Küchenzubehör

Inspiration durch Trends

Der Wind, welcher der Lebensmittelindustrie ins Gesicht weht, wird härter. Sterneköche, Haushaltsexperten und Tierschützer sind publikumswirksam den „Machenschaften“ der Produzenten und Anbieter auf der Spur. Hier sprudelt eine starke Quelle für den Selbermachen-Trend, welcher der Branche die Kassen füllt. Der jüngste Trend: Die städtischen Landlust- und Genuss-Fans entdecken das Imkern. Da heißt es für den Cookshop-Handel: Flexibel bleiben!

Vom Roh- bis zum Endprodukt ist Aufbewahrung ein zentrales Thema. Praktisch, aber auch ein bisschen pfiffig darf es dabei durchaus sein. Der „Gemüsebeutel“ ist ein Beispiel dafür. Die Leinenbeutel können einfach am Küchenhaken befestigt werden (Foto: Mastrad)

Was aus dem „Selbermachen Trend“ in der Küche werden würde, hatte die Branche nicht ahnen können, als der neue Typus des Hobby-Kochs auf die Bühne beziehungsweise in die Cookshop-Läden trat. Heute sind Hobbyköche und mittlerweile auch -bäcker Meister ihres Faches, und sie tauchen immer tiefer in die Möglichkeiten der selbst produzierten Genusswelten ein. Auf allen möglichen Grünflächen wird selbst angebaut, was frischen Genuss verspricht. Und die „grüne Branche“ feuert mit Neuheiten diesen Trend weiter an. Nicht nur die permanent publizierten irritierenden Informationen aus der Food-Industrie sorgen also dafür, dass der Trend stärker wird und immer neue Ausprägungen erfährt.
Gesundheit, Wellness, Fitness, Lifestyle, Kochgenuss und Grillspaß, Verantwortung für sich selbst, für die Familie, die Natur, die Tiere und die Umwelt allgemein sind zu einer breiten Trendwoge verschmolzen. Und diese sorgt dafür, dass nicht mehr nur selbst gekocht, gebacken, eingekocht und gesaftet wird. Sogar die Produktion von pflanzlichen und tierischen Vorprodukten nimmt man/frau zunehmend gern selbst in die Hand. Und die ungebrochene Lust, Geschenke in der eigenen Küche selbst zu produzieren, kann mit neuen Ideen rund um die hochwertige und individuelle „Verpackung“ dieser Geschenke noch stärker angefacht werden. Insgesamt eröffnen sich noch viele Produkt- und Umsatzchancen für den Handel, der diesen Trend aufzuschlüsseln und in kompetente Sortimente umzumünzen versteht. Potenzial, das auch dem Wettbewerb des Cookshop-Handels nicht verborgen bleibt.

„Grüne Branche“ setzt auf gesunde Ernährung

So empfiehlt zum Beispiel die Landgard eG ihren Kunden die „Home Made“-Kampagne, um noch besser von dem „Selbermachen“ -Trend zu profitieren. Landgard ist eine Erzeuger-Genossenschaft, die sich auch als „die führende Vermarktungsorganisation im Gartenbau“ bezeichnet. Sie vermarktet die Erzeugnisse (Topfpflanzen, Schnittblumen, Obst, Kräuter und Gemüse) ihrer Mitglieder über Kunden im Fachgroß- und Einzelhandel sowie dem filialisierten Einzelhandel vom Baumarkt bis zum Supermarkt. Mit „Home Made“ will Landgard nach eigenen Worten nicht nur die Begeisterung für gesunde Ernährung als aufmerksamkeitsstarkes Verkaufskonzept für den Fachhandel nutzen, sondern auch das Thema Do-it-yourself besetzen.
Zum Produktangebot, das die Kunden dieses Fachhandels zum Selbermachen anregen soll, gehören Erdbeerpflanzen, Kräuterschalen, Tomatenpflanzen, Beerenobst und Obststämmchen. Plakate mit Verwendungsbeispielen wie Marmelade, Smoothies oder selbst gemachter Tomatensauce unterstützen diese Händler bei der Warenpräsentation am Point of Sale und sollen dazu anregen, das Pflanzensortiment kreativ und auf attraktive Weise zu präsentieren. Wobei sie insbesondere mit Tipps rund um die private Ketchup-Produktion auf dankbare Abnehmer stoßen dürften.

