Nihao

liebe Chinesen!

Hallo und Guten Tag: Die Touristen aus dem Reich der Mitte sind begehrte Konsumenten in Deutschland. Insbesondere in einer Metropole sind verschiedene Unternehmen und Einrichtungen extra auf diese Zielgruppe eingestellt. Und das auch im Bereich der Küchenartikel und Haushaltswaren.

Sprach- und kulturkundige Mitarbeiter beraten am Airport Frankfurt chinesische Kunden beim Einkauf

In der Volksrepublik China leben rund 1,39 Milliarden Einwohner. Damit stellt das Reich der Mitte ungefähr ein Fünftel der Weltbevölkerung. China ist jedoch nicht nur das bevölkerungsreichste Land auf diesem Planeten, sondern gilt als Werkbank der Welt und Motor der globalen Wirtschaft. Vom anhaltenden Wirtschaftsboom profitieren die Bürger der Volksrepublik. Seit Ende der 1970er-Jahre, in denen sich das Land zunehmend politisch und wirtschaftlich öffnete, bekamen andere Gesellschaften immer stärker einen Eindruck davon, wie sich die recht bescheiden lebenden Maoisten zu kaufkräftigen Konsumenten wandelten.

Reise- und ausgabenfreudig

Heute sind die Chinesen als reise- und ausgabenfreudiges Volk überall begehrt. Deutschland profitiert davon, dass es laut der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT) als „Reiseziel im Ausland so beliebt ist wie noch nie“. Auch von den Chinesen, die einiges zu den Rekordzahlen beitragen. Beim Plus dieser Besuchergruppe von zwölf Prozent auf 1,3 Millionen Übernachtungen im ersten Halbjahr 2017 gegenüber dem Vorjahreszeitraum spricht die DTZ von einem „Wachstumsmotor“.

Dabei bekommen die DZT-Mitarbeiter diesen Boom am Sitz ihrer Institution mit: Frankfurt am Main wirkt trotz des Römerbergs zwar nicht so attraktiv auf die chinesischen Gäste wie zum Beispiel Heidelberg oder Berlin, der Standort profitiert aber vom Flughafen-Drehkreuz. „Die Tourismusbranche ist mittlerweile ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für unsere Stadt“, betonte jüngst der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann und wies bei der Präsentation der Rekordzahlen für das Jahr 2016 auch auf die steigende Zahl der asiatischen Besucher hin: „China ist erstmalig zweitwichtigster ausländischer Quellmarkt“ – nach Großbritannien.

Personal Shopper Service

Nach einer Umfrage des China-Webportals ICC decken sich hierzulande „chinesische Heimkehrer mit Mitbringseln wie feinem Alkohol und Süßspeisen, aber auch mit Qualitätsprodukten für die Küche ein“. Sie würden bevorzugt am Flughafen einkaufen, da sie hier vor der Heimreise die Mehrwertsteuer zurückerstattet bekommen würden, so die Experten von ICC.

Bezahlen am POS über die Scan Allpay App von Wirecard

Dementsprechend haben sich die hessische Metropole und der Airport Frankfurt gezielt auf die Reisenden aus China eingestellt, die hier privat oder geschäftlich unterwegs sind. Der Frankfurter Flughafen bietet seit fünf Jahren mit dem „Chinese Personal Shopper Service“ eine kostenlose Shopping-Beratung für seine Zielgruppe der jährlich rund 600.000 chinesischen Passagiere in der Landessprache an.
Laut Anbieter sprechen die Berater fließend Mandarin, Deutsch und Englisch. Die Servicekräfte haben chinesische Wurzeln oder studieren Sinologie und sind somit in beiden Kulturkreisen bewandert. Jeden Tag sind aus dem 20-köpfigen Team neun Mitarbeiter von 9.00 bis 21.30 Uhr im Einsatz.

