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Innkaufhaus in Wasserburg

Das Innkaufhaus in Wasserburg eröffnete 2017 komplett renoviert mit neuem Konzept wieder seine Pforten. Auf vier Etagen finden Männerecke, Gaming-Room und Eventfläche neben einem umfangreichen Sortiment an Haushalt, Geschenken, Spielwaren, Wellness und Wäsche Platz. 30 engagierte Mitarbeiter umsorgen die Kunden, stationär wird mit online gekoppelt.

„Unsere Kunden freuen sich über kleine Gesten. Wir haben zum Beispiel anlässlich des Muttertages im Kaufhaus Prosseco ausgeschenkt und alle tingelten ganz fröhlich durch die Etagen“, erzählt Sibylle Schuhmacher, die vor einem Jahr gemeinsam mit Ehemann Tobias das traditionsreiche Innkaufhaus übernommen hat, das ihr Vater Manfred Gerer 1970 gründete.
In Kooperation mit einem befreundeten Architekten sowie einem Berater hat sich das Ehepaar Schuhmacher ins Abenteuer des stationären Einzelhandels gestürzt. Beide sind eigentlich branchenfremd und genau das ist ihr Vorteil. „Wir sehen das Kaufhaus mit den Augen der Kunden und überlegen, was die wollen. Wir legen Wert auf ein ausgewähltes Sortiment, das es nicht überall gibt, und unsere Events kommen auch sehr gut an“, berichtet Sibylle Schuhmacher, die zuvor bei SAP gearbeitet hat. Gemeinsam mit den drei Kindern wohnten die Schuhmachers lange in New York, weit entfernt ihrer Heimat Wasserburg, einem 13.000 Seelen-Ort rund 60 Kilometer östlich von München. Die Wasserburger Altstadt liegt auf einer vom Inn umflossenen Halbinsel, die lediglich über eine schmale Landzunge erreichbar ist. Das väterliche Kaufhaus ist malerisch im Flußbogen der Inn eingebettet und für die Bewohner Wasserburgs schon immer mehr als nur ein Zweck-Kaufhaus. Mehrere Generationen erfüllten sich hier ihre ersten Kinderträume und gingen mit Eltern oder Großeltern glücklich shoppen. Zuerst übernahmen der Cousin und dann dessen Frau das Geschäft, doch 2016 sah sich die Geschäftsführerin – unter anderem auch wegen der starken Internet-Konkurrenz – gezwungen, aufzuhören. Was nun? Sollte man das traditionsreiche Haus in fremde Hände geben oder gar einer ganz anderen Funktion überführen? „Wir hatten nicht wirklich daran gedacht das Kaufhaus zu übernehmen. Der Impuls kam dann von Freunden“, berichtet Sibylle Schuhmacher.

Männerecke: Hier finden auch die Herren ihr Glück ebenso wie die Jugend bei Schallplattenbörsen, beim Zocken oder beim Sichten von trendy Produkten

Spring-Jam und Retrobörse

Die neuen Inhaber sind IT-versiert und haben keine Berührungsängste mit Online. „Bei uns können die Kunden auch etwas bestellen oder geliefert bekommen. Wir verzahnen beide Kanäle. Allerdings ist es noch sehr schwierig ein Warenwirtschaftssystem zu bekommen, das beides kann. Im Handel steckt die Digitalisierung noch in den Kinderschuhen. Glücklicherweise kann mein Mann uns auch selbst etwas Programmieren, aber wer hier keine Kenntnisse hat, dem dürfte es schwerfallen den Fortschritt zu integrieren“, meint Schuhmacher.
Auch Nachhaltigkeit steht für das Inhaber-Paar an erster Stelle, zumal Tobias Schumacher im internationalen Vertrieb für einen Hersteller arbeitete, der Teppiche aus recycelten Nylonfäden machte.
Jedem Kunden die Wünsche erfüllen, lautet das Credo. Als eine Kundin kam und gerne einen Toaster von Smeg wollte, bestellte das Team sogleich das Gerät und weil die Marke sie überzeugte, nahmen sie weitere Produkte ins Programm auf. „Wir geben unseren 30 Mitarbeitern viel Entfaltungsmöglichkeiten und Spielraum“, berichtet Sibylle Schuhmacher und ergänzt: „Sie dürfen mit auf Messen und auch einkaufen. Wir vertrauen ihnen. Das schafft eine gute Atmosphäre. Daher beraten sie unsere Kunden gut und immer von Herzen. Unser Team fängt meist richtig Feuer, wir haben kürzlich die Uhrenmarke Daniel Wellington neu aufgenommen, sie durften mit auswählen und haben sogleich ihren Freunden stolz die neuen Uhren präsentiert.“
Die Schuhmachers haben von Anfang an einen roten Briefkasten im Innkaufhaus aufgehängt, um darin Anregungen und Wünsche von Kunden zu sammeln: Teilt uns mit, was ihr wollt, war die Ansage! Einiges wurde direkt umgesetzt, zum Beispiel wünschten sich Jugendliche CD‘s und DVD‘s. „Wir dachten eigentlich, dass wegen der Streaming-Dienste so etwas gar nicht mehr gefragt sei“, gestehen die Besitzer erstaunt und haben daraufhin wieder CD‘s und DVD‘s reingenommen.


„Das Thema Gaming und Multimedia war ein großes Thema für die Wasserburger, das haben wir ebenfalls bei der Neugestaltung berücksichtigt“, erklärt Sibylle Schuhmacher. Im zweiten Stock gibt es einen Beamer und eine Möglichkeit zum Zocken für Jugendliche. Den Müttern steht im ersten Stock ein Still- und Wickelraum zur Verfügung. Eine Sitzecke mit Café lädt im Spielwarenbereich zum Verweilen ein.
Auch die Retrobörse mit Schallplatten war ein voller Erfolg und zog ein neues Publikum ins Innkaufhaus. Die oberste Etage bleibt, bis auf den Weihnachtsmarkt im Dezember, immer für Veranstaltungen und Events frei wie Lesungen oder die sehr gut besuchte Jam-Session.
Auf Facebook und Instagram kündigt die Familie ihre Veranstaltungen an.
Selbst die eigenen Kinder helfen fleißig mit. Gefragt wie es sei, von der amerikanischen Metropole New York wieder zurück ins beschauliche Wasserburg zu ziehen, antwortet die sympathische Kaufhaus-Besitzerin: „Dadurch, dass ich weg war, kann ich meine Heimatstadt um so mehr schätzen. Wir finden in Wasserburg alles, was wir brauchen und die Bewohner unterstützen uns sehr und schätzen das Angebot unseres Hauses. Wir lernen täglich dazu und wachsen an den Herausforderung, vor allem aber haben wir große Freude am Innkaufhaus!“
www.innkaufhaus.eu

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