ZWEI MAGAZINE - EINE WELT

Römertopf

Der Weg in die Neuzeit

Wenn man dem neuen Inhaber von Römertopf, Frank Gentejohann glauben darf, zieht nicht nur eine Woge der Erneuerung, sondern ein ganzer Innovations-Tsunami durch den Firmenstandort in Ransbach-Baumbach. Wir sprachen mit ihm über die Marke und deren Zukunft.

Mit einer neuen Bildsprache richtet sich Römertopf auch an eine jüngere Zielgruppe

In diesem Jahr haben Sie als Inhaber und Geschäftsführer Römertopf übernommen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?
Im Grunde genommen ist meine Frau Schuld, welche die Anzeige in der Rhein-Zeitung entdeckt hatte. Damals wusste man allerdings nicht, welches Unternehmen hier zum Verkauf stand. Als sich herausstellte, dass es sich um Römertopf handelte, war das natürlich eine große Überraschung. So begannen die dafür notwendigen Gespräche, und innerhalb von nur sieben Monaten war alles geregelt.

Inzwischen haben Sie einen tieferen Einblick in das Unternehmen. Sind Sie immer noch mit Ihrer Entscheidung zufrieden?
Ja, sehr. Inzwischen hat sich natürlich einiges getan. Herr Rouland hat das Unternehmen verlassen, und Herr Volker Voss ist an Bord, der durch seine Branchenkenntnis viel bei uns bewegt. Das Ziel wird nun sein, die Marke unter dem Arbeitstitel Römertopf 3.0 in die Neuzeit zu führen. Davor lag vor 50 Jahren mit 1.0 die Erfindung des Römertopfes durch die Firma Bay und vor 22 Jahren mit 2.0 die Übernahme der Marke durch meinen Vorgänger, Herrn Otto Gatzke. Bei 3.0 steht natürlich neben vielen anderen Dingen auch die Digitalisierung im Vordergrund. Wir gehen davon aus, dass wir bis Ende November die neue Website freischalten und uns in den sozialen Netzwerken adäquat darstellen … die dazu erforderliche neue Markenpositionierung inklusive einer neuen einheitlichen Bildsprache ist nahezu fertig gestellt.

Oft wird Römertopf nur mit dem Klassiker assoziiert, dabei gibt es so viel mehr unter dem Dach der Marke!

Das ist richtig. Wir haben anfangs sogar festgestellt, dass unser Partner, der Handel, davon ausgeht, dass wir lediglich ein einziges Produkt in verschiedenen Ausführungen haben. Das ist natürlich eine Katastrophe. Selbst Branchenkennern war nicht klar, dass wir insgesamt über fünf verschiedene Produktkategorien verfügen: Es beginnt mit dem Thema Aufbewahren, das heißt, wir haben tönerne Behältnisse zur optimalen Lagerung von Brot, Zwiebeln, Kartoffeln, und so weiter. Der zweite Bereich ist der Römertopf: Mit einem Topf lässt sich – inzwischen seit 50 Jahren – Kochen, Braten und Dampfgaren in einem Vorgang … daraus resultiert die Geling-Garantie. Als drittes wäre das Thema Backen zu nennen, ein Thema, das sich immer größerer Beliebtheit erfreut. Die nächste Kategorie ist der relativ neue Bereich BBQ. Dieser hat sich überaus erfolgreich entwickelt.
Die fünfte und letzte Kategorie sind die Spezialprodukte wie zum Beispiel der Hähnchenbräter Chicko, der Apfelbräter mit Stövchen oder der Kresse-Igel. Das zu verstehen, ist ein erster wichtiger Schritt.

Und was war der nächste Schritt?
Wir hatten zwei große Aufgabengebiete: Eins davon betraf die Verpackung von Römertopf, die nicht postversandfähig war. Wir haben nun einen Karton entwickelt, der jeden Drop-Test besteht. Somit entfällt für unsere Partner aufwendiges und teures Umverpacken. Für den stationären Handel haben wir einen passenden Schuber entwickelt. So haben wir eine Geschenkverpackung, die problemlos verschickt und transportiert werden kann.
Zum anderen brauchte Römertopf eine neue und klare Markenpositionierung. Wir haben uns mit Concence von einem Schwergewicht der Branche beraten lassen und sind nun sehr froh, eine einheitliche Corporate Identity zu haben. Diese wirkt sich natürlich auch auf die neue Bildsprache aus. Hier legen wir ganz besonderen Wert darauf, die Fakten, welche Römertopf so einmalig machen, visuell abzubilden. Die aktuellen Megatrends Nachhaltigkeit, Handmade in Germany, Regionalität sowie gesunde und einfache Küche werden vom Römertopf perfekt bedient, das müssen wir nicht nur dem Handel, sondern auch dem Konsumenten verdeutlichen.

