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Das Herrengut in Gießen

Es ist nicht die einfachste Zielgruppe, der sich Daniela und Michael Riehl verschrieben haben. Im vergangenen Jahr eröffneten sie mit „Das Herrengut“ in Gießen einen Laden für Männer – in dem aber auch Frauen willkommen sind. Das nahmen wir wörtlich!

Am POS gibt es im Herrengut in Gießen zu verschiedenen Themen viel zu erzählen

Man müsse schon wissen, wo man hin möchte, erzählt Daniela Riehl, Gründerin und Inhaberin von „Das Herrengut“, wenn man in das Reich der Männer eintreten wolle. Das stimmt – wenn auch nicht so ganz: Zwar läuft man an dem 2017 gegründeten Shop, der im Untergeschoss eines Herrenausstatters liegt, nicht auf Anhieb vorbei, aber wer ein bisschen aufmerksam ist, dem weist eine große Schaufensterfront den Weg.
So betritt man also die heiligen Hallen der Männer in dem Gebäude von Köhler Männermode, wo es nicht nur das Herrengut gibt, sondern auch noch einen Barbier. Hier bleiben also fast keine Männerwünsche unerfüllt.

Von Mädchen und Jungs

Wie kommt man aber dazu, einen Laden nur für Männer zu machen, fragten wir Daniela Riehl? „Vor sechs Jahren habe ich in dem kleinen Ort Hachborn in der Gemeinde Ebsdorfergrund einen Laden für ‚Mädchen‘ eröffnet: Das Wohngut. Obwohl das alles andere als eine 1 A- Lage ist, haben wir entgegen aller Erwartungen mit diesem Konzept großen Erfolg. Auch der Inhaber des Modehauses wurde so auf uns aufmerksam und fragte bei uns an, ob wir uns nicht auch vorstellen könnten, dieses Konzept auch für ‚Jungs’ zu machen. Das fanden wir prinzipiell spannend, da wir doch viele Frauen kannten, die verzweifelt Geschenke für ihre Männer suchten. Wir wussten also, dass es sich hier um eine probate Zielgruppe handelte, also haben wir die Herausforderung angenommen.“

Das alles geschah vor einem Jahr, und inzwischen wissen die beiden Inhaber, dass es der richtige Entschluss war.
Auf 180 Quadratmetern bietet man Männergeschenke mit Niveau und eben nicht solche, welche die Klischees bedienen, an. „Unser Ziel ist es, schöne Sachen für den Mann zu finden, die er gebrauchen kann ... oder eben nicht ... oft sind es gerade diese Produkte, die viel sexier sind, als die reine Bedarfsdeckung!“, erzählt Daniela Riehl.
So hat man inzwischen in Gießen gelernt, dass das Sortiment schwer und wertig sein muss: „Wir Frauen sind da ganz anders, wir können uns auch dreimal das selbe Produkt in verschiedenen Ausführungen kaufen. Die Männer haben da eine ganz andere Herangehensweise!“
So hat man sich also auf die klassischen Männerthemen Feuer und Spirituosen spezialisiert.
„Dabei bespielen wir das Thema Feuer in all seinen Facetten: Feuer mit Holz, Feuer mit Gas und Feuer mit Kohle. Feuer als Lagerfeuer, Feuer in der Feuerschale oder Feuer im Grill. Wir müssen das alles haben, denn die Faszination ist ungebrochen. Wir achten dabei natürlich auf qualitativ hochwertige und vor allen Dingen sympathische Marken wie Dutch Oven, Big Green Egg, Napoleon oder Ofyr. Das gilt auch für unser zweites großes Standbein, die Spirituosen. Hier kaufen wir natürlich die gängigen Marken, aber wir haben uns inzwischen auch auf die Exoten spezialisiert, die wir oft direkt bei den Destillerien erwerben.“
Das Sortiment wird im kulinarischen Bereich um hochwertige Gewürze von Pfeffersack & Söhne, Delikatessen von Nicolas Vahé und den Lakritz-Kugeln von Lakrids ergänzt.
Mit Möbeln, Lampen, Geschirr, Bildbänden und Deko-Artikeln für die eigenen vier Wände schafft man eine wohnliche Atmosphäre und inspiriert Mann oder Frau. „Wir stellen immer wieder fest, dass Produkte mit einem gewissen „Gimmick“-Faktor sehr gut ankommen. So bieten wir Boxsäcke, sehr originelle Multifunktions-Tools und witzige Spiele sowie Geschenkartikel an. Hier sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt und es freut uns immer wieder, wenn diese Dinge ein Lächeln in die Gesichter zaubern,“ erzählt Daniela Riehl.

Hier wird der Laden nicht nur mit ausgefallenen Spirituosen gerockt, sondern auch mit den passenden Gläsern wie die Rocking Whisky Glasses von Gentelmen‘s Hardware

Hinter einem starken Geschäft steht ein starkes Team: Inhaber Michael Riehl weiß, was Männer wollen

Produkte rund um das Feuer, Spirituosen und Geschenkartikel lassen im Herrengut Männerherzen höher schlagen

