Art Deco

Lust auf Luxus

Anleihen bei vergangenen Design-Epochen waren bei Gestaltern immer schon sehr beliebt: War für sie bislang vor allem die Zeit zwischen 1950 und 1970 interessant, gerät mit dem Art Deco eine weitere vergangene Epoche ins Visier vieler Produkthersteller.

Verspielter Luxus: Art Deco Light von Bloomingville

Charakteristisch für das Art Deco der 20er und 30er Jahre waren Ornamente, geschwungene Linien, viel Gold und Schwarz, kostbare tropische Hölzer und exotische Tiermotive. Aber auch auf Hochglanz polierter Edelstahl und luxuriöse Materialien wie Marmor, Elfenbein oder Haifischhaut gehörten zu den damaligen Art-Deco-Elementen. Der moderne Art-Deco-Stil der heutigen Zeit verwendet dagegen lieber Nachbildungen: So ist beispielsweise der elegant-schmale Korpus der Konsole „Mara“ von Lambert nicht mit echter Rochenhaut, sondern mit einem Imitat bezogen.

Glanz und Glamour

Der dänische Hersteller Greengate hat mit „Gate Noir“ sogar eine eigene Kollektion ganz im Zeichen des Art Deco kreiert. Die Serie zeichnet sich durch die Kombination von Schwarz und Gold, geschliffenem Kristallglas sowie Schwanen- und Pfauenmotiven aus. Genau der richtige Mix für die schillernde Dramatik des Art Deco. Schaut man sich die funkelnden Gläser mit Goldrand, die ornamental verzierten Serviettenringe, die mit Pfauenrad oder floralen Motiven geschmückten Becher an, werden die Roaring Twenties mit ihrem Glamour und dem verschwenderischen Prunk lebendig.

Unwillkürlich denkt man an verruchte Nachtclubs und Swing-Musik in den Metropolen New York, Paris und Berlin oder an den Roman „Der große Gatsby“ von F. Scott Fitzgerald, in dem der geheimnisvolle Millionär Gatsby mit seinen Freunden scheinbar endlose luxuriöse und dekadente Partys feiert. „Gatsby“ heißt übrigens auch eine Möbelserie des französischen Herstellers „Maisons du Monde“. Das Buffet beeindruckt beispielsweise mit massivem Mangoholz und goldfarbenem Metall, das zusätzlich von einer Reihe kreisförmiger Elemente verziert wird. Ebenfalls zu dieser Serie gehört ein Metallregal mit Messingoberfläche sowie ein quadratischer Couchtisch, der aus goldfarbenem Metall und Marmor gefertigt ist. Möbel also, die für den Glamour der Goldenen Zwanziger stehen.

Schillernd: Das Sideboard „Gatsby“ von Maison du Monde

Urlaubsfeeling: Palmen und Ananasfrüchte sind typische Art-Deco-Elemente

Wer sich auf Reisen mit dem beeindruckenden Stil auseinander setzen möchte, sollte sich vorher das Buch „Living in Style – The New Art Deco“ der Designjournalistin Claire Bingham besorgen. Sie beschreibt nicht nur die vom Art Deco geprägten Inneneinrichtungen von privaten Wohnungen und Häusern, sondern auch die von Hotels, Restaurants und Bars. Das Buch zelebriert den anspruchsvollen Art-Deco-Stil, der „ebenso erstrebenswert wie luxuriös und außergewöhnlich ist“.

Exotische Flora und Fauna

Sogar Anhänger des modernen skandinavischen Lebensstils dürften sich mit der opulenten Designsprache der Goldenen Zwanziger anfreunden: Der dänische Hersteller Bloomingville setzt auf eine Light-Variante und präsentiert einen Art-Deco-Stil ohne Schwarz und andere dunkle Farben. Gold beziehungsweise Gold-Optik hingegen darf natürlich nicht fehlen, vor allen in Form von Pfauen und Palmen, aber auch bei den Tischsets und Bestecken.

Hochwertig: Das Whisky-Set „Spiritti“ von Leonardo überzeugt mit Facettenschliff / Dekorativ: Brotteller La Classica Contura (Villeroy & Boch) mit klassizistischen Elementen

Letztere werden mit grünen Geschirrserien und hellem Holz auf eine sehr moderne Art kombiniert. Und auch Fransen können ein Ausdruck des opulenten Stils sein, so besteht beispielsweise die Tischleuchte „Paula“ aus einem weißen, mit Fransen bestückten Schirm, der in einem spannenden Kontrast zu dem Fuß aus goldfarbenem Metall steht.
Auch deutsche Hersteller wie Villeroy & Boch und Leonardo beherrschen die Kunst, charakteristische Elemente des Art Deco auf eine leichte und verspielte Weise umzusetzen: Das Whisky-Set „Spiritti“ von Leonardo überzeugt beispielsweise mit einem schönen Facettenschliff. Der Brotteller „La Classica Contura“ von Villeroy & Boch greift klassizistische Elemente auf, an denen sich der Art-Deco-Stil unter anderem orientierte.

Art Deco in der Kunst

Nicht nur eine große Auswahl an Möbeln, Leuchten, Tisch-Accessoires und Wohntextilien erfreuen die Fans des neuen alten Trends-Stils, auch Bildmotive gibt es viele. Die Posterlounge etwa bietet unterschiedliche Motive von Künstlern wie Tamara de Lempicka, Georges Barbier, Felix Edouard Vallotton oder Clarence Coles Philips. Zu den bekanntesten Vertretern des Art Deco gehört zweifellos Tamara de Lempicka. Als 1925 in Paris mit der „Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes“ die erste und für den Stilbegriff namensgebende Art-Déco-Ausstellung stattfand, erregte de Lempicka das Interesse eines breiten Publikums und wurde innerhalb kurzer Zeit zu einer der gefragtesten Künstlerinnen der damaligen Epoche. Zu den bekanntesten Werken der polnischen Künstlerin gehört das Selbstporträt aus dem Jahr 1929. De Lempicka malte das Bild im Auftrag der Berliner Zeitschrift „Die Dame“. Mit verführerischen roten Lippen und behandschuhten Händen wirkt Tamara de Lempicka souverän und selbstbewusst, aber auch distanziert und unnahbar. Eben eine Femme fatale des Art Deco.
Sigrid Brauer

Poetisch: Espressotasse und Unterteller Morgengold von Greengate

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