Stylisches Büro

So macht Ergonomie Spaß

Der Begriff der „Ergonomie“ ist zu einem weitläufigen Begriff geworden. Was sich zunächst recht wissenschaftlich und zweckmäßig anhört, kann sehr lebendig sein. Neue und moderne Produkte verbinden das Angenehme mit dem Nützlichen und gehen spielerisch mit den benutzten Gegenständen um.

Ergonomisches Büroumfeld: sorgt für Gesundheit, Wohlbefinden, Konzentration und Leistungsfähigkeit (Foto: Scandinavian Business Seating)

Der Begriff „Ergonomie“ feiert fröhliche Urständ: Alles Mögliche hat heute ergonomische Eigenschaften. Dabei stellt sich erst einmal die Frage, was überhaupt Ergonomie ist. Hinter dem Begriff steckt sprachlich und fachlich die „Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit der Arbeit“. Die Wissenschaft von der menschlichen Arbeit soll Produkte, Lösungen und Strukturen schaffen, mit denen jeder Nutzer einfach, bequem und körperschonend arbeiten kann. Ziel der Ergonomie ist es also, eine gute und sichere Arbeitsatmosphäre zu bieten und das Umfeld so zu gestalten, dass sich die Mitarbeiter möglichst wohl fühlen, konzentriert arbeiten und gesund bleiben. Außerdem sollen sich die Arbeitsbedingungen an den Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.
Vor allem im Bürobereich ist – bei überwiegend sitzender Tätigkeit vor dem Bildschirm – die ergonomische Gestaltung des Arbeitsplatzes besonders wichtig. „Immer mehr Leute arbeiten in Büros, gleichzeitig wird auch mehr Büroarbeit zu Hause erledigt. Die Menschen bewegen sich weniger und weniger”, beobachtet der niederländische Ergonomie-Experte Peter van Scheijndel.
Nun kommen Produkte, Lösungen und Strukturen ins Spiel, die mehr denn je Flexibilität, Freude und Dynamik bei den ergonomischen Mitteln bieten und im Zeittrend das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden.
Das geht schon bei einer selbstverständlichen und einfachen Tätigkeit wie dem Schreiben los: Ergonomische Schreibgeräte beugen verkrampften und schmerzenden Händen vor und ermöglichen eine flüssige, lesbare und ermüdungsfreie Handschrift. Aufgrund der umfassenden Analyse der Graphomotorik, die alle Prozesse und rhythmischen Bewegungen beim Schreiben definiert, bieten einige Hersteller spezielle Schreibhilfen, Kugelschreiber, Füller und Stifte an.

Individuelles Schreiben

Dazu zählen zum Beispiel die Kugelschreiber „Easy Ball“ und „Easy Com4“ von Stabilo, die sich allgemein an trendbewusste Vielschreiber und speziell an junge und erwachsene Benutzer richten. Beide Schreibgeräte prägen die altersgerecht ausgearbeitete Form, die Griffmulden für den sicheren und entspannten Halt der Finger und das zweifarbige, futuristisch wirkende Design. Bei dem einen Kugelschreiber für junge Leute wirbt Stabilo mit dem Motto „Länger am Ball bleiben“, beim anderen für berufliche Zwecke weist der Hersteller auf die von der „Sport-Industrie inspirierten Produkteigenschaften von Materialkombination, Design und Funktionalität“ hin. Kurzum: Die kleinen Dinger machen Spaß beim Schreiben.
Eine andere ungewöhnliche Variante repräsentieren Kugelschreiber wie zum Beispiel das Markensortiment von Pen Again, bei denen der Zeigefinger durch eine ringförmige Ausstülpung oder wie hier durch einen Halbring geschoben wird. Durch den verlagerten Schwerpunkt von der Mitte hin zum Bereich unterhalb des Fingers soll der Stift stabiler gehalten werden und die Fingermuskulatur besser entspannen.

