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Ortloff in Köln

Mit der Übernahme von Ortloff steigt Soennecken erstmals in das Eigengeschäft mit privaten Endverbrauchern ein. Inzwischen ist die erste Umbau-Phase abgeschlossen. Wir sprachen mit Margit Becker, Geschäftsfeldleiterin Einzelhandel der Soennecken eG.

Bei Ortloff findet man auch ruhige, gemütliche Ecken

Als Soennecken am 1. Juni 2015 den PBS-Fachhändler Ortloff übernahm, war das eine Meldung die Furore machte. Zum ersten Mal in der Geschichte der Genossenschaft hatte man die Regie bei einem Einzelhändler übernommen. Mit dem 1923 gegründeten PBS-Traditionshaus standen nun 1.500 Quadratmeter Verkaufsfläche in bester Kölner Innenstadtlage einer erfolgreichen Nutzung zur Verfügung. Was die Genossenschaft gemeinsam mit dem Geschäftsführer von Ortloff, Chris Wauer, innerhalb eines Jahres geleistet hat, ist durchaus beachtlich. Die wirtschaftlichen Ziele wurden leicht übertroffen und der Bürofachhändler fügt sich optimal in Konzept und Strategie der Genossenschaft ein. „Die guten Ergebnisse bekräftigen uns in der Einschätzung, dass der Fachhandel in der Innenstadt Zukunft hat“, sagt Vorstandssprecher Dr. Benedikt Erdmann. „Investitionen in Qualität, Beratung und Kundennähe sind lohnende Investitionen.“  
Soennecken investiert nun weiter und hat begonnen, das Ortloff-Ladengeschäft umfangreich zu modernisieren. Der Umbau erfolgt in mehreren Abschnitten, so dass der Verkauf weiterlaufen kann. Umfassende Arbeiten im Untergeschoss wurden gerade abgeschlossen. Die komplette Neugestaltung wird Mitte 2017 fertig gestellt sein. Obwohl die ganzen Umbauarbeiten durchaus sichtbar waren, hat das aber die Kunden vom Besuch des Geschäftes nicht abgehalten.
Über mehrere Monate hatte Soennecken die Ortloff-Kunden befragt – nach ihrem Verhalten, ihren Bedürfnissen und ihren Wünschen bezüglich des Einkaufs. Mit den Erkenntnissen aus den Umfragen entwickelte die Genossenschaft ein Geschäftsmodell für Ortloff, das Positionierung, Zielgruppen, Rolle der Mitarbeiter, Sortimentsbausteine und on- und offline-Verzahnung festlegt. Im Fokus steht die Erhaltung und Steigerung der Qualität von Angebot und Beratung. Die neue Gestaltung der Räumlichkeiten orientiert sich an den Kundenbedürfnissen und bietet ihnen Angebot wie Atmosphäre, für die sich ein Besuch in der Innenstadt bezahlt macht.

Ortloff ist heute ein Schreibwarengeschäft und bleibt dies auch in Zukunft. Der besondere Fokus liegt dabei auf Papier, Schreiben und Malen

Wie man sich diesen Herausforderungen in Zeiten von boomendem Internethandel und rückläufiger Kundenfrequenz stellt, erklärte die Geschäftsfeldleiterin der Soennecken eG, Margit Becker gegenüber Trend&Style.

Vor über einem Jahr hat die Soennecken eG das Schreibwarengeschäft Ortloff in Köln übernommen und ist damit erstmals als Einzelhändler vor Ort aktiv geworden. Welches Fazit ziehen Sie?
<< Mit Ortloff ist uns der Kauf eines Unternehmens gelungen, das seit vielen Jahren seine Kompetenz und seine Expertise am Markt unter Beweis stellt. Wir haben somit in ein solides Unternehmen investiert, das für Fachkompetenz, Qualität und besondere Produkte steht. Dieses Profil werden wir weiter schärfen, sowohl mit Offline- als auch Online-Maßnahmen, um die Kundenfrequenz zu steigern. Denn leider erleben wir in Köln, genauso wie unsere Mitglieder in anderen Stadtgrößen, einen Kunden-Rückgang. Es ist daher äußerst wichtig, Lösungen zu finden, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken.
In unserer neuen Rolle als „Einzelhändler“ befinden wir uns daher in einem kontinuierlichen Lernprozess: Es ist ein großer Unterschied, ob wir bisher Themen in den Ladengeschäften theoretisch wussten oder jetzt hautnah erleben. Es fühlt sich nicht nur anders an, sondern verbessert auch das Verständnis für die Anforderungen unserer Händler. Das ist ein sehr spannender und wichtiger „Nebeneffekt“ für die gesamte Organisation.
Aber, um noch einmal auf Ihre Frage zurückzukommen, wir sind nach dem ersten – durchaus erfolgreichen – Jahr sehr zuversichtlich und haben großen Spaß daran, uns gemeinsam mit den Mitarbeitern in Köln den neuen Herausforderungen zu stellen. >>

