Ergonomie

Ultramoderne Funktionalität

Neben der offenen, kommunikativen und hochwertig eingerichteten Küche ist heute auch ergonomische Funktionalität im Küchenbereich gefragter denn je. Dabei kommen innovative Komponenten mit großem Aha-Effekt zum Einsatz.

Vielfältige Entlastung: Logisches Vorgehen und große Auszüge sind gefragt (Fotonachweis: AMK e.V.)

Das hätte sich Wojciech Jastrzebowski vor 160 Jahren wahrscheinlich nicht träumen lassen: Im Jahr 1857 hatte der polnische Naturwissenschaftler in einer Denkschrift die Grundzüge der Ergonomie als „Lehre über die Arbeit“ formuliert und damit die Basis für die Wissenschaft und Praxisanwendungen rund um ein menschengerechteres Arbeitsumfeld gelegt. Mit Hilfe der „Wissenschaft von der Gesetzmäßigkeit der Arbeit“ sollen unkomplizierte und körperschonende Produkte und Lösungen und Strukturen entwickelt werden und sich die Rahmenbedingungen an den Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.
Nachdem entsprechende Industrienormen den Alltag der Menschen zu Hause, am Arbeitsplatz und im öffentlichen Leben verbessert und zum Beispiel die Anbieter von Küchen die funktionalen, technischen und auch kostengünstigen Vorteile ihrer Ausstattung stets hervorgehoben haben, wird nun in der Branche das ergonomische Bewusstsein für innovative Details geschärft.

So informieren große Spezialanbieter auf ihren Internetseiten, wie man eine ergonomische Küche richtig plant. „Damit Sie reibungslos und komfortabel in Ihrer Küche arbeiten können, sind die Arbeitshöhe und die Arbeitsrichtung, die Laufwege und die Beleuchtung von Bedeutung“, heißt es etwa bei KüchenQuelle mit vertiefend erläuterten Kriterien. Beim Mitbewerber Küche&Co dienen die hierzulande weit verbreiteten Rückenschmerzen und Bandscheibenleiden als wichtiges Kaufargument: „Mit der richtigen Planung Ihrer Küche, können Sie nicht nur Rücken oder Gelenke schonen, sondern auch Platz und Zeit sparen.“
Darüber hinaus reagieren vor allem lokale oder regionale Anbieter auf die in Deutschland immer stärker alternde Gesellschaft und einen körperlich chronisch beeinträchtigten Personenkreis. Ein Beispiel bildet der im Rheinland und in der Voreifel agierende Handels- und Tischlereibetrieb Möbel Herten. Das Langerweher Unternehmen bewirbt ausdrücklich sein individuelles Angebot an „barrierefreien Küchen“ und stellt flexible Lösungen für Rollstuhlfahrer und ihre körperlich nicht eingeschränkten Partner vor. Ebenso profitieren Senioren, die den Komfort im eigenen Heim bevorzugen.

 

Ergonomische Küche als zeitgemäßes Kaufargument: hilft bei Rückenschmerzen oder körperlicher Beeinträchtigung (Fotonachweis: AMK e.V.)

Echte Küchenprofis vermessen ihre Kunden am Beginn der Planungsphase (Fotonachweis: AMK e.V.)

Standard und Innovationen

In den modernen Küchen des Durchschnittsbürgers setzt sich aber auch schon dieser Mindeststandard an ergonomischen Ausstattungskomponenten durch: grifflose Küchenschränke mit spezieller manueller Beschlagtechnik, bei denen sich Schranktüren durch bloßes Antippen öffnen und Schubladen automatisch herausfahren, ein Backofen, Geschirrspüler oder Dampfgarer auf durchschnittlicher Brusthöhe sowie abgeschrägte Dunstabzugshauben.
Diese populären Details sorgen dafür, dass sich die Gerätschaften nicht nur bequemer bedienen, sondern auch leichter reinigen lassen und sich die Nutzer zudem nicht den Kopf oder andere Körperteile stoßen können. Zugleich entlasten die im Begleittext „Kleine Ergonomie-Kunde“ beschriebenen Hauptmerkmale vor allem den Rücken. Bei ultramodernen Küchen gehören gesundheitsschädliche Positionen genauso der Vergangenheit an wie das lästige Hineinkrabbeln in die Küchenunterschränke. Durch Vollauszüge fährt nämlich der komplette Inhalt bequem nach außen und ist leicht zu entnehmen. „Den Rücken sollten wir nämlich nicht erst schonen, wenn er schon schmerzt. Vielmehr sorgt eine moderne Küchenplanung dafür, dass er von früh an möglichst optimal entlastet wird“, betont Kirk Mangels, Geschäftsführer der Küchenhersteller-Arbeitsgemeinschaft Die Moderne Küche (AMK).