Angebot und Know-how

Das Know-how ist auch insofern sehr wichtig, dass weißes Geschenk- oder Einschlagpapier verpönt ist, da dieser Farbton in China Trauer verkörpert. Dagegen sind farbig verpackte Papiere und vor allem rote und goldene Farbtöne beliebt, da sie dort als glücksbringend gelten. Die kundigen CPS-Mitarbeiter sind übrigens schnell an den chinesischen Abzeichen zu erkennen, und wenn sie nicht schon vorab für eine Einkaufstour reserviert wurden, sorgen sie für manchen Überraschungseffekt.
„Chinese Personal Shopper beraten Passagiere beim Shopping zu aktuellen Trendprodukten, kennen alle wichtigen Marken am Airport und unterstützen als Sprachmittler zwischen Kunden und Shop-Mitarbeitern. Die Personal Shopper helfen auch bei der Mehrwertsteuerrückerstattung beim Zoll und am Tax Refund-Counter“, bewirbt die Fraport AG das spezielle Angebot.
Der Geschäftspartner Tripidi betreibt am Flughafen verschiedene Shops, in denen auch Haushaltswaren Made in Germany von Markenherstellern angeboten und schon seit zwei Jahren mit dem digitalen Bezahldienst Alipay bezahlt werden können. Die Nutzer können mit dem Smartphone und ihrer gewohnten App bezahlen und sehen sofort, welcher Betrag in chinesischer Währung abgebucht wird. Zu den Herstellerpartnern von Tripidi gehören unter anderem Alfi, Brita, Fissler, Gefu, PSP Deutschland (Peugeot Mühlen), Rommelsbacher, Silit, Unold, WMF, Wüsthof, Zielonka und Zwilling.

Wohlfühlumgebung für chinesische Touristen: hier der Garten des Himmlischen Friedens in Frankfurt am Main

Zwei Branchenbeispiele

Der Hersteller Fissler hat dort auch schon gute Erfahrungen mit einem Pop-up-Shop gesammelt, wie EMEA-Vertriebsdirektor (Europa/Mittlerer Osten/Afrika) Johannes Lichter gegenüber KitchenTrend bestätigt: „Bestärkt durch den Erfolg dieser temporären Marketingmaßnahme, auch hinsichtlich Markenbekanntheit und Markenimage, denken wir über einen Ausbau dieser Einkaufsmöglichkeiten für den zunehmend internationaler werdenden Fissler-Kunden nach“ (siehe auch Kitchen Trend-Sommerausgabe 2016). Zugleich weist Johannes Lichter darauf hin, dass die Premiummarke Fissler derzeit über einen Handelspartner in den Shops Landside und Airside vertreten sei: „Hier können insbesondere asiatische Reisende das ‚Made in Germany’-Sortiment kaufen und den komfortablen und sehr geschätzten Bezahl- und Versand-Service in Anspruch nehmen.“
Auch Mitbewerber Zwilling J.A. Henckels ist mit von der Partie und kooperiert seit Sommer 2017 mit dem deutschen Technik- und Finanzdienstleister Wirecard, der wiederum mit chinesischen Bezahldiensten wie Alipay und WeChat Pay zusammenarbeitet.

 

Der Spezialist für Küchenwaren biete über Wirecards Scan Alipay App diese Bezahlmöglichkeit in zehn seiner deutschen Handelsfilialen an und könne dadurch „noch stärker vom Touristenboom aus China profitieren“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung. Demnach „strömen jährlich etwa zwei Millionen chinesischer Touristen nach Deutschland und kaufen vor allem renommierte Luxuswaren. Während der Reise gibt der Durchschnittstourist aus China rund 3.000 Euro fürs Shopping aus“, so die beiden Partnerunternehmen.

Erfahrungen und Kontakte

Zwilling-Retailmanager Patrick Rosenthal freut sich, dass „wir uns dank Wirecard einer neuen erfolgsversprechenden Zielgruppe öffnen“ (können). Der Technikpartner beruft sich auf die Praxiserfahrungen mit Alipay-Touristen, wonach nach dem Einführen der Bezahlmethode bei einzelnen Anbietern die Transaktionsumsätze innerhalb eines Quartals um 40 Prozent gestiegen seien und jede Transaktion im Durchschnitt 270 Euro erzielen würde.
Auch in der Frankfurter City sind übrigens Anlaufpunkte für Besucher aus China. Die Galeria Kaufhof-Filiale etwa wartet mit Hauswegweisern in chinesischen Sprachzeichen, sprach- und kulturkundigen Mitarbeitern und der Akzeptanz der einheimischen Kreditkartenorganisation CUP (China Union Pay) auf. Auch hier kümmern sich die von der Agentur EastSong Consulting geschulten Mitarbeiter um das Ausfüllen der Tax-Free-Formulare und Ausfuhrbescheinigungen. Die Agentur verfügt dem Vernehmen nach über beste Kontakte zu chinesischen Reiseleitern und bietet über eine App den Zugang zu einem eigenen Tour Guide Portal an.
Die Beispiele zeigen also, dass der stationäre Fachhandel im harten Wettbewerb punkten kann, wenn neue Kundengruppen gezielt umworben werden. Es kommt aber auch auf die Organisation und die richtigen Partner an, die dahinter stehen.
Arnd Westerdorf

Auch die Zwilling-Gruppe richtet sich mit ihrem Sortiment gezielt an Kunden aus China

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