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Trendseller

Goodshouse in Heidelberg

Der Megatrend Nachhaltigkeit ist im Handel nicht mehr wegzudenken. Doch Nachhaltigkeit im Handel so konsequent zu denken und auch umzusetzen, wie Nicola Mirus es in ihrem „Goodshouse“ in Heidelberg tut, ist immer noch die Ausnahme. Ein Einblick!

Im schön gestalteten Hinterhof erwartet die Kunden in einer Oase der Ruhe das Kaufhaus für Grünes Design „Goodshouse“

Wer Heidelberg kennt, weiß, dass die Fußgängerzone in der Altstadt zu einer der meistfrequentierten Einkaufstraßen in Deutschland gehört. Entsprechend quirlig geht es dort auch schon kurz nach dem Lockdown wieder zu. In der Hauptstraße 113a, mitten im Trubel macht ein großes Schild und ein Logo mit fliegendem Fisch auf eine Perle im Innenhof aufmerksam. Ein Durchgang – der ein wenig wie der Bahnsteig 9¾ aus Harry Potter anmutet, weil Eingeweihte zielstrebig darauf zugehen und Neulinge eher neugierig den Weg erkunden – führt in eine beschauliche Parallelwelt, abseits des geschäftigen Treibens. Die Hinterhof-Idylle gibt den perfekten Rahmen für das „Goodshouse“, einem Kaufhaus für grünes Design. Was der fliegende Fisch damit zu tun hat? Ganz einfach: „Auch scheinbar konträre Dinge beziehungweise Eigenschaften wie ein Fisch und das Fliegen, lassen gemeinsam etwas ganz Neues, Gutes entstehen“, erklärt Nicola Mirus, Inhaberin des grünen Design-Kaufhauses in der Heidelberger Innenstadt. Die Gegensätze, die sich hier nur scheinbar ausschließen, sind Nachhaltigkeit und Konsum. Mit ihrem Konzept, nur fair produzierte, ökologische, umwelt- und tierfreundlich hergestellte Produkte anzubieten, die gleichzeitig ihrem hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht werden und bezahlbar sind, erntete sie am Anfang genauso viel Skespsis wie Zustimmung.

Authentisch

Gesundheitliche Gründe zwangen die Innenarchitektin vor sieben Jahren zu einem Neuanfang, weil die damals selbstständige Unternehmerin in ihrem ursprünglichen Beruf nicht mehr arbeiten konnte. „Was kann ich, was ist mir wichtig und was berührt mich?“, fragte sich die sympathische Geschäftsfrau, „herausgekommen ist dann der Laden ...“, lächelt sie bei dem Gedanken. Privat waren Nachhaltigkeit, Fair Trade und Umweltschutz schon lange ein Thema, aber noch nicht so im Fokus, wie sie es heute sind. Ein Jahr lang wurde dann recherchiert, geplant „und auch viel gelernt“, räumt sie ein.

Nicola Mirus, Inhaberin und Geschäftsführerin des Goodshouse in Heidelberg, legt Wert auf Ästhetik und handelt konsequent nachhaltig. Die nachhaltigen Baumwolltaschen mit Logo- und Credo-Aufdruck sorgen für Aufmerksamkeit

Nachdem die Ladeneinrichtung entworfen und in Behindertenwerkstätten gebaut war, wurde im Jahr 2015 das Goodshouse eröffnet. Das Sortiment umfasst Kleidung, Kosmetik, Taschen, Schmuck, Heimtextilien, Küchen-Utensilien und Wohnaccessoires, sofern diese eine Funktion erfüllen wie beispielsweise Bilderrahmen. Unnötiges Beiwerk sucht man vergebens – getreu dem Motto „All you need is less“, das auch die nachhaltigen Biobaumwolltaschen ziert, die käuflich erworben werden können oder die es als Gratisbeigabe beim Kauf in Höhe eines bestimmten Warenwertes „draufzu“ gibt.
Gemeinsam ist allen Produkten, dass sie konsequent fair produziert wurden. Dazu zählt auch die Herkunft der Rohstoffe. Wolle vom Weltmarkt erfüllt die hohen Ansprüche an artgerechte Tierhaltung beispielsweise nicht und sofern Leder in den Regalen zu finden ist, handelt es sich ausschließlich um upgecyceltes Leder. Mit ihrer Extrarecherche gehe sie den Herstellern manchmal auf die Nerven, räumt die Geschäftsführerin schmunzelnd ein.

