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Green X-Mas

Low-Waste-Weihnachten

Der Trend zu umweltfreundlicheren Gewohnheiten wird vielen wichtiger. Dabei geht es um die Meilensteine des Lebens, aber auch um die vielen kleinen Entscheidungen im Alltag. Zunehmend mehr Menschen denken über die Auswirkungen ihres Handelns nach und ihr Konsum wird immer bewusster – auch zu Weihnachten. Dabei erwarten sie vermehrt von Unternehmen, dass diese ebenfalls ihren Beitrag leisten.

Green DIY: In Zero Waste Weihnachten vom Frechverlag geht es um nachhaltige Kreativideen (Fotonachweis: frechverlag/Foto: Alexandra Achenbach) www.topp-kreativ.de

Die Internetplattform Pinterest hat Mitte Dezember 2019 basierend auf den Suchanfragen ihrer Nutzer die angesagtesten, aufstrebenden 100 Trends für 2020 herausgefiltert und diese zu zehn kulturellen Themen zusammengefasst. Eines davon ist „Bewusster Konsum“. So ist zum Beispiel die Suchanfrage nach „Low-waste-Lifestyle“ um +446 Prozent gestiegen und „Umweltfreundliche Alternativen“ um +172 Prozent. Um in die Pinterest 100 aufgenommen zu werden, muss ein Thema ein kontinuierliches, stetiges Wachstum aufweisen. Immer mehr Menschen wollen also dem Low-Waste-Lifestyle folgen – und das zeigt nicht nur Pinterest. Es geht um Energie sparen, Plastik vermeiden, keine Lebensmittel verschwenden und was man sonst noch so als verantwortungsvoller Konsument tut beziehungsweise besser lässt. Leider fällt immer noch besonders viel Müll gerade an Weihnachten an – laut Schätzungen circa 20 Prozent mehr als im restlichen Jahr. Ein Teil des Mülls lässt sich aber sehr einfach vermeiden zum Beispiel mit den Ideen, die es in dem Buch „Zero Waste Weihnachten“ vom Frechverlag gibt. Die Autorin Alexandra Achenbach stellt dort in über 40 Kreativprojekten nachhaltige Alternativen zu Klassikern zum Selbermachen vor. Vom selbstgemachten Weihnachtsbaum, über plastikfreie Adventskalender, die auch das restliche Jahr als Deko oder Kinderspielzeug verwendet werden können, bis hin zu DIY-Geschenken und wiederverwendbaren Verpackungen, die aus alten Kleidern oder Müll hergestellt werden. Zahlreiche Fakten und Texte zwischendurch vermitteln zudem interessantes Hintergrundwissen.

 

Green Tree

Der eine oder andere möchte aus ökologischer Sicht auf einen echten Weihnachtsbaum verzichten. Aber Plastik ist da nicht wirklich die beste Lösung. Eine Plastiktanne hält zwar länger, aber zum einen wird sie meist in Fernost produziert und hat einen langen Transportweg hinter sich und leider sieht sie nach einigen Jahren auch nicht mehr schön aus und wandert auf den wachsenden Kunststoff-Müllberg. Einen Baum mit Wurzeln zu kaufen, den man nach den Feiertagen wieder einpflanzt, ist natürlich schön und nachhaltig, aber nicht jeder hat einen Garten oder Platz, diesen bei sich in die Erde zu setzen. Mittlerweile kann man nun auch echte Weihnachtsbäume im praktischen Pflanztopf mieten – inklusive Anlieferung und späterer Abholung.

Wichtig ist hier, dass das Bäumchen, während es im Haus steht, ausreichend mit Wasser versorgt wird, denn es soll später ja wieder zurück in die Erde. Wer es aber sowieso schlicht und natürlich mag, kann auch auf den „Filigrantræ“ Weihnachtsbaum von Finders Habitat zurückgreifen – eine filigrane 165 Zentimeter hohe Holzvariante nach dem Entwurf der Designerin Trine Find. An den Holzästen kommen die Holzanhänger von Finders Habitat, aber auch anderer weihnachtlicher Schmuck wunderbar zur Geltung. Neben der hohen Ausführung gibt es auch eine Mini-Version mit 65 Zentimeter Höhe, die auch in kleinen Räumen oder auf einem Sideboard Platz findet. Die Produkte des dänischen Labels verbinden immer das natürliche Holz mit der nordisch minimalistischen Formensprache. Eine skandinavische, platzsparende Alternative, an der man dank der Langlebigkeit und Zeitlosigkeit lange seine Freude hat.