Feuerstelle von Ofyr

Der Mann im Mann

Dass das nicht immer leicht ist, weiß das Ehepaar Riehl wohl besser als wir alle. So erinnert sich die Gründerin, Daniela Riehl: „Ich musste anfangs erst dazulernen! Denn Männer schauen sich kurz um, wollen eine knappe, fundierte Beratung und ansonsten eigentlich in Ruhe gelassen werden.“
Gute Mitarbeiter sind daher im Herrengut ungemein wichtig. Denn auch wenn die Jungs keine langen Gespräche suchen, so seien sie dennoch beratungsintensiv: Sie interessieren sich nicht nur für die Geschichten hinter den Produkten, sondern auch für die harten Fakten wie das Material, das Gewicht oder die Technik.
„Um dies Gewährleisten zu können, haben wir bei uns ‚Geschichtenerzähler’ im Laden, die kleine Anekdoten oder die Unternehmensphilosophie der verschiedenen Hersteller kennen. Damit wir solche Informationen auch geben können, wenn das Geschäft voll ist, gibt es kleine Aufsteller, auf denen man alles nachlesen kann.“
Dass man nicht nur bei der Zusammenstellung der Produkte, sondern auch bei der Dekoration durchaus mutig sein muss, weiß man im Herrengut. Das Schaufenster wird monatlich umgestaltet und im Laden räumt Daniela Riehl in regelmäßigen Abständen um: „Es gibt nichts Langweiligeres, als wenn sich in einem Geschäft nichts tut. Der Laden lebt von der Abwechslung und manchmal kommen Produkte erst in einem neuen Zusammenhang so richtig zur Geltung. Denn die Leute möchten etwas entdecken. Unser Ziel ist es, mit einem Augenzwinkern Dinge zu entfremden. So haben wir schon ein Rennrad als Deko auf den Tisch gestellt oder die Produkte nicht nach Sortimenten beziehungsweise Themen, sondern nach Farben sortiert. Das kommt immer gut an und sorgt für Gesprächsstoff.“

 

Taste it!

Im Herrengut kann man nahezu alles probieren. Ob Öle, Essige, Delikatessen oder Spirituosen. „Es ist ganz wichtig, dass man die Produkte direkt erleben kann, denn nur so kauft man nicht die Katze im Sack ... und das gilt auch für unsere Grills“, ist sich Daniela Riehl sicher.
Daher bietet man darüber hinaus einmal im Monat Gin-Tastings oder Grill-Seminare an und entspricht damit den Themen, die von den Männern besonders gut angenommen werden. „So ein Tasting startet im Laden mit einem Gin Cocktail. Dann geht es weiter in ein benachbartes Lokal, wo wir eine große Tafel für 20 bis 30 Leute haben. Die Grill-Seminare sind dagegen etwas exklusiver. Da hier jeder Grill, den wir im Sortiment haben, im Einsatz ist, können wir hier nur mit zwölf Personen arbeiten.“
Das Herrengut hat dafür zwei eigene Köche eingestellt, welche den Kunden mit Rat und Tat zur Seite stehen. Dabei handelt es sich keineswegs nur um Männer. „Wir haben im Laden einen Frauenanteil von circa 40 Prozent und bei den Tastings von circa 50 Prozent. Für uns ist das ganz wichtig, denn schließlich soll auch die Frau inspiriert werden, denn sie ist es auch, die später auf der Suche nach einem Geschenk ist! Über unsere Aktivitäten schaffen wir eine große Nähe zum Produkt. Darüber hinaus nehmen sie den Kunden auch die Hemmung vor dem umfassenden Angebot und binden ihn oder sie langfristig an uns.“

Das Schaufenster im Obergeschoss weist den Weg zum Herrengut im Souterrain

Flaschenöffner von Design im Dorf

Und nun?

Nachdem sich auch das Herrengut entgegen aller Erwartungen sehr gut entwickelt hat, denkt man über Neues nach. So plant man mit dem Herrenausstatter und dem Barber gemeinsame Aktionen. „Als wir damals eröffnet haben, sind wir in Gießen mit offenen Armen aufgenommen worden. Das heißt, es hat sich relativ schnell eine Kooperation mit den umliegenden Gastronomen ergeben. Somit leben unsere Produkte nicht nur im Souterrain des Herrenausstatters, sondern auch in der ganzen Stadt. Dazu kommt der ungebrochene Trend zum Fünftgrill. Das heißt, wir sind hier noch lange nicht am Ende und stellen fest, dass das neue Auto des Mannes der Grill ist. Hier verkaufen wir – wie zum Beispiel mit dem unglaublich erfolgreichen Ofyr – im oberen Preissegment. Und das macht Spaß!“
Um es den Frauen – und am Ende auch den Männern – in Sachen Schenken etwas leichter zu machen, hat das Ehepaar Riehl einen alten, indischen Spint gekauft, in dem man seinen individuellen Geburtstags-Korb einlagern kann.
Auch der Internetshop des Herrenguts steht kurz vor der Eröffnung. Man sei derzeit dabei, die Produkte einzupflegen und gehe davon aus, dass er noch in der ersten Jahreshälfte online gehen könne. „Wir haben – wie auch bereits im Wohngut – den Anspruch, 80 Prozent unserer Produkte auch im Internet abbilden zu können. Diese Verbindung von on- und offline wird auch in Zukunft immer wichtiger werden.“ Dennoch ist man sich in Gießen sicher, dass der Kunde nicht zu Hause vor dem Grill oder auf dem Sofa sitzen bleiben wird. „Wir hören immer wieder von den Männern: ‚Das ist mein neuer Lieblingsladen’. Bei uns kann man sich bei einem Espresso entspannen, witzige Produkte entdecken, alles, wonach einem ist, probieren ... und das geht eben nicht im Netz.“
So bleibt es also spannend, mit welchen Ideen die gelernte Reisekauffrau mit ihrem Ehemann und ihrem gesamten Team, die Männer in Zukunft um die Finger wickeln wird.
www.das-herrengut.de

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