Rückkehr

des Handwerks

Wir sind umgeben von gleich aussehender Massenware, von minderwertigen Billigprodukten und importierten Wegwerfartikeln. Da ist es verständlich, dass sich immer mehr Menschen nach Qualität, Individualität und Handgemachtem sehnen.

mit liebe gemacht: Es ist die Handarbeit, die Gmundner Keramik so wertvoll macht

Auf der Stockholmer Messe Formex war Handwerk dieses Jahr ein großes Thema, auf der Maison et Objet gab es einen großen Bereich mit ausstellenden Handwerksbetrieben, überall treffen wir nun vermehrt auf Handarbeit und Handwerk. Manufakturen erleben seit Jahren eine Renaissance. Oft sind es kleine Betriebe in Familienhand, die Tradition und Handwerk bewahren und außergewöhnliche Unikate in Handarbeit herstellen. Kein Teil sieht hier zu hundert Prozent gleich aus und jedes Teil hat seinen eigenen Charakter.

Traditionelle Gastlichkeit

So ist es bei der Gmundner Keramik die Handarbeit, die die Produkte so einzigartig macht. Die Keramikmanufaktur ist mit 130 Beschäftigten die größte in Mitteleuropa. Der komplette Herstellungsprozess befindet sich dabei in Gmunden. Bis zu sechzig Handarbeitsschritte werden dabei benötigt bis zur Fertigstellung der Produkte: Erstellen der Gießformen, Anmischen der Masse, Formgebung, in der Teller und Schüsseln gedreht und Kaffeekannen und Milchkännchen in Formen gegossen werden, Retusche mit kosmetischer Feinkorrektur, Brennen des Rohlings, Glasur und dann in die Malerei.

Vierzig Malerinnen und ein Maler zaubern dort die einzigartigen Designs auf die handgemachten Unikate. Der zweite Brand gibt der Keramik die gewünschte Härte und die Farben entfalten ihre volle Leuchtkraft. Weil jedes Stück von Hand hergestellt wird, sind die Produkte Unikate – kein Stück gleicht dem anderen. „Werte, wie Gastlichkeit und Traditionsbewusstsein gewinnen in der heutigen schnelllebigen Zeit wieder an Bedeutung. Darauf baut das Lebensgefühl der Gmundner Keramik auf“, sagt dazu Martin Eras, der vorsitzende Geschäftsführer der Gmundner Keramik. Die authentische Verbindung von Tradition und Moderne sowie gelebte Werte spiegeln sich dann auch am gedeckten Esstisch wider.

 

Gelebte Werte: Gmundner Keramik steht für Naturverbundenheit, Gastlichkeit und Traditionsbewusstsein

Aufwendig: Das Design der Dibbern-Fine Bone China-Kollektionen verbindet Tradition und Moderne

Fine Bone China

Das 1966 gegründete Familienunternehmen Dibbern ist ein deutscher Premiumhersteller von Glas- und Porzellan-Produkten im Bereich Tischkultur. Firmengründer Bernd T. Dibbern und seine Söhne beschäftigen 150 Mitarbeiter an zwei Standorten: im Firmensitz im schleswig-holsteinischen Bargteheide und am Produktionsstandort in Hohenberg in Bayern. Seit Anfang an folgen die Kollektionen der Philosophie „traditional craftsmanship meets contemporary design“, also traditionelle Handwerkskunst, die sich mit ästhetisch durchdachter Einfachheit im zeitgemäßen Design verbindet. Das Herzstück der Kollektion bildet Fine Bone China. In der 1997 wiedereröffneten Porzellanmanufaktur in Hohenberg entstehen seitdem nach jahrhundertealter Tradition Fine Bone China-Serien auf höchstem handwerklichem Niveau. Wird heute aus Kostengründen Porzellan häufig maschinell gepresst, so werden Dibbern-Teller, -Schalen und -Tassen aus Fine Bone China noch nach traditioneller Art von Hand gedreht. Das Ergebnis dieser traditionellen und aufwendigen Produktion ist eine außergewöhnliche Transparenz, Festigkeit und eine hohe Widerstandsfähigkeit. Alle Produktionsschritte – vom ersten Modell über Bisquit- und Glasurbrand, der Handbemalung bis hin zum Dekorbrand – erfolgen unter hohen Qualitätsansprüchen. Die bewusste Zurückhaltung bei der Formgestaltung soll dabei die Besonderheit des Materials voll zur Geltung bringen.