 

Nachhaltig serviert: Der Fuchs-Teller von Blue Brontide aus Eco-Eichenholz ist nicht nur zu Weihnachten ein Eyecatcher

Fairtrade Deko: Die Bäume von NineLives werden aus gefallenen Palmenzweigen hergestellt

Naturmaterial

Plastik ist die letzten Jahren sehr in Verruf geraten und Naturmaterialien, vor allem Holz, erhalten dadurch einen starken Aufwind. Der Eco Holz Fuchs-Teller von Blue Brontide lässt nicht nur Kinderherzen höher schlagen. Aus nachhaltigem Eichenholz ist er lebensmittel-echt, natürlich antibakteriell, umweltfreundlich und biologisch abbaubar. Damit können nicht nur Nüsse auf dem Tisch stehen, sondern Kindern die ganze Mahlzeit serviert werden, so dass er eine perfekte Alternative zu Kunststoff-Kindertellern ist. Anders als Bambus bleibt dieses massive Eichenholz ohne Nachbehandlung viele Jahre wie neu. Seit 20 Jahren schon beschäftigt sich NineLives mit ökologischer Dekoration. Pilze und Bäume aus meist gefallenen Palmenzweigen werden in Handarbeit in einer Fairtrade-Werkstatt in Tansania hergestellt. In Deutschland bemalt mit natürlichen Pigmenten, die mit Leinölfirnis vermischt werden, kann man dann einen natürlich, farbigen Miniwald als Dekoration aufstellen.

Zweitnutzung

Kerzen gehören für ein wohlig gemütliches Ambiente in der dunklen Jahreszeit einfach dazu. Viele Kerzen sind allerdings aus Paraffin, einem Erdölprodukt, so dass beim Abbrennen von diesen jedes Jahr tonnenweise CO2 in Deutschland freigesetzt werden. Als Alternative gibt es Kerzen aus natürlichem Material wie Bienenwachs, Raps oder Sekundärfette. Diesen Weg geht Biokema. Mitten in Deutschland werden da klimaneutrale Kerzen, Teelichter und Feueranzünder produziert unter Verzicht von Erdöl, essbaren Ölen und Palmfett aus fernen Ländern. Stattdessen setzt Biokema auf Mehrfachnutzung von Restfetten und -ölen aus der regionalen Gastronomie oder Lebensmittelherstellung. Diesen ursprünglich aus Pflanzen gewonnenen Fetten werden nach Eingang unzählige Tests und patentierte Reinigungsverfahren unterzogen. Es entsteht ein Brennstoff, der beim Verbrennen klimaneutral in die Natur entweicht, wo er sich als Kohlen- und Sauerstoff wieder in das natürliche Gleichgewicht der Natur einreiht.

Klimaneutraler Kerzenschein: Biokema setzt bei der Kerzenproduktion auf die Mehrfachnutzung von Sekundärfetten

Stoff-Umhüllung: Ein Stoff dient bei TrendRaider als Zero Waste Verpackung für die Weihnachtsgeschenke / Gut gewickelt: Auch Rico Design wickelt die Geschenke à la Furoshiki in deren Nostalgic Christmas Stoffe

Aufpimpen: Die Stempel von Cats on Appletree geben alten Papieren einen weihnachtlichen Touch

Nachhaltig verpacken

Eine Verpackung lässt ein Geschenk schöner aussehen und das Auspacken macht auf jeden Fall viel Spaß. Aber Geschenkpapier gehört zu den Produkten, deren Lebenszeit extrem kurz ist, wenn sie nach der einmaligen Benutzung im Müll landen. Es gibt mittlerweile ökologische, recycelbare Geschenkpapiere, die durch spezielle Materialien und Druckverfahren die Umwelt schonen. Einige Konsumenten gehen aber auch dazu über, altes Papier, wie Zeitungen oder Landkarten, zum Verpacken zu verwenden, das vorher ein weihnachtliches Umstyling mit Stempelmotiven erhalten hat. Mit einem Tuch aus reiner Bio-Baumwolle als Geschenkverpackung will das junge Berliner Start-up TrendRaider dem Verpackungsmüll zu Weihnachten entgegenwirken, denn man kann dieses Stoffstück immer wieder verwenden. Das nachhaltige Konzept stammt ursprünglich aus Japan und nennt sich „Furoshiki“. Nach einer bestimmten Technik wird da je nach Geschenk das Tuch um den Inhalt gewickelt und verknotet. Eine Anleitung ist auf der Banderole zu sehen und ein eigens dafür produziertes YouTube-Video tut sein Übriges. Das ambitionierte Start-up-Unternehmen aus Berlin möchte seine Kunden mit neuen, trendigen und nachhaltigen Produkten zu wechselnden Themen immer wieder aufs Neue überraschen. Der Grätz-Verlag setzt indes auf Geschenkdosen aus Blech als nachhaltige, wiederverwendbare Verpackung. Die aufwendig verarbeiteten Dosen aus robustem Weißblech sind langlebig und liebevoll von Künstlerhand illustriert. Als Schmuckstücke später auf Kommode oder Schreibtisch dekoriert eignen sie sich zur Aufbewahrung von Heftklammern, Knöpfen oder Accessoires.
Für viele bedeutet ein Low-Waste-Lifestyle, weniger und nachhaltigere Dinge zu verwenden und Abfall zu vermeiden. Nicht nur Öko-Spezialgeschäfte, sondern der gesamte Handel ist hier als Berater und Impulsgeber für passende Produkte gefragt. Denn es ist klar, dass dieser Trend weiter wachsen und den Weihnachtskonsum verändern wird.
TRENDagentur Gabriela Kaiser,
www.TRENDagentur.de

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