Maker Kultur

Mach Dein eigenes Ding!

Selbstgemachtes statt Großproduktion, Individualität statt Massenware – die Maker-Bewegung findet auch in Deutschland immer mehr Anhänger. Denn „Mach Dein eigenes Ding!“ ist heute angesagt.

Upcycling und mehr: Ein Projekt aus dem Buch „Klein und fein. Wohndeko selbstgemacht“ vom Christophorus Verlag

Handarbeiten, Basteln und Bauen sind keine neuen Tätigkeiten, aber gerade in den letzten Jahren wurde diese Bewegung immer stärker und wichtiger. Angetrieben wird dieser Trend von verschiedenen Faktoren. Da ist zum einen die Massenproduktion, die uns ständig mit einer Welle gleicher Produkte überschwemmt, so dass die Wertigkeit von diesen verloren gegangen ist. Deshalb sehnen wir uns nach dem Besonderen, dem Einzigartigen, dem Individuellen. Dann arbeiten heute viele am Computer und die wenigsten müssen noch etwas mit der Hand erschaffen. Wir vermissen das selber Gestalten mit unseren Händen, das anfassbare Ergebnis am Ende des Tages.

DIY-Projekte

Es braucht nicht viel, um seinem Zuhause mit kleinen Akzenten eine ganz besondere, individuelle Note zu verleihen, aber manches Mal ist eine Inspirationsquelle dafür oder Einweisung in eine neue Technik doch wichtig und auch praktisch. Das Buch „Klein und fein. Wohndeko selbstgemacht“ vom Christophorus Verlag bietet eine Vielzahl kreativer DIY-Ideen für die ganze Wohnung, modern oder verspielt, in knalligen oder gedeckten Farben, aus unterschiedlichen Werkstoffen, wie Papier, Stoff, Kork, Draht, Holz oder Beton, in verschiedensten Techniken. Dieses Buch wird mit seinen kleinen und feinen Deko-Ideen zu einer Fundgrube an Inspirationen und schönen Projekten für erfahrene und auch unerfahrene Selbermacher, die ihre eigenen vier Wände gern mit liebevoll selbstgemachten Details aufpeppen möchten. Das können originelle Mobiles, praktische Aufbewahrungsmöglichkeiten oder kleine Dekorationen zum Hinstellen sein. Immer mehr Menschen erfüllt es, wenn sie mit selber erschaffenen Werken neue Statements in ihrem Zuhause setzen, eine kreative Wohlfühlatmosphäre Daheim erschaffen oder durch neue Projekte einfach ihren Alltag bereichern können – es gibt viele Gründe, warum DIY ein ganz besonderes Lebensgefühl mit sich bringt.

Online-Schule

Durch die Einführung des Internets ist viel einfacher geworden, alte und auch ausgefallene Techniken zu erlernen. Auf YouTube gibt es hausgemachte Anleitungen zu allen möglichen Themen. Im Internet findet ein reger Austausch statt in Communities und Foren. Da wird Hilfe geleistet, Tipps werden gegeben, Ideen besprochen und per Bild geteilt. Wer es professioneller möchte, der wird bei der deutschen Plattform „Makerist“ fündig – eine Handarbeitsschule für Anfänger und Fortgeschrittene im Internet mit ausführlichen Lernvideos rund ums Nähen, Stricken, Häkeln, Torten dekorieren und andere kreative Bereiche. Über 50 Trainer, allesamt ausgebildete Mode-, Torten- und Textildesigner, lehren dabei alles, was Handmade-Herzen höher schlagen lässt. Der Christophorus Verlag bietet Makerist DVDs mit Anleitungen an, damit jeder zum Nähprofi werden kann. Makerist setzt sich im Übrigen zusammen aus maker und artist und steht für die Kombination von Handgemachtem und Kreativität, aus der Einzigartiges entstehen kann.

