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Abgekühlte Marktkonjunktur bei Möbeln
Montag, 09.09.2019 | 00:00

Der zweite Hitzesommer in Folge ist auch an der deutschen Möbelindustrie nicht spurlos vorübergegangen. Nach einem leichten Umsatzanstieg im zweiten Halbjahr 2018 hat sich die Konjunktur bei den deutschen Herstellern bis zum Sommer 2019 wieder abgekühlt. Von Januar bis Juni lagen die Umsätze der Branche bei rund 8,9 Mrd. Euro und damit um 1,8 Prozent unter dem Vorjahreszeitraum. Das berichtet der Verband der Deutschen Möbelindustrie (VDM).

Umsatzzuwächse

Da die heimischen Hersteller nahezu zwei Drittel ihrer Umsätze im Inland generieren, spiegel die aktuelle Branchenentwicklung auch die Situation im deutschen Möbelhandel, der insbesondere auf der Großfläche geprägt sei von deutlichen Frequenzrückgängen, so der . Im Handel findet verstärkt eine Verlagerung in Richtung Onlinevertrieb statt. So meldet der Bundesverband E-Commerce einen Anstieg der Umsätze in den Bereichen Möbel, Lampen und Dekoration von 14,4 Prozent im zweiten Quartal dieses Jahres. Diese Entwicklung schreitet weiter voran und wir halten mittelfristig einen Anteil der Möbel-Onlineumsätze von 25 Prozent innerhalb der nächsten 5 Jahre durchaus für realistisch. Das bedingt selbstverständlich auch Anpassungsprozesse auf Seiten der Hersteller, die den gesamten Prozess von der Produktentwicklung bis hin zur Vermarktung digital denken müssen. Gerade der Vertrieb über reine Online-Marktplätze bedingt digitale Produktdaten, die beispielsweise auch in Konfiguratoren oder beim Thema Augmented-Reality benötigt werden.

Aber bei den Themen „Online“ und „stationär“ geht es nicht um ein entweder oder, sondern um ein sowohl als auch. Bereits im vergangenen Jahr hatten wir in einer Verbraucherbefragung festgestellt, dass die Mehrzahl der Deutschen (bis 40 Jahre 77 Prozent, Gesamtbevölkerung 48 Prozent) sich vor dem Möbelkauf Online informieren. Diese Verbraucher gehen also mit deutlich größerer Vorbildung als je zuvor an den Kauf und das sollten wir gemeinsam mit dem Handel offensiv nutzen. Informationen zur Funktionalität der Möbel, zu den verbauten Materialen und Inhaltsstoffen sowie zur Herkunft des Produktes müssen als wichtige Unterscheidungsmerkmale bei der Recherche im Netz angesehen werden.

Bewegte Branche

Nicht nur durch das Thema Online ist die Branche stark in Bewegung. Die aktuelle Lage der Unternehmen kann derzeit zwar als angespannt bezeichnet werden, sie ist aber nicht durchweg schlecht, wie die vom VDM im Sommer durchgeführte Umfrage zur wirtschaftlichen Lage zeigt: Die aktuelle Geschäftslage wird von 48 Prozent der Teilnehmer als befriedigend bzw. gut (39 Prozent) eingeschätzt. Nur 13 Prozent bewerten die aktuelle Geschäftslage als schlecht. Im Vergleich zum Sommer 2018 zeigt sich damit für die Mehrheit (39 Prozent) der Befragten ein gegenüber dem Vorjahr unverändertes Stimmungsbild.

Unterschiede offenbaren sich in der Einschätzung der aktuellen Geschäftslage im Inland und im Exportgeschäft. Während die Lage im Inlandsgeschäft von den meisten Befragten (61 Prozent) als befriedigend bewertet wird, ist das Bild beim Exportgeschäft negativer: 46 Prozent schätzen dieses zwar als befriedigend, weitere 32 Prozent allerdings als schlecht ein.

Die einzelnen Segmente der deutschen Möbelindustrie entwickelten sich von Januar bis Juni 2019 nach Angaben der amtlichen Statistik uneinheitlich. Die Küchenmöbelhersteller verzeichneten einen leichten Umsatzanstieg um 1,4 Prozent auf rund 2,5 Milliarden Euro. Auch die Büromöbelindustrie wies mit einem Umsatz von rund 1,1 Mrd. Euro ein positives Ergebnis aus (plus 1,6 Prozent). Die Hersteller von Laden- und sonstigen Objektmöbeln lagen um 1,4 Prozent über dem Vorjahreswert und erzielten einen Umsatz von rund 910 Millionen Euro. Einen Rückgang registrierten dagegen die Hersteller von Polstermöbeln, deren Umsätze von Januar bis Juni 2019 um 3 Prozent auf rund 470 Mio. Euro sanken. Auch die Umsatzentwicklung bei den sonstigen Möbeln (Wohnmöbel und Möbelteile) fiel mit minus 5,4 Prozent auf 3,5 Mrd. Euro negativer aus als der Branchendurchschnitt. Das kleinste Segment der Branche – die Matratzenindustrie – wies ebenfalls ein Umsatzminus in Höhe von 4,2 Prozent auf rund 390 Mio. Euro aus. Die Lage in diesem Segment hat sich nach zweistelligem Umsatzrückgang im vergangenen Jahr wieder einigermaßen stabilisiert.