Flexible Kochinseln und kochende Wasserhähne

Dazu kommen nun weitere ausgefeilte Produktideen und Lösungen im Küchenbereich. Dazu zählen elektronisch verstellbare Arbeitshöhen, bei denen nicht nur die Höhe einzelner Arbeitsnischen und Tischflächen individuell, sondern für ganze Kochinseln regelbar ist. Das gilt zum Beispiel für das Ergomatic-System der dänisch-deutschen Kooperation des Antriebstechnik-Spezialisten Linak mit Sachsenküchen. Hier lässt sich die Kochinsel über die Hubtechnik im Küchensockel bis zu 20 Zentimeter in der Höhe verstellen. Die elektromotorischen Antriebe werden über ein integriertes Mini-Touchpanel oder per Funkschalter gesteuert und heben die komplette Insel mitsamt Schränken, Auszügen, Arbeitsflächen und Technikkomponenten mehrstufig an. 

Flexible Kochinsel im Vorher-Nachher-Vergleich: Hubsockel hebt Block komplett an (Fotonachweis: AMK e.V.)

Der aus Österreich stammende Konkurrent und Naturholzspezialist Team7 offeriert mit seiner K7-Küche eine stufenlos von 74 bis 114 Zentimeter höhenverstellbare Kochinsel, wobei hier die Arbeitsplatte mit integrierter Kochplatte, Spülbecken und den entsprechenden Anschlüssen so angehoben werden, dass ein offener Zwischenraum und somit gegebenenfalls eine zusätzliche Ablagefläche entsteht. „Unsere patentierte und weltweit einzigartige Hubtechnologie arbeitet dabei beinahe geräuschlos und ist wie unser gesamtes Küchensortiment GS-zertifiziert (Geprüfte Sicherheit)“, betont der Hersteller aus Ried im Innkreis.
Auch ein weiteres Detail mag Otto Normalverbraucher überraschen: Im kompetenten Fachhandel ist eine Vielfalt von Handbrausen für das Spülbecken erhältlich, die von schlichten Produkten über Ausführungen mit stufenlos verstellbarem Wasserstrahl bis hin zu Armaturen mit integriertem Wasserfilter und sogar mit kochendem Wasser reichen.

Qooker Flex: Kochend heißes Spaghetti-Wasser aus dem Wasserhahn (Fotonachweis: Quooker Deutschland GmbH)

Diese gewährleisten eine kurze, vitaminschonende Intensivreinigung etwa von Salat und Gemüse und gereinigtes Wasser oder bieten heißes Wasser für die klassische Zubereitung von Tee- oder Filterkaffee sowie von Nudeln oder Reis direkt aus dem Wasserhahn. Letztere Lösungen offeriert zum Beispiel der niederländische Hersteller Quooker, der sich als Erfinder des 100 Grad heißen und nach eigener Darstellung energie­effizienten Wasserhahns bezeichnet und seinen Deutschlandsitz in Düsseldorf hat, oder der deutsche Mitbewerber Grohe Vertrieb aus Porta Westfalica mit seinen Produktserien Minta Blue und Red.
An solchen Details hätte heute der Ergonomie-Pionier Wojciech Jastrz?bowski bestimmt seine Freude und der vielseitig begabte Wissenschaftler ein weiteres Anwendungsgebiet gefunden.
Arnd Westerdorf

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