Oberflächen

Gefaltet, gewellt und geriffelt

Glatte Oberflächen gelten als elegant und puristisch. Nichts lenkt von der Form und der Funktion des Gegenstandes ab. Gleichzeitig besteht allerdings die Gefahr, dass Produkte mit eben diesen Eigenschaften und ohne kontrastreiche Ecken und Kanten auch etwas langweilig und eintönig rüberkommen. Die gute Nachricht: Aktuell gibt es viele Wohn­accessoires und Geschenkartikel mit spannenden gefalteten, gewellten und geriffelten Hüllen.

Außergewöhnlich: die Wanduhr „Ponctuel“ aus geriffeltem Schiefer - Organisches und wellenförmiges Design: die Pendelleuchte „Norm 03“ von Normann Copenhagen

Vorbild ist hier – wie so oft – die Natur. So zeigt die Pendelleuchte „Norm 03“, ein Klassiker des dänischen Herstellers Normann Copenhagen, geriffelte Wellenbewegungen. Die von der Designerin Britt Kornum gestaltete Leuchte besteht aus nicht brennbarer Lampenschirm-Folie, die in 39 Puzzle-Teilen geliefert wird. Man kann die Einzelteile in einfachen Schritten zusammensetzen, ohne Leim oder Werkzeug verwenden zu müssen. Das Ergebnis lässt sich sehen: Die „Norm 03“ überzeugt mit ihren weichen Linien, ihrer warmen Lichtgebung und den besonderen Licht- und Schatteneffekten.
Ebenfalls der Natur abgeschaut sind die Deko-Elemente des chinesischen Gestalters Dingqi Chen: Oberflächen in Form von Kürbissen, Nüssen und Eicheln aus Porzellan zaubern eine winterliche Stimmung. Einige der Kürbisse haben sogar einen Deckel, so dass man sie beispielsweise als Dosen für Schmuck oder andere Kostbarkeiten nutzen kann.

Rillen als Markenzeichen

Rillen oder geriffelte Oberflächen können auch das Marken- und Erkennungszeichen ganzer Kollektionen sein. So auch bei den Kreationen des Malers und Keramik-Designers Svend Hammershøi, der mit der renommierten Traditionsmanufaktur Kähler zusammenarbeitete. Aus der Werkstatt von Hammershøi stammt eine Reihe von Vasen und Tischaccessoires, die sich durch ihre markante geriffelte Oberfläche auszeichnen. Die gerippte Oberfläche ist eine Hommage an die griechische Antike und an die nordische, reduzierte Formensprache.

Riffel-Look: Neue Serien „Pure“ und „Ivy“ von Feine Dinge

Die Linienführung ist klar, einfach und gerade dadurch auch so ausdrucksstark. Hammershøi, dessen Werke in namhaften Museen ausgestellt werden, erschuf sein Keramikgeschirr und andere Accessoires als Gebrauchsgegenstände von hohem praktischem Wert. Mit der Serie „Kähler Hammershøi“, von dem dänischen Designer Hans-Christian Bauer neu interpretiert, wurde eine Linie lanciert, die an den großen Künstler erinnert und sein Lebenswerk würdigt. Das unverkennbare Markenzeichen – die geriffelte Oberfläche – prägen jedes Produkt dieser Kollektion.
Nicht so dominant wie bei der Hammershøi-Serie, sondern eher fein geschichtet, wirken die Rillen des Tafelgeschirrs „Omnia“ von Fürstenberg und dem Wiener Designstudio Eoos. Ein Speise-, Frühstücks-, Dessert- und Beilagenteller, eine Schale und ein Becher bilden das komplette Service. Neben puristischem Weiß wird „Omnia“ auch in Anthrazit, Hellbraun, Bronze und Dunkelbraun und in einer Kombination von jeweils zwei Farben angeboten. Gerade bei den farbigen Varianten ist die Rillen-Form nur dank der absoluten Präzision in der Fertigung möglich.

Handgewebt: Stick-Motive veredeln die Kissen aus Seide (Lotus Collection)

Ein Traum: Eine zarte Farbschichtung bestimmt die Oberfläche der Serie „Morgentau“ (Breitenbach & Töchter)

Gewollt zerknittert

Auch gegenständliche, reliefartig in die Oberflächen eingearbeitete Abbildungen sorgen für spannende Außenflächen von Produkten. Ein gelungenes Beispiel sind die Abgüsse von Lavendel, feinen Gräsern und Zwerglärchen auf dem Geschirrs „Pure“ von Feine Dinge aus Wien. Aus ungefärbtem Limoges-Porzellan gefertigt, werden die unglasierten Außenseiten poliert, während die Innenseiten mit Transparentglasuren versehen sind. Breite Rillen, die von großen Kanten begrenzt werden, sowie wabenartige Strukturen bilden die Oberflächen der Linie „Ivy“, ebenfalls von Feine Dinge.
Oberflächen mit 3D-Effekten machen auch aus Kissen-Kollektionen einzigartige Hingucker: Die Kissen-Serie „Fujiyama“ des Herstellers Lotus Collection aus Aachen besteht beispielsweise aus handgewebter Ahirmsa-Seide, auf die grafische Motive aus vielen feinen, sich verdichtenden Linien gestickt wurden.
Auch der Hersteller Apelt aus Oberkirch setzt auf Strukturen. So wirken die Kissen aus der Serie „Loft Style“ gewollt zerknittert: Hier zeigt sich grafischer Schick in Verbindung mit gewebten Plissés und schönen Steppmustern.
Und sogar harte Materialien lassen sich in Falten legen: Die Wanduhr „Ponctuel“ von Ligne Roset ist aus natürlichem Schiefer hergestellt und wird zwischen den Rillen sandgestrahlt. Eine schöne Ergänzung zu diesem Falteneffekt sind die schwarzen Stunden- und Minutenzeiger sowie der goldfarbene Sekundenzeiger.

Farben geben Struktur

Tapetendesigner setzen Strukturen ebenfalls als spielerische Elemente ein: Das Designbüro Breitenbach & Töchter zeigt beispielsweise mit der Kollektion „Morgentau“, wie wirkungsvoll eine zarte Farbschichtung sein kann. Die Serie entstand auf der schwedischen Ostseeinsel Gotland, und die unterschiedlichen Farbtöne stehen für das weiche Licht der späten Sommermonate. Die räumliche Weite der Kollektion „Morgentau“ erinnert an einen wunderbaren Urlaub am Meer.
Sigrid Brauer

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