Ergonomische Variante Pen Again - Halbring-Funktion stützt Finger und Stift

Rollermouse Red von Contour Design - Zentrale Einheit von Zeiger und Tastatur

Geschwungene Tastaturen

Auch das Benutzen von PC-Mäusen und Tastaturen ist eigentlich Schwerstarbeit für die Hände. Vielschreiber sind bei bis zu 80.000 Anschlägen am Tag besonders beansprucht und von körperlichen Verspannungen und Krankheitsbildern wie der Sehnenscheidenentzündung, dem „Mausarm“ (RSI – Repetitive Strain Injury) oder tauben wie schwachen Händen (Karpaltunnelsyndrom) betroffen. Da das Bedienen der üblichen brettartigen Tastaturen nicht gerade der natürlichen Stellung der Hände angepasst ist, ist eine Reihe alternativer Produkte auf dem Markt. Ein Beispiel bildet hier das ergonomische Produktangebot „Sculpt“ von Microsoft. Als Hardware-Hersteller hat sich das Unternehmen unter anderem als Anbieter von geschwungenen Tastaturen und Keyboards mit links und rechts abgetrennten Tastenfeldbereiche etabliert. Der nach außen gedrehte Winkel entlastet die Hände und Arme und vermeidet ein Verdrehen im Unterarm. 
Außerdem passen sich Modelle mit einstellbarem Winkel mehreren Nutzern etwa in Call Centern oder Empfangsbereichen individuell an. Eine spezielle Produktlösung stellen die „Rollermouse“-Produkte von Contour Design dar. Das US-Unternehmen hat nach eigenen Angaben „eine revolutionäre ergonomische PC-Maus“ entwickelt, „die direkt vor dem Benutzer und zwischen ihm und der Tastatur steht.“ Vielmehr ersetzt das neuartige Zeigegerät die übliche PC-Maus und lässt sich zusammen mit einer komfortablen Handballenauflage direkt an eine handelsübliche Tastatur andocken. Das kompakte Gerät ermöglicht die bequeme Handhaltung über die zentrale Tastatur-Maus-Einheit und macht den oftmals angespannten Griff auf und nach der Maus überflüssig. Ein mechanisches System mit einem metallenen Rollstab und einem optischen Sensor sorgen für Genauigkeit und Verlässlichkeit. Das etwas andere Zeigegerät hat allerdings seinen Preis von mehr als 200 Euro im Verkauf und erfordert ein paar Stunden Umstellungszeit.

Design und Physiologie

Während das Produkt zusätzlich ein ästhetisches Design aufweist und bereits Designpreise wie den Red Dot Award erhalten hat, betont Hersteller Contour Design bei seiner skandinavisch geprägten Unternehmensgeschichte – unter anderem mit der Fusion mit einem dänischen Anbieter – die Vorreiterrolle Nordeuropas beim ergonomischen Design und beim Arbeitsschutz: „Skandinavien ist seit langem anerkannt für das Design von Werkzeugen und Einrichtungsgegenständen, die mit der menschlichen Physiologie in Einklang stehen.“
Dazu gehört auch das weltweit anerkannte „TCO“-Prüfsiegel für Bildschirme. Der nach der schwedischen Angestellten- und Beamtengewerkschaft „Tjänstemännens Central-Organisation“ benannte Standard definiert strenge Vorgaben unter anderem für eine hohe, augenschonende Bildqualität und niedrige Strahlung. Darüber hinaus sind einige Monitore mit speziellen Technologien ausgestattet, die eng mit den eingebauten Panels vom Typ IPS (In-Plane Switching) verbunden sind. Diese Geräte bieten – wie etwa bei den Technologien „Eyecare“ und „Senseye“ und von Benq – flimmerfreie Displays, individuelle Einstellungen von Farbtemperatur, Helligkeit, Schärfe und Kontrast oder eine an das Umgebungslicht automatisch angepasste Bildhelligkeit.

