martin Ludwig ein geborener Pfadfinder mit untrüglichem Gespür für den richtigen Weg, immer im Einklang mit seinen Werten, seinem Umfeld und seinen Interessen.
Der Richtungsfinder
VITA: Nach dem Studium der Betriebswirtschaftslehre und dem International Executive MBA startete Martin Ludwig als Produktmanager bei Dornbracht. Es folgten Positionen als Bereichsleiter Marketing und Geschäftsführer bei WMF Consumer Electrics, Senior Vice President Consumer BU Product Creation & Int. Strategy bei WMF GROUP (Groupe SEB) und heute Head of BA Western Europe in der Geschäftsleitung der Liebherr-Hausgeräte Vertriebs- und Service GmbH.

Gibt es einen roten Faden, der sich durch Ihre berufliche Entwicklung zieht?
Definitiv – mein beruflicher Werdegang ist geprägt von klarer Zielorientierung, Entscheidungsfreude und der Bereitschaft, stets die sprichwörtliche „extra Meile“ zu gehen. Die Zusammenarbeit mit Menschen, sei es mit dem eigenen Team oder im Dialog mit Partnern, ist für mich eine der größten Motivationen und bereichert meinen Alltag. Eine ausgeprägte Marken- und Designaffinität begleitet mich dabei kontinuierlich und spiegelt sich in allen meinen beruflichen Stationen wider. Zudem habe ich mein gesamtes Berufsleben in der Welt von Bad und Küche verbracht – bei Dornbracht, WMF und heute bei Liebherr – was mir eine tiefe Branchenkenntnis und Leidenschaft für innovative Produkte ermöglicht hat.
Was waren die wichtigsten Entscheidungen, die Sie in Ihrem beruflichen Leben getroffen haben?
Eine der prägendsten Entscheidungen meiner beruflichen Laufbahn war, mich für ein betriebswirtschaftliches Studium anstelle von Geographie zu entscheiden und schon früh praktische Erfahrungen im Unternehmen zu sammeln. Von Beginn an habe ich Herausforderungen aktiv gesucht und konsequent bis zum Ziel verfolgt – sei es beim Aufbau neuer Geschäftsfelder, bei Markendehnungen, Produkteinführungen oder Restrukturierungen. Besonders erfüllend empfinde ich Wachstumsstrategien, da sie nicht nur unternehmerisches Potenzial freisetzen, sondern auch Teams inspirieren. Der Mut zur Veränderung und das Vertrauen in die eigenen Stärken sowie in die Fähigkeiten meines Teams und der Marken, die ich führen durfte, waren dabei stets zentrale Leitmotive. Ein besonderer Meilenstein war die Übernahme der alleinigen Geschäftsführung der WMF CE im Alter von nur 34 Jahren. Diese Aufgabe hat mir in jungen Jahren die Möglichkeit gegeben, in eine umfassende Generalisten-Rolle hineinzuwachsen und Verantwortung für weitere Bereiche wie Finance, Einkauf und Entwicklung zu übernehmen.
Was würden Sie beruflich heute anders machen?
Mit einem Augenzwinkern: Ich hätte mich früher von meinem Blackberry trennen sollen. Die Erkenntnis, nicht immer und überall erreichbar sein zu müssen, ist erst mit den Jahren gereift. Heute weiß ich, wie wertvoll es ist, bewusst Zeiten für Erholung und persönliche Momente zu schaffen, um langfristig leistungsfähig und ausgeglichen zu bleiben.
Was tun Sie konkret, um eine gesunde und produktive Unternehmenskultur zu fördern?