Ausgefallen: Nudelminze mit Nuss-Geschmack

Das Selbermachen-Konzept der Gärtner sollte dem Cookshop-Handel zu denken geben. Immerhin gibt es erste Gartencenter, die über eine voll funktionsfähige Küche und/oder über eine durchaus Fachhandels-like Cookshop-Abteilung verfügen, wo die Verarbeitung der selbst angebauten Produkte vorzuführen beziehungsweise ihren Kunden das passende Produkt dafür zu verkaufen. Lösungen anbieten, so lautet also in diesem Vertriebsweg die Devise, die bereits mit dem Fachhandelskonzept „Grill Gardening“ funktioniert hat. Im Fokus standen dabei die Selbstversorgung und die Erkenntnis, dass immer mehr Gemüsesorten und Kräuter eine Rolle spielen, besonders dann, wenn Gemüse und frische, aromatische Kräuter aus dem eigenen Garten oder vom eigenen Balkon stammen. Und die selbst gezogenen Lebensmittel werden immer mehr. Die Gärtnerei Friderich, Sasbach, die sich als Kräuter- und Pflanzenmanufaktur weitgehend auf Kräuter spezialisiert hat, präsentierte unter ihren Neuheiten 2015 den Szechuan-Pfeffer Stauch, die „Nudelminze“, deren „mild schmeckende Sprossen ein nussiges“ Aroma haben, und als Kübelpflanzen unter anderem den griechischen Berg-Tee oder die Lakritz-Tagets, deren Blätter nach Lakritz schmecken. Da letztere in unseren Regionen nicht winterhart sind, bleiben auch aus dieser Sicht Aufbewahrungsthemen in den Cookshop-Sortimenten wichtig. Am beliebtesten sind leicht verschließbare Varianten mit Glasgefäßen, in denen sich Kräuter einfrieren oder fertige Gerichte servieren lassen, wissen Fachberater. Dafür macht der Handel übrigens auch unter (vor allem männlichen) Singles Bedarf aus, die ihre gesunde Küche gern in passenden Genuss-Größen portionieren und aufbewahren.

Wer Kräuter- und Gemüsepflanzen verkauft, kann auch die Verarbeitung vermarkten. „Home Made“ lautet die Kampagne, mit welcher die Landgard-Genossenschaft den Selbermachen-Trend für den Gärtner-Fachhandel besetzen will