 

Margit Becker, Soennecken

Ortloff in Köln liegt in bester Kölner Innenstadtlage

Es war vermutlich keine leichte Entscheidung, als Genossenschaft in den stationären Einzelhandel einzusteigen. Was waren die Beweggründe?
<< Unsere Entscheidung ist ein klares Bekenntnis zum Einzelhandel. Wir sind fest davon überzeugt, dass die Verbraucher auch in Zukunft den Wunsch haben werden, vor Ort einzukaufen. Das heißt aber nicht, dass Ladengschäfte so bleiben werden, wie sie heute sind. Diese Überzeugung hat uns angetrieben, neue Ideen in eigenen Geschäften auszuprobieren und die Reaktion der Kunden vor Ort zu erleben. Somit ist uns die Entscheidung für Ortloff natürlich sehr leicht gefallen – es war für uns eher ein Glückstreffer. >>

Welche Dinge mussten Sie nach der Übernahme verändern beziehungsweise festlegen?
<< Zunächst wurde eine aktuelle IT-Infrastruktur implementiert und die sich daran anschließenden Bereiche wie Kasse, Warenwirtschaft und Stammdaten optimiert. Natürlich haben wir die klassischen Prozessabläufe, das heißt den Warenfluss von der Einlistung bis zum Verkauf noch einmal genauer analysiert.
Grundsätzlich mussten grundlegende Entscheidungen über die zukünftige Ausrichtung von Ortloff und die damit verbundene Gestaltung des Ladengeschäftes getroffen werden. >>

Was ist heute das Besondere an Ortloff?  
<< Ortloff steht traditionell für Papierprodukte und Schreibgeräte in besonderer Qualität. Diese Alleinstellung werden wir in der Gestaltung des Erdgeschosses besonders betonen. Damit haben wir uns entschieden, dass Ortloff weiterhin ein Fachgeschäft bleibt und keine andersartige Vertriebsform. Wir werden aber moderne Elemente, wie zum Beispiel den Charakter eines Concept-Stores oder eines Pop-up Stores mit verwenden. >>

Welche Zielgruppe haben Sie bei der Zusammenstellung Ihrer Sortimente im Fokus?
<< Laut einer Kundenbefragung haben wir heute, Kunden mit mittlerem und gehobenem Einkommen, einen großen Anteil an Kunden, die älter als 50 Jahre sind, einen guten Anteil junger Frauen und tendenziell einen geringeren Anteil an Müttern. Daher wird es unser Ziel sein, den Anteil junger Frauen und Mütter zu steigern und die Kunden, die älter als 50 Jahre sind, zu pflegen. >>

Welche Vor- und Nachteile hat es als Genossenschaft, als Händler vor Ort aktiv zu werden?
<< Derzeit erleben wir am Beispiel Ortloff keine Nachteile durch die Rolle der Genossenschaft. Allerdings legen wir großen Wert darauf, dass die Entscheidungen bei Ortloff losgelöst sind von den politischen Themen der Genossenschaft.
Insgesamt haben wir aber einen klaren Vorteil in der Nutzung der Fachkompetenz in Sachen IT, kaufmännischen Themen und Personalmanagement. Unser Ziel ist es, anhand dieser Erfahrungen, Dienstleistungen für unsere Mitglieder zu entwickeln. Wenn diese Vorteile tatsächlich sinnvoll genutzt werden können, dann haben wir quasi einen doppelten Benefit durch die Erfahrungen mit Ortloff. >>

Was sind Ihre Pläne für das Jahr 2017?
<< Nach der erfolgreichen Umgestaltung des Untergeschosses, steht im neuen Jahr der Umbau des Erdgeschosses an. Darüber hinaus wird die stärkere Vermarktung der Sortimentsbereiche Schulranzen/Rücksäcke, Lederwaren und Künstlerbedarf im Fokus stehen. Ein weiterer großer Schwerpunkt wird der weitere Ausbau der Online-Kommunikation sein. Hier möchten wir als Online-Plattform noch erfolgreicher und besser vernetzt sein. >>

Bei Ortloff kann auch nach Herzenslust ausprobiert werden

Natürliche Materialien herrschen auch bei der neuen Kassenzone vor

Neue Impulse: Chris Wauer, Geschäftsführer von Ortloff

Könnten Sie sich vorstellen, weitere Geschäfte zu übernehmen?
<< Grundsätzlich gehen wir davon aus, dass zwei bis drei Standorte wünschenswert wären, um die unterschiedlichen Profile unserer Händler in eigenen Geschäften besser kennenzulernen. Kurzfristig ist aber erst einmal kein weiterer Standort geplant. Wenn es aber so weit sein sollte, sind wir durch die Erfahrungen, die wir durch Ortloff gesammelt haben, bestens gerüstet. >>
www.ortloff-koeln.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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