(R)eine Männersache

Küchenhelden

Dass Männer mit Hingabe und Leidenschaft kochen und backen, hat sich längst rumgesprochen. Wodurch wird diese Leidenschaft entfacht, gibt es einen Unterschied zu Frauen in der Küche und wie wichtig ist den Männern Technik in ihrem Kochtempel? Wir fragten zwei Männer, die es wissen müssen: die Foodblogger Kai Brückner von der modernen Topfologie und Jörg Huber von zungenzirkus.de

Wie kommt der Mann in die Küche – was hat bei Ihnen die Leidenschaft zum Kochen bzw. Backen entfacht?
Ein wirklich einschlägiges Erlebnis gibt es nicht! Das Werkeln in der Küche gehört schon immer zu meinen Leidenschaften, wobei es mir vor allem das Backen angetan hat. Anfangs nur für mich, später dann für unser kleines Seminarhaus steigerte sich die Intensität und der eigene Anspruch. Mit dem Zungenzirkus hat dieses Hobby dann nochmal einen höheren Stellenwert eingenommen. Es ist ein fester Bestandteil meines Lebens! In der Küche kann ich abschalten, gelegentlich auch aufbrausen, in jedem Fall aber kreativ sein.


Gibt es Ihrer Meinung nach einen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Küche?
Überträgt man diese Frage auf die klassische Familienkonstellation gibt es da schon Unterschiede. Frauen, die jeden Tag kochen, um die Familie satt zu kriegen, arbeiten in der Küche meist pragmatischer, weil sie es aus einer Notwendigkeit heraus machen. Die modernen Ehemänner von heute trifft man meist am Wochenende in der Küche an, wo sie Gramm genau die ausgefallensten Gerichte zaubern (möchten). Hierfür benötigen sie aber auch die größten, neuesten und PS-stärksten Küchenmaschinen, bei denen die Ehefrauen meist nur mit den Augen rollen. Prinzipiell ist es aber egal, ob Mann oder Frau vorm Herd steht, denn die Leidenschaft und Liebe für gutes Essen ist geschlechtsunabhängig!


Wie wichtig ist Ihnen moderne Küchentechnologie?
Eigentlich gar nicht so wichtig. Ich denke, das man auch mit wenig Schnickschnack gute Ergebnisse erzielen kann. Allerdings bin ich auch nur ein Mann, und Männer lieben nun einmal Technik! Ich stelle da keine Ausnahme dar. Gelegentlich gönnt man sich so ein High-Tech-Spielzeug. Nicht zwingend weil man es braucht, sondern einfach nur, weil es Spaß bringt!
Ansonsten bin ich eher genügsam, wobei ich meine Küchenmaschine nicht mehr hergeben würde. Das wurde mir kürzlich wieder bewusst, als ich Eischnee mit der Hand schlagen musste. An dieser Stelle ein Lob an den Fortschritt!

Jörg Huber, zungenzirkus.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haben Sie ein Lieblingsprodukt, auf das Sie in der Küche nicht mehr verzichten wollen?
So banal das jetzt klingen mag, der Löffel ist mein wichtigstes Küchenuntensil. Verglichen mit Messer und Gabel habe ich ihn in dreifacher Menge, weswegen die Besteckschublade schon an ihre Grenzen kommt. Ich bin der Meinung, Löffel kann man nie genug haben, weil sie so vielseitig einsetzbar sind. Mit ihm kann man umrühren, schaufeln und abmessen. Doch am allerwichtigsten: Mit dem Löffel kann man der schönsten Tätigkeit in der Küche nachgehen, dem Abschmecken! Allein für diesen Arbeitsschritt, der in meinen Augen der wichtigste ist, benötige ich schon die Hälfte des Löffelvorrates.
www.zungenzirkus.de

 

Wie kommt der Mann in die Küche – was hat bei Ihnen die Leidenschaft zum Kochen bzw. Backen entfacht?
Wie wohl fast alle Männer meiner Generation bin ich in die Küche gekommen, weil mich meine Großmutter und Mutter dorthin geholt haben. In der Küche zu helfen, war für uns Kinder selbstverständlich – und ich fand das auch gut. Ich hab‘ schon immer gerne Essenszutaten klein geschnitten und in Töpfen gerührt. So richtig entfacht wurde meine Leidenschaft für gutes Essen dann bei einer Rucksack-Wandertour durch die Toscana von Florenz im Norden bis zur südlichen Grenze der Region. Anschließend war klar: So wie in der italienischen Küche gekocht wird, so will ich zu Hause auch kochen. Basta!


Gibt es Ihrer Meinung nach einen Unterschied zwischen Männern und Frauen in der Küche?
Ja, würde ich sagen. Ich zum Beispiel gehe oft sehr strukturiert und „verkopft“ an ein Gericht heran. Überspitzt formuliert: Jede Lebensmittelkomponente wird vorab genau festgelegt, jede Zutat auf das Milligramm genau gewogen, jeder Arbeitsschritt minutengenau bestimmt und innerhalb einer Zubereitungsreihenfolge im Rezept fixiert. Meine Frau hingegen arbeitet in der Küche intuitiver, mehr aus dem Bauch heraus, mehr vom Rezept entfernt.

Wie wichtig ist Ihnen moderne Küchentechnologie?
Werfe ich immer mal wieder einen Blick drauf, man will ja informiert bleiben, aber allzu viel Technologie ist in meiner Küche nicht zu finden. Allein schon deshalb, weil die mit knapp zehn Quadratmetern viel zu klein für viel Küchen-Equipment ist.
Der Hauptgrund ist aber: Beim Kochen schätze ich die handwerkliche, die haptische und sinnliche Komponente. Ich mag es, mein Gemüse mit dem Messer klein zu schneiden, deshalb jage ich es nicht durch einen elektronischen Häcksler. Ich mag es, meinen Pizza- oder Pasta­teig mit den Händen zu kneten, deshalb schalte ich die Rührmaschine eher selten an.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Haben Sie ein Lieblingsprodukt, auf das Sie in der Küche nicht mehr verzichten wollen?
Stumpfe Messer schmälern das Vergnügen am Zubereiten der Speisen beträchtlich. Völlig unverzichtbar sind deshalb scharfe Messer. Meinen kleinen Satz japanischer Küchenmesser – bestehend aus vier Hochos – hüte ich deshalb besonders. Ein starker Pürierstab leistet in der Küche auch gute Dienste. Ansonsten gilt: Gib mir eine Feuerstelle, einen Topf, ein scharfes Messer und Lebensmittel von bester Qualität – und schon kann das Kochen losgehen.
modernetopfologie.blogspot.de

Kai Brückner, modernetopfologie.blogspot.de

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