Modern Living

Genieße das Leben!

Gemütlich wie eine Kaffeebar oder aufregend wie der Dschungel, improvisiert wie eine Jurte oder kunterbunt wie ein Malkasten: Die aktuellen Wohntrends ermuntern uns jeder auf seine Weise, das Leben zu genießen.

„Kaffeebar-Look“ - Tablett mit Servietten: Paper + Design, Fuchs-Tasse: Ahland Handelsagentur, Gedeck auf Tisch und Päckchen: Dowo-Design, Papiertüten: Artebene, Likör: Wajos, Tiere an Wand: Baden

Meist genügen wenige Accessoires und kleine Inszenierungen, um der „Standardeinrichtung“ in den heimischen vier Wänden eine individuelle Wohlfühl-Atmosphäre zu verleihen. Man muss auch nicht jedes Mal beim Punkte Null anfangen, um trendy zu sein: Beliebte Themen wie Retro, Naturlook, Shabby-Chic oder Multicolour bleiben über längere Zeiträume aktuell und werden durch neue Farben, Materialien, Motive und so weiter stetig weiterentwickelt. Im Vorfeld der Fachmesse für Lifestyle Vivanti (10. bis 12. Januar 2015) hat die Tendagentur Gabriela Kaiser vier Themen für die Wohn-Saison Frühjahr/Sommer 2015 ausgemacht.

Kaffeebar-Look

Auch wenn der Coffee to go unbeirrt auf dem Vormarsch ist: Kaffeebars – in denen man Espresso, Cappuccino und Co. aus Porzellan und nicht im Pappbecher genießt – sind beliebt wie nie zuvor. Das verdanken sie nicht allein der Tatsache, dass Kaffee seit Jahren das Lieblingsgetränk Nr. 1 der Deutschen ist, sondern ebenso ihrem Kultstatus. Cafés von heute legen großen Wert darauf, wohnlich und gemütlich zu erscheinen: durch pastellige Farben, individuelles Mobiliar in Manufaktur-Optik oder Industrie-Chic (zum Beispiel Turnböcke und „abgenutzte“ Tische), Backsteinwände (nachgeahmt aus Tapete) oder weiche Kissen. Ein Stil, der so anheimelnd ist, dass man ihn gern auch ins eigene Zuhause holt. Das gelingt am besten durch liebenswerte Accessoires mit Retro-Charme und Handmade-Charakter: große Wanduhren, schwarze Tafeln mit weißer Schrift, gerahmte Feder- und Tuschezeichnungen oder Scherenschnitte, schlichte Metallleuchten in Kupfer oder Messing, Papiergirlanden und Pompons. Dazu gesellen sich typische Küchenutensilien wie große Tassen und Müslischalen, Drahtkörbe für Brötchen und Obst und eine Küchenmaschine im Vintage-Look. Eine alte Schreibmaschine und ein Kofferradio runden das Ambiente ab.

Die Grundfarben dieses Stils sind hell oder in Schwarz-Weiß gehalten. Dazu kommen Akzente in Pfirsich, Flamingo, Mint, Türkis, Petrol, Messing und Kupfer. Bei den Mustern geht es stark geometrisch zu: Gitter, Karos, Dreiecke und Rauten erinnern an die 50er-Jahre. Auch die derzeit angesagte Typografie-Deko – einzelne Buchstaben oder kurze Wörter, die man ins Regal stellt oder an der Wand aufhängt – passt gut zum Kaffeebar-Ambiente. Alles sollte ein bisschen wie handgemacht erscheinen – einschließlich des frisch gebrühten Kaffees.

Moderne Nomaden

Mobil und flexibel zu sein, ist heutzutage selbstverständlich – im Job, in der Ausbildung, im Urlaub ... Auch wenn nicht jeder Orts- einen Wohnort-Wechsel bedeutet, spiegelt sich die Dynamik unseres Lebens in den heimischen vier Wänden wider. Schwere, sperrige Einrichtungsgegenstände sind out. Gefragt ist leichtes, modulares und multifunktionales Mobiliar, das sich neuen Gegebenheiten unkompliziert anpasst und trotzdem gemütlich ist. Es müssen auch gar nicht „richtige“ Möbel sein! Übereinandergestapelte Holzpaletten beispielsweise dienen als Tisch, um den sich Sitzwürfel und Klappstühle gruppieren. Alte Wein- und Obststiegen werden zu praktischen Regalen umfunktioniert. An die Decke gehängte Äste mit Kleiderbügeln ersetzen den Kleiderschrank. Zwei Leitern mit Brettern dazwischen bilden die Schuh-Ablage. Die Einrichtung darf gern improvisiert, unperfekt und ein bisschen wie zusammengewürfelt wirken. Inspirationen liefern auch Nomadenvölker wie die Mongolen: Mit einem Kissenlager auf einem bunten Flicken- oder Patchwork-Teppich, schlichten Lampen an langen Kabeln, Laternen auf dem Fußboden, einem kleinen Tisch mit Schublade oder Hockern mit geschwungenen Beinen zieht Jurten-Romantik ins Wohnzimmer ein.
Typisch für diesen Stil sind Naturmaterialien wie Leder, Fell, grob gewebte Textilien oder Geflecht aus Wasserhyazinthe. Ethno- und Folklore-Muster aus Asien, Afrika, Lateinamerika und Osteuropa (zum Beispiel russische Lackmalerei-Motive) werden bunt gemixt. Dagegen ist die Farbgebung eher zurückhaltend: Beige, Terrakotta, Ocker, Oliv, Mokka-Braun, Grau und Ochsenblutrot dominieren und werden akzentuiert mit spritzigem Orange, pfiffigem Pink und frischem Blau. Für die Wandgestaltung eignen sich alte Landkarten, gewebte und bestickte Wandteppiche, geschnitzte Holzteller oder Bilder mit Naturmotiven (ganz aktuell: Insekten). Ein Stapel alter Reisekoffer bietet Stauraum für Wäsche, Bücher und allerlei Krimskrams. Dazu passen Globen mit historischen Karten oder Trinkflaschen aus Blech, die man mit Disteln oder anderen „kargen“ Trockenpflanzen bestückt.