Senseye-Bildschirm von Benq - Augenschonende Eigenschaften einer Zeitung

Dadurch lassen sich laut Hersteller nicht nur „die Leseeigenschaften einer Zeitungsseite simulieren“, sondern auch bei häufigem Gebrauch „das Risiko reduzieren, die Augen dauerhaft zu überanstrengen“. Ähnliches gilt für die „Smart Control Lite“ Technik von Philips. Die niederländische Marke bietet aber auch Monitormodelle mit „Ergosensor“: Dabei wertet eine Einheit aus CMOS-Bildsensor (steckt auch in Kameras, Camcordern und Projektoren) und Minikamera bestimmte Datenlogorithmen aus und misst den Abstand der Augen zum Monitor wie auch die Kopfhaltung. Hat sich eine Fehlhaltung eingeschlichen, erscheint am unteren Bildschirmrand ein dezenter und freundlicher Hinweis, den Sitzabstand zu korrigieren oder den Kopf besser wieder gerade zu halten. Auch beim permanenten Arbeiten vor dem Bildschirm erscheint der Ratschlag, vielleicht mal eine kurze Pause einzulegen.

Sensoren Messen Sitzaktivitäten

Apropos Sensoren: Auf der Kölner Einrichtungsmesse Orgatec 2014 haben einige Sitzmöbelhersteller die Möglichkeiten klassischer Produkte in Kombination mit digitalen Trends eindrucksvoll gezeigt. Auf der Leitmesse hat zum Beispiel der Markenhersteller Dauphin ausdrücklich mit dem in der Computerwelt etablierten Schlagwort „Solutions“ geworben und mit dem „Eye Seat“ ein fortschrittliches Sitzanalyse-System präsentiert. Drucksensoren in Sitz- und Rückenlehne messen über Drucksensoren die Körperhaltung, die Sitzbewegungen und den Kalorienverbrauch des Sitzmöbel-Nutzers. Sie werden durch eine Statistikdokumentation abgerundet, die das Sitzverhalten des Benutzers dokumentiert. Falls erforderlich wird dem Sitzenden der Korrekturbedarf, die richtige Sitzhaltung und der ausgleichende Wechsel zwischen Bewegung und Ruhe online vermittelt. Zusätzlich bietet Dauphin neuerdings ergonomische Messungen mit seinem „Ergo Lab“ und dem Minigerät „Ergo Mouse“ sowie herstellerunabhängige Arbeitsplatzberatungen an.
Auch der Sitzhocker „Ongo Seat“ des gleichnamigen Herstellers dient der Analyse. Der Designhocker verfügt über einen so genannten Activity-Sensor und eine Bluetooth-Verbindung, so dass über eine spezielle Applikation (App) die Daten zu Sitzdauer und Sitzaktivität auf ein mobiles Computergerät geladen werden können. Selbst der Kalorienverbrauch kann errechnet werden. Diese Informationen runden zwei Spiele ab, die sich durch gezielte Hockerbewegungen steuern lassen und damit auch Vergnügen bereiten.

Sitzhocker Ongo Seat - Misst Sitzaktivitäten und fördert Bewegung

Aktivpunkte am Stuhl

Bewegung fördert ebenso der Bürodrehstuhl RH Mereo von Scandinavian Business Seating. Nach Angaben des norwegischen Herstellers nutzt der Bürostuhl das Zwei-Punkt-Prinzip 2PPTM. Durch die Innovation zweier Aktivpunkte am Stuhl würden mit Hüfte und Knie die beiden Gelenkpunkte unterstützt, die beim Sitzen maßgeblich beansprucht würden, heißt es beim Hersteller. Demnach sorgen die gut gestützte Lendenwirbelsäule und aufrechte Haltung für eine optimale Versorgung des Blutkreislaufs mit Sauerstoff und damit für Wohlbefinden und Konzentration. Zugleich werde der Nutzer zu einem Wechsel der Sitzpositionen angeregt, was seiner Gesundheit und Leistungsfähigkeit dienlich wäre.
„Dass sich das aktive Sitzen nicht nur auf den einzelnen Nutzer, sondern auch auf das ganze Unternehmen positiv auswirkt, ist nachvollziehbar“, betont René Sitter, Deutschland-Geschäftsführer von Scandinavian Business Seating. „Konzentrierte Mitarbeiter arbeiten motiviert und effizient. Frei nach dem Prinzip: Wer sich bewegt, kann mehr bewegen.“
Arnd Westerdorf

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