Aber der Aufwand und die Konsequenz sind essenziell, denn die Kunden verlassen sich auf ihre Expertise, wenn sie im Goodshouse einkaufen. Das sei schließlich der Service und USP, den sie biete und dafür braucht es Vertrauen, Greenwashing ist keine Option.
Neben der Herkunft und artgerechter Tierhaltung müssen faire Arbeitsbedingungen möglichst kurze Transportwege und nachhaltige Produktion gewährleistet sein, bevor Produkte in das Sortiment aufgenommen werden. Nicola Mirus selbst verlässt sich mittlerweile auf Label wie „Gots“ und „Fair Wear“, die sehr hohe Ansprüche stellen, bevor sie Produkte zertifizieren. Abstriche macht die Unternehmerin ganz selten und nur, wenn Firmen oder Projekte ganz am Anfang stehen, die Anforderungen aber richtig einschätzen und an der Umsetzung arbeiten. Damit möchte sie Unterstützung und einen Beitrag für eine nachhaltige Wirtschaft leisten.
Ihre Produkte findet sie auf Messen und immer wieder auf Reisen. Zum Portfolio gehören neben vielen anderen Chic Mic, Riess, Eyd und Side by Side.

Kosmetik und Kleidung gehören zu den Topsellern im Goodshouse. Darüber hinaus sind design­orientierte, alltagstaugliche Dinge die Essenz des Stores

Das kuratierte Sortiment, kreative Produktpräsentationen und eine schöne Aussicht in den Innenhof sorgen für eine entschleunigte Wohlfühl-Atmosphäre, die zum Stöbern einlädt

Ästhetisch

Weil sich der grüne Markt in den vergangenen sechs Jahren immer weiter entwickelt hat, kommen viele Hersteller und Firmen jetzt auch direkt in das Geschäft, um ihre Produkte vorzustellen. Die Nachfrage ist eindeutig da. Die skeptischen Stimmen der Anfangsjahre sind verstummt. Es gibt Unternehmen, die schon als kleine Start-Ups mit einer Handvoll Produkte von Anfang an im Goodshouse dabei waren und jetzt eine doppelt so große Range anbieten. Mitzuerleben wie die grüne Community wächst, Teil dieser Bewegung zu sein, motiviert die Kauffrau täglich aufs Neue. Aber nicht nur die pros­perierenden Unternehmen auf Lieferantenseite, auch die Wertschätzung von Kundenseite ist ein großer Ansporn.
„Jeden Tag sind Kunden da, die die Schönheit der Produkte und Räumlichkeiten in ihrer Gesamtheit anerkennen und dieses Feedback ist so wichtig!“, schwärmt sie. Denn für die Innenarchitektin ist Design das A und O und fügt an „Wenn es nicht schön und sexy ist, dann interessiert es niemanden! Wir haben nur gut designte Produkte in unserem Laden.“ Schließlich gehe es nicht darum, die Leute zu erziehen oder mit erhobenem Zeigefinger nachhaltigen Konsum anzumahnen. Es geht um Aufklärung und das auch nur, wenn die Menschen offen da. Wenn Nicola Mirus und ihre sieben Mitarbeiterinnen Sätze wie „Oh das ja schön und sogar nachhaltig und es ist ja gar nicht teuer“, hören – was häufig vorkommt – haben sie alles richtig gemacht.

www.goodshouse-heidelberg.de

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