Marmor

Stein mit Stil

In früheren Zeiten galt Marmor als prunkvoller Ausdruck von Macht und Wohlstand. Im Römischen Reich beispielsweise entstanden Tempel, Paläste, Denkmäler, Statuen und ganze Straßenzüge aus dem schimmernden Naturstein. Heutzutage können sich nicht nur die Reichen, sondern ganz normale Bürger das kostbare Material leisten. Denn Marmor liegt im Trend und ist Bestandteil vieler Wohn-Accessoires und Möbel.

Ein starkes Team - Der Tisch „Enoki“ von e15 wurde aus Marmor und unterschiedlich farbigem Stahl gefertigt

Der Designer Philipp Mainzer gestaltete beispielsweise für den Hersteller e15 den Beistelltisch „Enoki“, dessen Marmorplatte mit einem Fuß aus Stahl verbunden ist. Damit das Zusammentreffen der zwei dominanten Materialien nicht zu hart ausfällt, arbeitet der Designer mit leuchtenden Farben: Die farbigen Stahluntergestelle der Tische gibt es in Gelb, Grün, Rosa oder Rot, die 30 Millimeter dicken Marmorplatten haben eine matt geölte Oberfläche und sind in zwei Größen erhältlich. Schöne Kombinationen, die zeigen, dass Marmor gar nicht mehr so spießig ist, wie es über Jahrzehnte hinweg den Anschein hatte. Aus dem früher als bieder geltenden Material, das in den fünfziger und sechziger Jahren oft die Basis für Blumen- und Nierentische bildete, ist ein glamouröser Werkstoff geworden.
Richtig spannend wird es, wenn das Trend-Material mit ausgefallenen Formen verbunden wird: So scheint beispielsweise das kleine Bücherregal „Melt“ (auf Deutsch: schmelzen) sehr anlehnungsbedürftig zu sein. Und der Name des von dem schwedischen Designer Thomas Sandell gestalteten Möbels ist Programm: Es scheint sich nicht nur erschöpft an die Zimmerwand zu lehnen, sondern auch in der Sonne dahinzuschmelzen. „Melt“ ist aus fein gemasertem Carrara-Marmor gemacht.

Trendige Marmorierungen

Nicht mit dem Material Marmor, aber mit Marmorierungen, die etwa beim Glasieren von Keramik entstehen, befasst sich die Berliner Designerin Elisa Strozyk. Für ihre „Ceramic Tables“ hat die Gestalterin unterschiedliche flüssige Glasuren unter dem Einfluss von mechanischer Rotation und Luftbewegungen ineinander gegossen, um fließende Formen und rauchähnliche Muster zu erhalten. Schöner Mix: Die marmorierten Tischplatten können mit einem Gestell aus Kupfer kombiniert werden.
Ebenfalls auf die Kombination von Marmor und Metall setzt der britische Designer Tom Dixon. Mit der Gestaltung eines goldglänzenden Messing-Stößels und eines Mörsers aus  Marmor aus der Kollektion „Stone“ beglückt er alle Liebhaber luxuriöser Küchenhelfer. Die Mörserschale aus hochwertigem, indischen Morwad-Marmor hat einen großen, runden Rand, der für einen festen Halt beim Mörsern sorgt. Die graue Textur auf dem weißen Marmor wirkt extrem edel – vor allem im Zusammenspiel mit dem beeindruckenden Stößel. Das Ergebnis ist ein moderner, hochwertiger, formschöner Marmormörser, der ein echter Hingucker in jedem Haushalt ist und garantiert nie im Schrank landen wird.
Kann die Darstellung von Zeit zeitlos sein? Ja, zumindest bei dem dänischen Hersteller Menu: Die „Menu Marble Wanduhr“ präsentiert sich mit klaren Linien, einem Ziffernblatt aus wahlweise grünem, weißem oder schwarzem Marmor und Zeigern aus lackiertem Messing. Dank der natürlichen Maserung des Marmors gleicht keine Marble Wanduhr exakt der anderen. Zum Hintergrund der Gestaltung: Die Designer Norm Architects wünschen sich in Zeiten von Mobiltelefonen & Co. die Renaissance der klassischen Wanduhr, die mit viel Poesie den Rhythmus eines gemächlicheren Lebens erzeugt. Außergewöhnlich: die Materialkombination aus warmem lackiertem Messing und kühlem Marmor.

Zeitlos klassisches Design: Die Wanduhr aus Marmor mit Zeigern aus lackiertem Messing (Hersteller: Menu)

Täuschend echt: Die Leuchten „Rainbow“ (Design: Julien Renault) sind nicht aus Marmor, sondern aus Kunststoff gefertigt

Kombination mit Kunststoff und Holz

Auch der französische Designer Julien Renault ließ sich von den ausgeprägten Marmor-Strukturen inspirieren und experimentierte ein Jahr lang in der „Villa Noailles“ im südfranzösischen Hyères mit Gips. Das Ergebnis sind Leuchten mit dem schönen Namen „Rainbow“, die wie aus Marmor geschnitten aussehen. Hergestellt ist die außergewöhnliche Kollektion jedoch aus faserverstärktem Kunststoff mit mattem Oberflächenfinish.
Idealer Begleiter für das kühl wirkende Marmor ist das warme Material Holz. Das zeigt beispielsweise auch die „Craft“-Kollektion von Normann Copenhagen. Salz- und Pfeffermühle, Mörser und Stößel und auch das Nudelholz sind aus weißem beziehungsweise schwarzem Marmor sowie heller Eiche ge­­fer­tigt. Die organische Holz-Oberfläche passt perfekt zu dem kalten, glatten Stein. In Verbindung mit dem äußerst haltbaren Körper aus solider Eiche und dem strapazierfähigen Griff aus Marmor steht Craft für Langlebigkeit und ist somit ideal für den täglichen Gebrauch. Und noch eine meisterliche Kombination aus Marmor und Holz ist dem dänischen Unternehmen Normann Copenhagen gelungen: Der Couchtisch „Solid“ überzeugt mit seiner simplen Silhouette und seiner gleichzeitig luxuriösen Ausstrahlung. Die norwegische Esche, aus der die Basis des Solid Couchtisches besteht, hält ohne Klebstoffe und Schrauben zusammen. Die Beine werden einfach ineinander gesteckt und stabilisieren sich unter dem Gewicht der massiven Marmorplatt von selbst. Diese bildet wiederum einen spannenden Kontrast zum minimalistischen Gestell.   
Aus wahlweise weißem, schwarzem und grünem Marmor sowie naturbelassener Esche ist der Garderorbenhaken „Charles“ gefertigt. Der Schweizer Gestalter Nikolas Kerl spielt mit den Maserungen beider Naturmaterialien und betont damit ihre Vielschichtigkeit. Gerade beim Marmor erwecken die Farbabstufungen das Bild einer Landschaft, die immer wieder neue Facetten preisgibt. Hinzu kommt, dass es die großzügige Rundung des Hakens erlaubt, die Kleidung auch mal am Kragen aufzuhängen. Praktisch und schön zugleich!
Sigrid Brauer

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