Per Video handarbeiten: Makerist ist eine deutsche professionelle Handarbeitsschule im Internet

For a great crafternoon: The Makery bietet Nähkits an, wie eine Unterhose mit Polka Dots und süßer Kirschverzierung

DIY-Fertigpakete

Selbermachen ist eine tolle Sache, aber das Zusammensuchen der ganzen benötigten Bestandteile für eine neue Technik kann doch sehr zeitintensiv und nervig werden. Da ist es praktisch, dass es immer mehr Lösungsangebote gibt, die einem vor allem beim Einstieg das wichtigste Material liefern und mit ausführlicher Anleitung zur Seite stehen. So bietet Druckrausch auf DaWanda ein Textildruck-Set an. Dieses Schablonen-Kit enthält alles, was man braucht, um sein eigenes Druck-Unikat zu kreieren. Mit den Druckrausch-Schablonen lassen sich T-Shirts, Jutebeutel, Postkarten, Aufkleber und viele mehr einfach bedrucken. Das Motiv, das man sich dabei aussuchen kann, befindet sich auf einer hauchzarten aber stabilen Folie, die wunderschöne einfarbige Drucke ermöglicht. Das ist so leicht, dass nicht nur Erwachsene daran Spaß haben, sondern auch Kinder und Jugendliche. Eine ausführliche Druck- und Pflegeanleitung ist im Kit enthalten.

Es gibt auch immer mehr Nähbegeisterte, aber vor dem Zuschnitt haben viele Respekt. Ist das Teil erst einmal zugeschnitten, ist eine Korrektur nur noch schwer möglich, falls man mal wieder die Nahtzugabe vergessen hat oder das Ganze verrutscht ist. Bei den Nähpaketen von louloute_munich über DaWanda ist kein Geschnibbel mehr nötig, denn es beinhaltet das komplette Material bereits zugeschnitten und startklar, so dass man direkt mit dem Nähen starten kann. Eine Step-by-Step Nähanleitung mit Bildern führt zu erfolgreichen Ergebnissen. So hat Claire Massieu von louloute_munich mit an dem Buch „Taschen nähen“ von GU gearbeitet und ihre Sets bieten das passende Material zu einigen der Nähanleitungen. Taschen kann Frau einfach nie genug haben und eine selbst genähte Tasche bringt noch viel mehr Freude mit sich.

Druckreif: Mit dem Textildruck-Set von Druckrausch über DaWanda kann man mit dem Drucken sofort loslegen

Auch die österreichische Firma Cosmetic Kitchen setzt auf DIY-Kosmetik

Handgerührt

Schon in den 80ern lernten wir in der Hobbythek, wie wir unsere Beautyprodukte selber herstellen können, und heute ist das Thema wieder top angesagt. Die englische Firma The Homemade Company bietet Sets an, um Badebomben selber zu machen, Handcreme oder einen Lippenbalsam in farblos oder Pearly Pink – alles unter dem Slogan „Make your own ...“. So beinhaltet das Lip Balm Set, das vier Tiegelchen ergibt, natürliches Bienenwachs, Kakaobutter, rosa Glimmerpulver, Holzrührer, ein Geschenkband, biologisch abbaubare Tüten und Etiketten. Benötigt wird nun noch Sonnenblumenöl und eine kleine Pfanne und schon kann es losgehen. Die Sets sind geeignet ab acht Jahren, denn gerade jungen Mädchen macht das Selbermachen von Kosmetik einen Riesenspaß. Auch Cosmetic Kitchen aus Österreich setzt auf DIY Kosmetik. Im Angebot finden sich da für Anfänger Starterboxen für Bodylotion, Duschgel, Badekugeln und Seifen. So enthält die Bodylotion Starterbox 500 Milliliter Bodylotion auf veganer Basis, zwei Kosmetik Düfte zum selber beduften und zwei Kosmetik Farben, rot und grün, zum selber colorieren sowie als Utensilien Schneebesen, Teigschaber, Flexlöffel, Holzspachtel, eine halb Liter Rührschüssel und einen Tiegel zum Abfüllen der kreierten Lotion. Solche Sets hätten Jean Pütz bestimmt verzückt.

Wandgestaltung

Aber auch für ganz andere Bereichen gibt es mittlerweile DIY-Konzepte. So möchte die dänische Firma Wallz Copenhagen Schluss machen mit Einheitswänden. Deren Designkonzept bietet eine unendliche Möglichkeit, seine Wände selber mit einem Motiv oder Muster zu gestalten. In einem Paket von Wallz befinden sich 800 selbstklebende Schaumgummi-Quadrate in schwarz oder grau in der Größe 25 mal 25 mal 8 Millimeter, die leicht an der Wand haften, auch wenn diese etwas uneben ist. Die beiliegende Gebrauchsanleitung enthält verschiedene Motiv-Vorschläge zum nachbauen, wie eine City-Skyline, die Weltkarte oder einen Fingerabdruck; aber natürlich kann man auch sein eigenes Motiv frei gestalten. Ganz wunderbar ist, dass die Elemente aus EVA-Schaum nach Abnehmen noch bis zehn Mal wieder verklebt werden können, so dass man seine Gestaltung ändern kann, wenn man keine Lust mehr auf sein Motiv hat. Eine tolle Idee für individuelle Wandgestaltungen.