Goldene Glaskunst

Anbieter für Trinkgläser gibt es viele, aber nur wenige werden noch in Deutschland mundgeblasen. Traditionelles Handwerk und Sinn für Kunst und Kultur sind die Basis für die hochwertigen Glasprodukte der Marke Eisch. Mittlerweile in der dritten Generation geführt gibt es die Glashütte Valentin Eisch über 70 Jahre und die Glastradition der Familie besteht sogar schon 300 Jahre. Eberhard Eisch und seine Cousine Julia Eisch verbinden heute gerne das handwerkliche Wissen der Vergangenheit mit modernem innovativem Glasdesign. So hat Eisch die Serie „Aurum“ entwickelt, um Wasser am gedeckten Tisch die gleiche hochwertige Bedeutung zukommen zu lassen wie Wein oder Champagner. Vor Ort in Frauenau werden die Produkte aus hochwertigem, bleifreiem Kristallglas in Buchenholzformen aus dem Bayerischen Wald mundgeblasen. Das besondere bei Aurum ist, dass das 24 karätige Gold nicht einfach von außen auf das Glas aufgebracht wird, sondern dass Glas und Gold im glühenden Zustand miteinander verbunden werden. Das erfordert viel Fingerspitzengefühl und Erfahrung von dem Glasbläser, denn der richtige Zeitpunkt der Zusammenführung der beiden Materialien muss passen. Ist die Temperatur des Glases zu hoch, verbrennt das Gold, ist sie zu niedrig, gehen Gold und Glas keine Verbindung ein. Heraus kommt dabei edles, brillantes Kristallglas mit echtem Blattgold, das durch die Transparenz des Wassers schimmert. In diesen Gläsern wird auch schlichtes Wasser zum Eyecatcher auf der gedeckten Tafel.

Innovativ: Das Glas der mundgeblasenen Serie Aurum von Eisch ist mit 24-karätigem Gold verbunden

Dekoriertes Glas: Poetische Blumen scheinen in den Glasprodukten von Dreamlight zu wachsen

Leuchtender Blickfang

Thüringen ist ein Land des Glases. Der Reichtum an Holz und Wasser ließ viele Hütten, Manufakturen und Künstler rund um diesen Werkstoff dort entstehen. So kam im Jahr 1999 den Gründern von Traumlicht die Idee, verzierende Elemente in mundgeblasenes Glas von Teelichthaltern einzuschließen als Weiterentwicklung zu den damals populären Gelkerzen. Noch im gleichen Jahr wurde eine erste kleine Kollektion dazu von acht Mitarbeitern per Handarbeit in einer kleinen Manufaktur produziert. Durch das zunehmende internationale Interesse wurde „Traumlicht“ um den wortwörtlichen englischen Begriff „Dreamlight“ erweitert und als Marke etabliert. Nach wie vor werden die Teelichthalter in der kleinen Manufaktur am Rande des Thüringer Waldes in aufwändiger Handarbeit mit viel Liebe zum Detail hergestellt, wodurch jedes Stück zu einem wertvollen Unikat wird. Mittlerweile runden handgefertigte Vasen, Schalen, Skulpturen und Windlichter das Sortiment rund um die Teelichter ab. Bei der Entwicklung und dem Design der Dreamlight-Produkte ist stets das oberste Ziel, dem aktuellen Zeitgeist zu entsprechen und den Kundenwünschen gerecht zu werden.

Schnitzkunst

Die bosnische Holzmanufaktur Zanat vereint filigranes Kunsthandwerk mit modernem Produktdesign zu handgeschnitzten Möbeln und Wohn-Accessoires. In Zusammenarbeit mit namhaften Designern, wie Ilse Crawford und Studioilse, sind viele neue Produkte entwickelt worden, die zahlreiche Preise gewonnen haben. Die handgefertigten Unikate werden im Familienbetrieb bereits in vierter Generation mit einer ganz speziellen Schnitztechnik hergestellt, die als „Konjic-Stil“ bekannt ist. Die Konjic Holzschnitzkunst, die seit vier Generationen von der Niksic Familie, die Eigentümer von Zanat, praktiziert und weitergegeben wird, wurde im Dezember 2017 sogar auf die UNESCO Liste für das immaterielle, kulturelle Erbe der Menschheit gesetzt. Ein Erfolg für alle Holzschnitzer dieses Ortes, die diese Tradition trotz der Hindernisse aufgrund der schwierigen Geschichte auf dem Balkan lebendig gehalten haben. Das Design der neuen Branco Aufbewahrungsboxen ist von Monica Förster, die sich für die Muster von den Skulpturen des Rumänen Constantin Brancusi hat inspirieren lassen. Brancusi zählt zu den bedeutendsten Bildhauern der Moderne, der auch als Holzschnitzer tätig war. Diese handgeschnitzten dekorativen Boxen aus massivem Ahorn sind mit unterschiedlichen Schnitzmustern verziert und es gibt sie in drei verschiedenen Größen. Sie sind vielseitig einsetzbar – als Aufbewahrungsboxen in offenen Regalen, als Beistelltisch, kleiner Hocker oder aufeinander gestapelt als dekoratives, skulpturales Element.