„Moderne Nomaden“ - Ethno-Teppich, Hocker, Stuhl rechts: Pagoda, Servietten: Paper + Design, „Ziehharmonika“-Bank, Schreibtischschrank: Gerling Living, Tasche: Werner Dorsch, Schal: Eva Schreiber

„Happy Home“ - Teller mit Servietten: Paper + Design, Kanne: Jameson&Tailor, Pfeffermühlen: Le Creuset, Serviette als Bild: IHR, Stifteköcher mit Schere: Werner Dorsch

Happy Home

Wohnen soll Spaß machen – und das darf man sehen: Leuchtendes Blau, Knallrot und Sonnengelb sowie kombinierte Primärfarben zeugen von Optimismus und Lebensfreude. Nicht dass man nun die ganze Wohnung in bunte Malertöpfe tauchen soll! Ein paar mit Augenzwinkern gesetzte Highlights wirken in einem reduzierten, neutralen Umfeld (zum Beispiel auf Schwarz-Weiß) umso stärker. Ein Beistelltisch aus kräftig gelbem Plexiglas, Esszimmerstühle in Tomatenrot, ein Teppich mit buntem Pixel-Muster geben dem „Happy Home“ das Gepräge. Auch die 1960er-Jahre lassen grüßen: mit Pop Art, Kugelformen bei Sitzmöbeln und Leuchten, einer Deko-Schreibmaschine in Retro-Orange, farbenfrohem Kunststoff-Geschirr oder einem Plattenspieler. Motive wie alte Autos, Tonbandkassetten und der gute alte klobige Fernseher schmücken als bunte Drucke Servietten, Tapeten und Geschirr. Daneben stehen Muster, die man von Verpackungen kennt -–Comics, Streifen, Punkte, Zickzack, Colourblocking ... Taschen und Vasen kommen in Milchtüten-Optik daher, Konservendosen-Formen erscheinen in neuem Kontext, und der Haarschopf einer Playmobil-Figur dient als Vorlage für einen Hocker. Ein fröhliches, freches und expressives Ambiente, das vor allem der jungen Generation gefällt und Spielraum bietet für ungeahnte Kombinationen und Optiken. Erlaubt ist, was Spaß macht!
Die Materialien im „Happy Home“ sind betont künstlich: Folie und Kunststoff, Glas und lackiertes Holz, Blech und Kunstleder, Lackpapier und Gummi. Überhaupt spielen die technischen Errungenschaften der Neuzeit eine wichtige Rolle – allerdings auf einem Level, das heutzutage schon als Retro gelten kann. So liefern Computerspiele wie Tetris oder Rubiks Zauberwürfel gestalterische Inspirationen für Möbel, Textilien und Accessoires. Auf der anderen Seite werden moderne Geräte optisch in die Vergangenheit transportiert: Ein MP3-Player sieht aus wie eine alte Musikkassette und wird mit riesigen, knallbunten Kopfhörern kombiniert.

Eleganter Dschungel

Traditionelle Werte sind in der Einrichtung wieder angesagt. Kürzlich noch vom Aussterben bedroht, stehen klassische Optiken und Verarbeitungstechniken – wie Kristallschliff, Furnierung, Knopfheftung, Intarsien aus Holz, Fransen, Quasten, Stickereien ... – hoch im Kurs. Materialien wie Marmor gelten nicht länger als spießig, sondern erleben ein fulminantes Comeback im modernen Wohnzimmer. Dazu passt ein edler Exotic-Chic, ein Dschungel de luxe, der klassisch-extravagante Elemente mit urbaner Reduktion kombiniert. So findet man großblättrige Muster auf Heimtextilien, bequeme Sessel mit Leoparden-Druck, Palmen auf dem Paravent, Porzellanvögel, Blumen-Ornamentik auf der Tapete oder Golddrucke. Neben dem Beistelltisch mit Marmorplatte steht ein Servierwagen mit feinem Porzellangeschirr. Vasen und Karaffen aus mundgeblasenem beziehungsweise geschliffenem Glas dekorieren den Sekretär. Goldene Bilder- und Spiegelrahmen, elegante Stehlampen oder ein Kronleuchter runden das Ambiente ab. Die Formen sind meist filigran, geschwungen und gerundet mit verschnörkelten Akzenten, können aber auch ganz schlicht sein – zum Beispiel bei metallisch glänzenden Wohnaccessoires. Dazu gehören Übertöpfe, in denen Pflanzen wie Bromelien, Guzmania, Philodendron, Spinnenorchideen und Zimmerpalme üppig wuchern.
Neben noblen Farben wie Weiß, Silber, Gold und Cognac prägen freundliche Grüntöne diesen Trend. Edel sind auch die Materialien, die sich von wertigen Hölzern über Samt und Seide bis zu Kunstleder in Schlangenleder- oder Kroko-Optik erstrecken.
www.vivanti-messe.de
www.leipziger-messe.de

„Eleganter Dschungel“ - Teller: Ahland Handelsagentur, Weingläser und Dekanter: Le Creuset, Wein: Wajos, Serviette: IHR, Ananas-Kerze: TF Handelsagentur, Tasche: Voi Leather Design

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