Auftragseingänge

Im Vergleich zur amtlichen Statistik weisen die internen Erhebungen unserer Fachverbände positivere Zahlen aus, was in erster Linie an den dort enthaltenen Unternehmen mit ausländischen Betriebsstätten bzw. an den Vertriebsgesellschaften liegen dürfte. So zeigen die Auftragseingänge in der deutschen Wohnmöbelindustrie von Januar bis Juni einen Anstieg um 4,6 Prozent, in der Polstermöbelindustrie einen um 3,8 Prozent. Die Küchenmöbelindustrie liegt bei den Auftragswerten bis Juni auf Vorjahresniveau (plus 0,05 Prozent).

Hier noch ein Blick auf die Beschäftigtendaten der Branche: In den aktuell 477 Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten (minus ein Prozent) arbeiten 84.690 Frauen und Männer und damit liegen wir leicht (plus 0,4 Prozent) über dem Niveau des Vorjahres. Vor dem Hintergrund der positiven Umsatzentwicklung im zweiten Halbjahr 2018 wurden in der Branche binnen eines Jahres rund 350 neue Arbeitsplätze geschaffen.

Importe

Nachdem die deutschen Möbelimporte im Gesamtjahr 2018 noch um 0,4 Prozent auf 12,8 Mrd. Euro gestiegen waren, sanken sie im ersten Halbjahr 2018 um 0,7 Prozent auf 6,7 Mrd. Euro. Hier spiegelt sich die aktuell schwierige Marktverfassung. Das Außenhandelsdefizit reduzierte sich im gleichen Zeitraum um 17 Prozent auf rund eine Mrd. Euro. Überdurch-schnittlich stark stiegen die Einfuhren aus Asien (plus 12,2 Prozent) und insbesondere aus Vietnam (plus 22,3 Prozent), Indonesien (plus 16,9 Prozent) und Taiwan (plus 8,4Prozent). Vor allem konnten aber die Importe aus dem zweitwichtigsten Importland China um 11,9 Prozent zulegen. Polen verlor dagegen 1,2 Prozent, blieb jedoch wie in den vergangenen Jahren das mit Abstand wichtigste Möbelherkunftsland. Mehr als jedes vierte nach Deutschland importierte Möbel (26 Prozent) stammt inzwischen aus unserem östlichen Nachbarland. Insgesamt gingen die Einfuhren aus den EU-Ländern leicht um 3,8 Prozent zurück. Tschechien war mit einem deutlichen Rückgang von 13 Prozent das drittwichtigste Importland. Trotz der aktuellen Verschiebungen weg von Osteuropa hin zu Südostasien weist die Struktur der deutschen Möbelimporte weiterhin eine hohe Konzentration auf: Allein auf die drei wichtigsten Lieferländer Polen, China und Tschechien entfallen aktuell über 55 Prozent der gesamten deutschen Möbelimporte.

Kostenfaktoren

Neben der weiterhin hohen Importkonkurrenz wirken einige Kostenfaktoren verstärkt auf die Branche ein. Insbesondere die steigenden Logistikkosten stellen sich als Renditebremse dar. Die befragten Unternehmen der deutschen Möbelindustrie berichten von einem durchschnittlichen Anstieg der Logistikkosten von sieben Prozent im Vergleich zum Sommer 2018. Die Personalkosten verteuerten sich im gleichen Zeitraum um vier Prozent und die Massivholzkosten um drei Prozent. Dieser Kostenanstieg kann angesichts der Marktmacht auf der Handelsseite oft nur unzureichend in der Kette weitergegeben werden. Nach Einschätzung unserer Hersteller wird die Konjunktur in den kommenden sechs Monaten zusätzlich durch den Fachkräftemangel (26 Prozent aller Befragten), den Brexit (22 Prozent), internationale Handelsbeschränkungen (neun Prozent, die steigende Rolle von E-Commerce, die Erhöhung der Ausgaben der öffentlichen Hand und eine zunehmende Konsumzurückhaltung beeinflusst.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Marktlage und den bestehenden Herausforderungen für die Hersteller haben wir als Verbände der deutschen Möbelindustrie mehrere Initiativen zur Umsatzstärkung und damit zur Unterstützung unserer heimischen Unternehmen ins Leben gerufen:

Perspektiven

Die Vorzeichen für die weitere Entwicklung der Branche im zweiten Halbjahr bewerten wir insgesamt verhalten. Eine allmählich abkühlende Bautätigkeit dürfte sich in den kommenden Monaten zunehmend dämpfend auf die Möbelnachfrage auswirken. Die Konjunkturprognosen für das laufende Jahr wurden von den führenden Wirtschaftsforschern zuletzt deutlich nach unten revidiert und auch die jahrelang gute Verbraucherstimmung bekommt gemäß den jüngsten GfK-Zahlen einige Dellen. Vor diesem Hintergrund gehen wir für das Gesamtjahr 2019 von einer um 1,5 bis zwei Prozent geringeren Umsatzentwicklung der Möbelindustrie aus. Hinsichtlich der gerade aufflammenden Diskussion um politische Impulse zur Stimulierung der Konjunktur plädieren wir für eine gezielte und spürbare Maßnahme mit entsprechender Breitenwirkung, die den Verbrauchern mehr Spielräume eröffnet und sprechen uns für eine schnelle und komplette Abschaffung des Solis, beginnend schon im Jahr 2020 aus. Damit kann den Verbrauchern, denen seit Jahren aufgrund der realen Negativzinsen Liquidität entzogen wird, Kaufkraft zurückgegeben werden.

 


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