Frank Gentejohann, Geschäftsführer und Inhaber Römertopf

Mit einem neuen Logo, einer versandfähigen Verpackung und vielen Ideen startet Römertopf in die Zukunft

Und wie soll das gelingen?
Zum einen natürlich über eine modernere und jüngere Bildsprache und zum anderen über die direkte Endkundenansprache. Das lief bisher primär über Kreuzworträtsel. Da wir hier nicht unsere Zielgruppe sehen, werden wir zukünftig in moderneren Zeitschriften auftreten. Darüber hinaus ist es unser erklärtes Ziel, stärker im Netz aktiv zu sein. Wie anfangs schon erwähnt, werden wir dies zum einen über den neuen Internetauftritt, aber auch über Social Media-Aktivitäten erreichen. Für den stationären Handel werden wir ein junges, frisches Shop-in-Shop-Konzept anbieten, das dem Endkunden den neuen Römertopf 3.0 sofort und klar vermittelt.

Sie sprachen anfangs auch über einen Webshop ...
Ja, wir werden noch in diesem Jahr einen Webshop etablieren. Hier steht bereits die komplette Struktur und Logistik. Wichtig ist jedoch, dass wir hier die Marke und die Wertigkeit in den Vordergrund stellen. Die Produkte werden hier zum UVP angeboten. Das heißt, wir haben kein Interesse, unsere Ware über den Preis in den Markt zu schieben, aber andererseits können wir uns dem Thema Online-Vermarktung auch nicht verschließen.

Wird es noch weitere Veränderungen in Sachen Vertrieb geben?
Unser heimischer Produktionsstandort bedingt klare Kapazitätsgrenzen. Das heißt: Über eine gewisse Menge hinaus, können wir nicht mehr machen. Aus diesem Grund können wir die Neuheiten hauptsächlich über den markenorientierten Beratungs-Fachhandel vertreiben. Wir haben diesbezüglich eine Offensive mit einem neuen Konditionssystem am Start. Dabei setzen wir auf ein Netz von acht bis zehn Handelsvertretern, die im deutschsprachigen Raum unterwegs sein werden. Aber nicht nur national, sondern auch international gibt es einiges zu tun. Hier ist es unsere Aufgabe, alle aktuellen Strukturen genau unter die Lupe zu nehmen und gegebenenfalls zu optimieren. Aber da wir fast in jedem Land der Erde vertreten sind, wird das noch etwas Zeit in Anspruch nehmen.

Hähnchenbräter Chicko

Der große Römertopf in traditionellem Design

Und was sind Ihre Ziele?
Zum einen werden wir das Thema BBQ erheblich ausbauen. Wir haben festgestellt, dass unsere bisherigen Produkte oft nicht auf den jeweiligen Grill passen, da man vorhandene Formen von Auflaufschalen verwendet hat. Daher bringen wir im kommenden Jahr eine komplett neue Range, die auf mindestens 90 Prozent aller Grills passt. Dabei werden wir an ganz verschiedenen Formen und Funktionen arbeiten. Darüber hinaus werden wir die Produktkategorie Römertopf um einige Linien entschlacken und um eine Serie „Young-Design“ erweitern. Die Wertigkeit der Marke Römertopf soll schließlich auch im Handel ankommen und einen wertigeren Auftritt nach sich ziehen.
In diesem Zug werden wir auch an neuen, innovativen Rezepten arbeiten, die noch mehr Lust auf Römertopf machen.
Das heißt zusammenfassend: Die Marke soll wertiger und jünger werden. Das spiegelt sich auch in unseren neuen Verpackungen wider.

Was sagen die Mitarbeiter zu den Veränderungen?
Am Anfang habe ich direkt alle unserer 30 Mitarbeiter darum gebeten, neue Ideen oder Verbesserungsvorschläge einzubringen. Das dauerte erst eine Weile, aber dann sprudelte es nur so. Inzwischen zieht hier, wenn ich das mal so formulieren darf, ein wahrer Innovation-Tsunami durchs Haus. Die Mitarbeiter kommen fast täglich mit neuen Ideen und Anregungen. Das ist schön zu beobachten und bringt viel frischen Wind.
www.roemertopf.de

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