Kreative Wandgestaltung mit den Wallz Copenhagen Schaumstoff-Plättchen

Keksbotschaften: Customisable Cookie Stamper von Suck UK über dfp design

Individuelle Leuchten

Aufgefädelte Perlen waren die Inspiration für das Leuchten-Konzept Candyofnie von fatboy. Acht unterschiedliche Formen sind in elf Farben erhältlich und alles ist miteinander kombinierbar. Man kann frei wählen, wie viele unterschiedliche Formen und Farben die Candys haben sollen und auch die Elementen-Anzahl und die Länge der Leuchte ist wählbar. Somit bietet dieser Lichtspender zahllose Kombinationsmöglichkeiten und Billionen von Optionen, was in diesem Fall wörtlich zu nehmen ist. Candyofnie bietet so viele Möglichkeiten, dass jede eigene Kreation vermutlich ein echtes Unikat ist – individuell so gestaltet, wie der Kunde seine Leuchte gerne möchte.

Kreativer Tisch

Die Firma eatsleepdoodle aus UK bietet textile Produkte zum Gestalten an. So zeigt sich die Tischdecke dort in schlichtem Millimeterpapier-Muster, das zu kreativer Gestaltung einlädt. Dazu werden spezielle Filzstifte mitgeliefert, deren Farbe auswaschbar ist. So wird nun jedes Treffen am Tisch zum kreativen Mal- oder Tic-Tac-Toe-Event. Wenn kein Platz mehr zum Bemalen ist oder einem die Kreation nicht mehr gefällt, wird die Tischdecke einfach in die Waschmaschine gesteckt, um wieder eine saubere Malgrundlage zu erhalten. Auch das Essen auf dem Tisch bekommt eine individuell gestempelte Note. Stempel zum selber setzen des Textes aus Einzelbuchstaben sind nicht neu und auch Keks-Stempel haben bereits unsere Haushalte erobert. Wie wäre es nun, beides quasi miteinander zu kombinieren. Suck UK hat Keksstempel heraus gebracht, bei denen man mit Einzelbuchstaben individuelle Texte setzen kann, um so Kekse mit Name, Wünschen oder was auch immer backen zu können – essbare Keks-Botschaften sozusagen.

 

Maker Plattformen

Manche Macher suchen reale oder virtuelle Orte, um ihre Produkte zu zeigen. So gibt es seit 2013 die „Maker Faire“, die zum ersten Mal 2006 in Kalifornien stattfand, auch in Hannover, Dortmund, Berlin und am Bodensee. Eine Maker Faire ist mittlerweile ein wichtiger Ort für viele Kreative. Die Schwerpunkte liegen dabei auf Elektronik, Wearables, 3D-Druck, Handarbeit, Handwerk, Recycling/Upcycling und vielem mehr. Seit 2015 gibt es auch den „DIY Design Markt“ in Hamburg, Bamberg, Kassel, Paderborn und Köln und mindestens fünf weitere Städte sind geplant. Zahlreiche Künstler und Jung-Designer bieten dort handgefertigte Schmuckstücke, individuelle Kleidung, Accessoires, Leckereien und vieles mehr an – es gibt alles, nur keine Massenware. Es sprießen immer mehr solcher Veranstaltungen aus dem Boden und auch DaWanda, der Online-Marktplatz für Einzigartiges, Unikate und Selbstgemachtes, ist stetig am Wachsen. Aber auch im kleineren Format funktionieren solche Ausstellungen sehr gut. So bietet die Mayersche Buchhandlung in diesem Jahr an fünf Standorten eine Mini Make Faire an. Es lohnt sich darüber nachzudenken, wie man den DIY-Trend auch in seinem Geschäft spielen kann, sei es mit dem Anbieten von Produkten, die den Kunden einen kreativen Eingriff in den Designprozess erlauben, oder vielleicht sogar einer Ausstellung, in der die Kunden ihre Werke präsentieren können. Ein Ende des DIY-Booms ist noch nicht in Sicht und er birgt viel kommerzielles Potential.

TRENDagentur Gabriela Kaiser,
www.TRENDagentur.de

Waschbar: Eine immer wieder bemalbare Tischdecke gibt es bei eatsleepdoodle

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