Kulturelles Erbe: Bei den Branco Boxes von Zanat wird die Oberfläche von Hand im Konjic-Stil geschnitzt (Foto: Almin Zrno)

Modern: Das Lichthaus von designimdorf verbindet Handwerk und Design perfekt

Modernes Handwerk

Bei designimdorf sind traditionelle Handwerkskunst, moderne Fertigungstechnik und zeitgemäßes Design meisterhaft vereint. Seit der Gründung durch Drechslermeister Stefan Spitz im Jahr 1993 verfolgt das Unternehmen das Ziel, innovative Produkte zu kreieren und den höchsten Ansprüchen an Funktion und Formgebung gerecht zu werden. Erhalt und Schutz der Umwelt sowie die Unterstützung und Entwicklung des regionalen Handwerks liegt dem Unternehmen dabei am Herzen. Darum fertigt es in der Schwarzwaldregion, denn nur hier lässt sich das Handwerk durch Drechsler, Schreiner und Metallbauer zusammen mit kreativem Design zu einem Produkt von hoher Qualität verbinden. designimdorf verwendet ausnahmslos FSC zertifizierte Hölzer aus nachhaltig angebauter Forstwirtschaft, denn nur wer die Natur schützt kann von ihr profitieren. Heute ist es essenziell wichtig, bei der Technik immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Bestimmte Objekte werden noch per Hand gedrechselt, andere bedürfen besonderer Verfahrenstechniken und durch die Kombination der Materialien wie Holz mit Metall oder Glas ist designimdorf auf mehrere Produzenten angewiesen und mit verschiedenen Verfahrenstechniken vertraut. Eine Herangehensweise ans Handwerk, die stylische Produkte zum Ergebnis hat.

 

Tradition im Erzgebirge

Ernst Luis Auerbach, der Gründer der Drechslerei Martin, wurde 1851 in Großwaltersdorf im Erzgebirge geboren. Da er als Maurer im Winter nichts zu tun hatte, hielt er sich dann mit dem Drechslerhandwerk über Wasser. Ab der Jahrhundertwende drechselte er dann im Haupt-erwerb, da die Nachfrage gestiegen war. Seine Tochter heiratete den Drechslergesellen Richard Oswald Martin und damit beginnt der Werdegang der Firma unter dem Namen Martin. In den späten 40er Jahren gab es einen hohen Bedarf nach Massendrehteilen aus Holz für die Spielzeug- und Kunstgewerbeindustrie. Sogenannte Halbautomaten wurden angeschafft und mit der Produktion von Puppenmöbeln, Engelkapellen und Hasen begonnen.

Ab 1970 wurden in der Werkstatt dann Räuchermänner nach eigenem Design gefertigt, die dann schrittweise zum Hauptprodukt wurden. Seit 1992 führt nun Torsten Martin den Betrieb in vierter Generation. Um die Abhängigkeit von weihnachtlichem Umsatz zu minimieren, entwickelte er nach eigenen Entwürfen schrittweise saisonunabhängige Figuren wie Vögel, Pinguine, Katzen, Osterhasen und Möwen. Daneben werden aber weiterhin die traditionellen Räuchermänner und Engel produziert. Torsten Martin bildet auch Lehrlinge aus und unterstützt diese bei der Verbindung von traditioneller Herstellung und neuen, kreativen Wegen in der handwerklichen Gestaltung, damit dieses Handwerk seine Tradition im Erzgebirge fortsetzen kann.
Immer mehr Verbraucher bevorzugen Produkte, die in Handarbeit hergestellt werden, statt vom Fließband kommen. Auf den Messen 2019 werden Sie dazu einiges finden. So greift der „Handmade Soul“ auf der Messe Ambiente um sich. Der indische Designer Ayush Kasliwal gestaltet die Partnerlandpräsentation Indien. „Für mich ist bei allem ‚handmade‘ die naheliegende Wahl, denn in Indien haben wir riesige Ressourcen und unglaublich talentierte Handwerker“, sagt der Designer aus Jaipur. Alte Handwerkstraditionen werden immer wichtiger und Sie sollten Ihren Kunden deswegen ein paar schöne handgemachte Produkte anbieten.
TRENDagentur Gabriela Kaiser,
www.TRENDagentur.de

Saisonunabhängig: Originelles Handwerk aus dem Erzgebirge gibt es zum Beispiel bei der Drechslerei Torsten Martin

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