Round Table

Wie handeln wir morgen?

Beim dritten Round Table, zu dem der Göller Verlag ins herrschaftliche Palais Biron nach Baden-Baden eingeladen hatte, kamen Anfang Juni Händler und Hersteller aus verschiedenen Branchen zusammen, um das brisante Thema „Wie handeln wir morgen?“ gemeinsam zu diskutieren.

Spannende Gespräche führten 19 Experten in schönem Ambiente

Zwar ist der Online-Handel nicht mehr wegzudenken, aber die Kunden schätzen nach wie vor den klassischen Laden um die Ecke. Drei spannende Vorträge über den Wandel im Handel boten reichlich Gesprächsstoff für anregenden Austausch. Verlagsleiter Ulrich Göller hob die großen Veränderungen im Handel durch den zunehmenden Einfluss des Internets hervor. Wie eine Symbiose zwischen Online und stationärem Handel aussehen und wie der stationäre Handel auf steigende Klickraten reagieren könnte, fragten sich die 19 Teilnehmer.
Moderatorin Eva Barth-Gillhaus, Kom:pakt, berichtete von einem Saturngeschäft in Köln, das den „Store of the year“-Preis erhalten hat, unter anderem weil dort mit virtuellen Brillen der Einkauf erleichtert wird. „Der stationäre Handel muss seinen Kunden einen Nutzen stiften, entdecken und stöbern gehört dazu. Kleine, individuelle, nachhaltige und lokale Läden starten momentan erfolgreich durch“, erläuterte die Fachjournalistin in ihrer Einleitung. „Es geht nicht mehr nur um den Preisvergleich, das Motto „Geiz ist geil“ ist Schnee von gestern. Die Kunden sind bereit, mehr zu bezahlen, sofern sie einen Mehrwert bekommen.“

In seinem Vortrag „Schöne neue digitale Welt – Fluch und Segen der aktuellen Handelsrevolution“ stellte Dr. Johannes Berentzen von der Unternehmesberatung Dr. Wieselhuber & Partner kenntnisreich dar, wie schnell und wie viele Daten inzwischen bereits abrufbar sind. „Das Internet vernetzt 50 Milliarden Dinge“, so Johannes Berentzen. Hersteller wie Händler müssten diese Daten intelligent nutzen, beispielsweise mit „iBeacons“, personalisierten Nachrichten an die Kunden auf deren Handy. Über „Heat Maps“ können stationäre Geschäfte feststellen, wo sich die Kunden lange aufhalten und was sie anfassen. Damit könnten Läden all die Daten sammeln und auswerten, über die der Onlinehandel bereits automatisch verfügt.
„Mit dem Smart Home steht ein großer Markt in den Startlöchern. Demnächst sind Heizung, Fernseher, Ofen oder Lampen mittels App steuerbar. Produkte und Maschinen werden kundenindividuell miteinander vernetzt“, meinte Johannes Berentzen. Inzwischen kann man fast alles online kaufen, Auto und Lebensmittel inklusive. Die meisten Nutzer lassen sich in der Kaufentscheidung durch soziale Netzwerke beeinflussen.
„Das neue Sprachbedienungsprogramm „Alexa“ von Amazon wird den mobilen Handel verändern. Während der Onlinehandel wächst (vor allem Amazon, Kindle und Alibaba), stagniert der Einzelhandel. Wandel ist daher wichtig, auch wenn das Geld nach wie vor stationär verdient wird“, erläuterte der Unternehmensberater. Nicht jeder Händler braucht einen Onlineshop, aber jeder muss im Internet auffindbar sein. Cross-Channel statt Multi-Channel lautet die neue Devise, dazu müssen Kanäle miteinander vernetzt werden. Der Kunde schaut auf die App, kauft online und gibt die Ware im Laden zurück. Nach wie vor ist zudem eine starke Marke wichtig. Johannes Berentzen rät: „Geschäfte sollen anstelle der „Points of sale“ vielmehr „Points of emotion“ bieten, die Sinne ansprechen und den Kunden beraten, nicht nur Produkte, sondern Lösungen für Kundengruppen anbieten und die Technik mitsamt aller Daten sinnvoll nutzen.“

Links oben: Mario Melle, Constancy, sprach über digitale Transformationen im stationären Handel - Rechts oben: Moderatorin Eva Barth-Gillhaus, kom:pakt, beoabchtet den Wandel im Handel - Links unten: Dr. J. Berentzen, Dr. Wieselhuber & Partner, erläuterte anschaulich die neue Handelsrevolution - Rechts unten: Mediaberaterin Daniela Walser informierte über den Einfluss der Blogger und Youtuber

Erst Lauschen, dann austauschen: die Teilnehmer des Round Table

Alle Kanäle gleich behandeln

Mario Melle, Gründer und Betreiber von Constancy, sprach über „Die digitale Transformation im stationären Handel“ und gab wertvolle Anregungen. „Jeder Hersteller muss sich gut überlegen, wie viele Marktanteile er an Amazon abgeben wolle, damit keine Monokultur entsteht“, so Mario Melle. Er erörterte auch, wie der Online-Handel dem stationären Handel helfen kann und rät, alle Kanäle gleich zu behandeln. Callcenter, Webshops und Stores sollten sich ergänzen, der Kunde muss sich frei hin- und herbewegen können. Jeder stationäre Handel sollte über einen Touchscreen verfügen und auch die mobilen Endgeräte stärker in die Läden hineinholen. Er warb für einen Zusammenschluss der Händler.
Stefan Drude, absolutweb, berichtete während der Diskussion begeistert von der gut funktionierenden Symbiose aus Onlineshop und stationärem Handel bei dem Schuhhändler Deichmann.

Blogger und youtuber

Die Jugend lässt sich über „Influencer“, starke, einflussreiche Persönlichkeiten im social web, wie Blogger oder Youtuber, ansprechen, das verdeutlichte Daniela Walser, Daniela Walser Medienberatung, in ihrem abschließenden Vortrag über „Influencer Marketing als Bestandteil integrierter Kommunikationsstrategien“. Influencer gelten als authentisch, ihr Beitrag bleibt lange auffindbar und die meisten sind mehrkanälig unterwegs. „Der Hersteller braucht allerdings eine gute Strategie, muss sein Ziel genau definieren und sich gut überlegen, welchen Influencer er für sein Produkt anspricht. Der Kontakt soll über profesionelle Agenturen laufen“, erklärt Daniela Walser. Täglich gehen 45.000 neue Seiten online! Blogger wie Youtuber arbeiten immer profesioneller und nehmen für ihre Leistungen inzwischen viel Geld. Von singulären Maßnahmen rät die Expertin jedoch ab.
In der regen Diskussion, die sich den informativen Vorträgen anschloss, wurden Aspekte wie Retourequoten, Logistikketten im Lebensmittelbereich und schnellere Lieferzeiten angesprochen. Fazit bei den Händlern: Der stationäre Handel kann das Internet positiv nutzen, zum Beispiel durch sinnvolle Angebotskombinationen und vor allem durch bessere Auswertung und Verknüpfung des vorhandenen Datenmaterials.

Ein Einblick in unser Round-Table-Gespräch:

https://youtu.be/CXee6w-Vtmg

Diskutiert: Wie lassen sich Online-Handel und Geschäfte verzahnen?

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