Städter werden zu Imkern

Bestätigung für die gärtnerische Quelle der gesunden Ernährung und das „Selbermachen“ kam jüngst vom Deutschen Imkerbund e. V. (D.I.B.). Dieser freut sich über einen Mitglieder-Boom: Tatsächlich ist Honig machen absolut in. So hat der Verband seit 2007, als aus den USA die ersten Nachrichten vom großen Bienensterben kamen, keine Nachwuchssorgen mehr. Ende 2015 dürfte dem Imkerbund rund 98.000 Mitglieder angehören: „Bienen zu halten ist so populär, wie lange nicht mehr.“ Dabei gehe es vielen in erster Linie darum, die Natur zu erhalten, und erst in zweiter Linie um die Honig-Gewinnung, so der Verband. Aber es dürfte nicht lange dauern, bis auch Produkte für die Honig-Verarbeitung und -Küche nachgefragt werden. Und darum ist zum Beispiel die Aufnahme von „Insektenhotels“ ins Haushalts-Sortiment keineswegs abwegig.
„Urban Beekeeping“ titelte jüngst die Gartenfachpresse ihren Bericht über den Imker-Trend, der sich vor allem in der Großstadt ausprägt. Interessanterweise sorgen immer mehr Frauen dafür, dass es summt und brummt und damit die eigenen Gemüse-, Obst- und Kräuteranpflanzungen den notwendigen Bienenbesuch bekommen. Heute seien schon zwölf Prozent der Imker Frauen, staunt sogar der Imkerverband, dem einst fast nur männliche Mitglieder angehörten.
Man mag über die neuen Honig-Macher lächeln, aber auch der Smoothie-Hype hat mal klein angefangen. Heute geistern „Rezepte für die Gesundheit gleich seitenweise durch das Internet. Da werden Gemüse, Kräuter und Obst nach Herzenslust gemischt und zerkleinert, frisch und gut gekühlt verzehrt. Passend dazu laden Koch-Zeitschriften für Vegetarier und Veganer zum „Traumurlaub auf Balkonien“, wo man mit Kräuteranbau, nachhaltigem Grillen und ökologischer Bepflanzung ein Ferienparadies anlegen könne. Als Einkaufsquellen für die dazu passenden Produkte werden interessanterweise überwiegend „grüne“ Internet-Anbieter genannt. Da hat der „normale“ Cookshop-Fachhandel wohl noch Nachholbedarf. Zumindest der „Spiralizer“, der als „gesundes Küchentool“ gehandelt wird und aus Gemüse wie Zucchini, Karotten, Gurken, Kürbis & Co Rohkost-Spaghetti Gebilde herausschneidet, ist hier oder dort schon im Programm. Jeder Trend gebiert eben sein spezielles Küchengerät.
In diesem Sinne die Augen aufzuhalten, dürfte sich lohnen. Denn Hanni Rützlers „Trend Report 2016“ sieht gerade für gesundes Essen Potenzial für die Food-Branche, was immer Auswirkungen auf die Nonfood-Branche hat. Ihre These: Der wachsende Wunsch nach halalen (arabisch für erlaubt), koscheren oder veganen Lebensmitteln hebt Food auf eine spirituelle Ebene: Essen werde zur Religion: „Gut und gesund sind Begriffe, die immer häufiger gemeinsam auftreten. Ihre Kombination markiert einen deutlichen Wandel in unserer Esskultur“, schreibt sie. Dabei sei es noch gar nicht so lange her, das gesund eher mit nicht so lecker assoziiert wurde. Im Wandel der Esskultur drücke sich die Sehnsucht vieler, vor allem auch jüngerer Konsumenten der Generation Y aus, „gesund“ und „gut“ im Essalltag integrieren zu können – mit je unterschiedlicher Gewichtung und Fokussierung sowie Motivation. Diese Sehnsucht spiegele sich nicht nur im Kochbuchboom wider: Laut BBC seien 2014 allein auf dem englischen Markt mehr als doppelt so viele „gesunde Kochbücher“ verkauft worden als in den Jahren davor. Und in Deutschland stellte sich im Mai 2015 das „Smartfood 1 x 1“ Magazin vor. Die Zeitschrift erscheint vierteljährlich und hat den anspruchsvollen Untertitel „Dein Lieblingsmagazin für compassionate food & lifestyle“. Die Lust auf gesund kommt laut Rützler außerdem vor allem in der wachsenden vegetabilen Vielfalt in der Gastronomie zum Ausdruck.

Anbau-Tipps und -Ideen für die Kräuterzucht waren ein Thema auf der Kölner Gartenmesse spoga+gafa 2015. Denn die Gartenbranche weiß: Mit Kräutern, da geht was (Foto: Kölnmesse spoga+gafa 2015)