Für mich ist es entscheidend, eine Organisationseinheit stets so zu führen, als wäre es mein eigenes Unternehmen – das hilft bei vielen Entscheidungen, die wir täglich mehrfach treffen. Werte zu haben und sie auch unter Druck authentisch zu leben, ist für mich selbstverständlich; bei Liebherr passen mein persönlicher Wertekanon und die Werte des Unternehmens sowie der Gesellschafter hervorragend zusammen – das macht es leicht, glaubwürdig zu bleiben. Verantwortung zu übertragen und zielorientiert zu führen, ohne in Micro-Management zu verfallen, ist für mich ebenso wichtig wie ein offenes Wort gegenüber Führungskräften und Mitarbeitenden. Ich lege großen Wert darauf, einen Rahmen zu schaffen, in dem Erfolge sichtbar werden und gemeinsam gefeiert werden können – sei es bei harten KPIs, Projekten oder Kampagnen. Das gilt sowohl intern als auch extern. Besonders überzeugt bin ich davon, dass Teams aus unterschiedlichen Charakteren und Perspektiven einen starken Beitrag zu einer produktiven Unternehmenskultur leisten – auch wenn dieser Weg oft anspruchsvoller ist als der einer vertrauten Einheitlichkeit.



Wie schaffen Sie es, auch unter Zeitdruck empathisch zu bleiben?
Schon früh habe ich von einem meiner ersten Vorgesetzten gelernt, dass Druck – auch Zeitdruck – oft selbst gemacht ist und damit auch steuerbar bleibt. Für mich sind Deadlines ein hilfreicher Kompass, um mich intuitiv auf das Wesentliche zu konzentrieren, statt mich von endlosen To-do-Listen stressen zu lassen – das gilt beruflich wie privat. Zeitmanagement ist für mich daher ein zentrales Thema: Zeit als unser knappstes Gut bewusst und sinnvoll zu nutzen, ist eine ständige Herausforderung, die es gilt kontinuierlich zu verbessern. Besonders wichtig ist dabei die Selbstreflexion: Was tut mir gut, was bringt mich und meine Familie weiter, und was ist vielleicht überflüssig? Die richtige Balance zu finden, ist für mich der Schlüssel zu nachhaltiger Leistungsfähigkeit und echter Zufriedenheit.
Was war die größte Herausforderung Ihrer Karriere – und was haben Sie daraus gelernt?
Die größten Herausforderungen meiner Karriere waren wirtschaftliche Turnarounds, die zunächst aussichtslos wirkten und unter komplexen Shareholder-Strukturen sowie erheblichem Zeit- und Leistungsdruck erfolgreich umgesetzt werden mussten – oft ohne zweite Chance. Die Erkenntnis, dass mit starkem Willen, einem engagierten Team und dem festen Glauben an Marke und Produkt selbst scheinbar Unmögliches erreichbar ist, war für mich eine der wichtigsten Lektionen. Diese Erfahrungen haben meinen Blick auf Veränderungsprozesse und insbesondere auf Private-Equity-Unternehmen nachhaltig positiv verändert (– weit entfernt von dem einstigen Bild der „Heuschrecke“, das Franz Müntefering geprägt hat.)
Gibt es ein persönliches Motto oder Prinzip, das Sie begleitet?
„Selten ein Schaden ohne Nutzen“ – dieses Prinzip habe ich schon früh von einem Mentor übernommen. Gerade in Situationen, die man selbst nicht direkt beeinflussen kann, hilft es, neben dem vermeintlich Negativen auch die Chancen und neuen Perspektiven zu erkennen und anzunehmen. Ein offenes Mindset und die Bereitschaft, schnell zu handeln, sind dabei entscheidend: sie richten den Blick nach vorne und verhindern, dass man zu lange an Vergangenem festhält.
Gibt es Produkt, das in Ihrem Verantwortungsbereich liegt oder lag, zu dem Sie eine besondere Verbindung haben?
Ja, diese Verbindung zu den Produkten ist bei mir tatsächlich sehr ausgeprägt. Als Fan von Architektur und Design achte ich darauf, dass in unserem Zuhause viele Produkte der Marken, für die ich tätig war oder bin, ihren festen Platz haben. In den Bädern finden sich ausschließlich Dornbracht-Armaturen, die Küche ist mit WMF Elektrokleingeräten, Töpfen und Pfannen bestens ausgestattet – und natürlich dürfen Liebherr Einbaugeräte wie Kühlschrank, Gefrierschrank und insbesondere der Weintemperierschrank nicht fehlen. Letzterer ist ein echtes Highlight in unserer offenen Küche und eine Empfehlung, die ich jedem gerne ans Herz lege.
