IFA-Rückblick

Welchen Wert geben wir KI?

Wenn Maschinen selbst entscheiden, nach welchen Kriterien tun sie das? Gibt es soziale Gerechtigkeit, Moral und Ethik unter Algorithmen? Können wir Künstlicher Intelligenz vertrauen? Werden Kryptowährungen, Token und Blockchain unser Finanzsystem revolutionieren? Darüber wurde auf dem IFA+ Summit diskutiert und im Bereich IFA Next wurden intelligente Produkte vorgestellt.

Auf‘s Grad genau stellt der Becher von Ember die Temperatur ein und hält diese beliebig lange

Mit dem Handy mal schnell eine Message auf den Rucksack posten oder das Herz leuchten lassen, wenn die Flamme vorbei läuft, so beeindruckt Pix bei der IFA Next junge Menschen.
Die Temperatur des Lieblingsheißgetränkes immer exakt auf der gewünschten Gradzahl, selbstverständlich App-steuerbar, hält der neue Ember Travel Mug. Und die smarte Helmleuchte von Cosmo Connected sorgt nicht nur für Helligkeit, sondern meldet auch, wenn der Biker oder der E-Roller-Fahrer gestürzt sein sollte, den Standort per SMS an eine hinterlegte Adresse. Sicherheit, Fitness und Genuß sind auch bei den intelligenten Geräten hipp.
Gigaaa Innovation GmbH aus Deutschland bietet eine Alternative zu Alexa, die mindestens ebenso leistungsfähig sein soll. „Ziel ist es, einen persönlichen Assistenten zu entwickeln, der auf künstlicher Intelligenz basiert, überall und über jedes Gerät erreichbar ist und zu jeder Zeit von jedem bedient werden kann. Jeder Mensch auf dieser Welt sollte Zugang zu Wissen haben, welches unser Leben vereinfacht und bereichert“, so Firmengründer Dragan Alexander Stevanovic.

Ob Hausautomation, Produktsteuerung oder der Austausch mit Freunden – je nach Bedarf können Produktentwickler die offene Architektur der Plattform für sich nutzen und auf die eigenen Bedürfnisse anpassen.


Vernetzte Fitness

Längst hat die Digital- und Smartrevolution das Trendthema Fitness erreicht. Durch Trainingsoptimierung soll der Körper noch leistungsfähiger werden. Icaros nutzt dafür das gesamte Digitalrepertoire inklusive Virtual Reality. Man setzt sich die VR-Brille auf und legt sich in einer Liegestütz-ähnlichen Haltung auf das dynamische Icaros-Gestell, das auf Lenkimpulse des Körpers in alle Richtungen reagiert – ab geht die Reise durch Galaxien und Welten. Die Bewegungen fördern den Muskelaufbau und kombinieren Spiel mit Sport.
Das Schweizer Startup Spobi gibt via Smartphone Trainingsvorschläge von Profis, die eigene Leistung kann mit der Community geteilt werden. Wer Challenges bewältigt, erhält Belohnungen in Form einer Digitalwährung, die als Rabatt auf Sportprodukte eingelöst werden können.

 

Das spacige Sportgerät Icaros vereint Fitness mit Virtual Reality

Integrierte RGB-LED-Panels lassen Pix Ruck-säcke leuchten, per App schnell neues Bild oder Schrift einstellbar

Ki aktiv gestalten

Shermin Voshmgir, Direktorin des Cryptoeconomics Research Lab an der Universität Wien und Gründerin des BlockchainHubs zeigt in ihrem jüngsten Buch „Token Economy“, was sie auch beim IFA+ Summit erläuterte, wie Blockchain und Token Hierarchien überflüssig machen können und sogar Instanzen wie Banken schon bald ablösen könnten. „Weniger Hierarchien bedeuten mehr Gleichberechtigung und Partizipation.Wenn wir jedoch die Blockchain-Technologie nicht richtig gestalten, könnten wir damit eine universelle Kontrollmaschine erschaffen“, betont die Expertin und ergänzt: „Heute kann man mit wenig Programmieraufwand in ein paar Minuten einen eigenen Token erstellen, publizieren und ausgeben.” Token können nicht nur als Zahlungsmittel, sondern auch als Fahrschein, Identitätsnachweis oder temporärer Zugang zu einer Ferienimmobilie dienen.
Die Stadt Wien will mit Token ökologisches Verhalten belohnen, wofür Shermin Voshmgir gerade eine Blockchain-basierte App entwickelt. Diese soll einen auf Smartphone-Sensoren gestützten, integrierten Schrittzähler nutzen, um Autoverzicht mittels Token zu belohnen, die automatisch gutgeschrieben werden und dann als vergünstigter Eintritt in kulturelle Institutionen genutzt werden.

Andere Sprecher des IFA+ Summit beschäftigten sich mit den Fragen nach sozialer Gerechtigkeit im Netz, nach Datenschutz, Cybersicherheit und Verantwortung. Der in Hamburg lehrende Technikphilosoph Pak-Hang Wong erläuterte: „Wenn ich über Google suche, hat meine Suche auch Auswirkungen auf andere Nutzer. Diese Beziehung sollte uns bewusst sein, wenn wir diesen bestimmten Algorithmus verwenden. Das ist eine Form der Ermächtigung für mich. So sollten wir uns mit KI und Algorithmen auseinandersetzen. Wenn sich genügend Leute einigen, geht es nicht nur um die Semantik, sondern auch um die Macht der Community. Ich benutze immer die Analogie des Klimawandels, um KI und Ethik zu beschreiben. In früheren Tagen haben die Menschen den Klimawandel geleugnet und seine negativen Folgen ignoriert. Aber langsam beginnen wir zu begreifen, dass der Klimawandel tatsächlich echte und ernsthafte Probleme verursacht. Ich denke, dasselbe gilt für die KI.“
Um so wichtiger, dass sich die Menschen damit auseinandersetzen und nicht nur „blinde“ User ihrer Algorithmen werden. Die IFA bietet dafür beste Voraussetzungen, um sich mit diesem wichtigen Thema zu beschäftigen!

www.ifa-berlin.com
4. bis 9. September 2020

Cosmo Connect aus Frankreich bietet mehr Sicherheit am Helm

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