Im Kräutergeschäft ist Zug drin

Zumindest der Smoothie-Trend, der ganz auf dieser Welle schwimmt, ist in der Cookshop-Branche voll angekommen. Diese weiß, dass insbesondere die grünen Varianten hoch im Kurs stehen, weil diese eiweiß-, mineralstoff- und vitaminreich sind. Und vor allem hier sind die Kassenzettel im Fachhandel der Beweis dafür, dass gesund und hochwertig bei der Auswahl für das richtige Werkzeug zusammen gehören. „Geräte unter 20.000 Umdrehungen sollte der Fachhandel gar nicht erst anbieten“, so eine Ernährungsberaterin mit Blick auf die Zerkleinerungs-Problematik bei bestimmten Gemüseblättern.
Fürs gesunde Ernähren machen sich immer mehr Deutsche zum Gärtner. In diesem Fall sind es die Gärtnereien, die von der Nachfrage der Neugärtner überrascht wurden. Weil Kräuter mittlerweile ein Must selbst auf dem kleinsten Balkon oder auf dem Fensterbrett der Küche sind, seien vor allem Gemüse- und Kräuter-Sorten für Verwendung in Hausgärten, auf Terrassen, in Blumenkübeln gefragt. Das Kräutersegment hat sich in den letzten zehn Jahren sogar zu einem bedeutsamen Umsatzträger entwickelt – und immer öfter fällt in Gärtnerkreisen das Wort „Boom“. Und Taspo, das Fachblatt für die „grüne Branche“ berichtet: „Kräutergeschäft – da ist Zug drin“. Die Züchter entwickeln bereits unter der Überschrift „Naschbalkon“ neue Pflanzvorschläge, bei denen essbare Blumen, Kräuter und/oder hängende Tomatenpflanzen zusammen kommen. Und Peter Botz, Geschäftsführer des Verbandes Deutscher Garten-Center (VDG) empfiehlt seiner Fachhandels-Klientel, die Kompetenz im Nutzgarten auszubauen.

Johann Lafer als Zugpferd

Noch nie sei die Bereitschaft der Verbraucher so hoch gewesen, sich mit Kräutern zu beschäftigen, unterstreicht die Fachpresse. Zurück zur teilweisen Selbstversorgung laute die Devise, was sich bereits in den Produktbeschreibungen für die Kräuterpflanzen niederschlägt: Diese werden zum Beispiel „für den sommerlichen Dip“ oder als „tolle Teepflanze“ angepriesen. Da wundert es nicht, wenn sich auch ein guter Bekannter der Cookshop-Szene zu Wort meldet. Für das Marketing der Kräuter-Marke „LaBio“ lässt sich Johann Lafer einspannen, und auf seiner eigenen Homepage macht der beliebte Sternekoch seinen Fans Mut, „zum Wohle einer gesunden und schmackhaften Ernährung“ einen eigenen Kräutergarten anzulegen. Übrigens seien viele Kräuter gleichzeitig perfekte Duftpflanzen und andere Kräuter werden als Heilkräuter verwendet, betont der beliebte Küchenchef. Seifen, Schnaps oder Tees sind weitere Endprodukte, für deren Zubereitung vom Branchen-Handel entsprechende Sortimentskompetenz und -zubehör aufgebaut werden könnte.
Die Tourismus-Industrie ist auf diesen Zug bereits aufgesprungen. So vermarktet sich zum Beispiel die Gemeinde Nagel im Westerwald als „Kräuterdorf“, das mit Veranstaltungen, Events und Festen sowie Kräuterwanderungen und Seminaren für Attraktivität, Besucherzahlen (Frequenz) und Umsatz sorgt. Im „Haus der Kräuter“ werden mit Gästen köstliche Kräutermenüs zubereitet und die Teilnehmer erhalten Tipps für die Anlage von eigenen Natur- und Kräutergärten.
Übrigens zeichnet sich der nächste Selbermachen-Trend bereits ab: Die Schokoladenwelle bekommt neue Nahrung, seitdem Genuss- und Gesundheitsfreaks die unbehandelte Natur-Kakaobohne entdeckt haben. Selbstverständlich ist diese gesünder und selbstverständlich viel leckerer, wie man hört.
Eva Barth-Gillhaus, Kom:pakt

Auch Singles genießen gern gesund. Unter anderem die „Küchenminis“ setzten darauf. Denn sie stehen für gesunde und schonende Zubereitung und tragen den aktuellen Ernährungstrends Rechnung. So wurden die WMF Küchenminis in ihrer zweiten Generation unter anderem ergänzt um einen „Salat-to-go“, den „Vitalis E Dampfgarer“ und eine Handkaffeemühle (Foto: WMF)

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