ZWEI MAGAZINE - EINE WELT

Self Checkout

Kontaktlos & mobil bezahlen

Was sich international schon durchgesetzt hat, scheint nun durch die Pandemie auch in Deutschland einen großen Schub zu erhalten: Nicht nur bargeldloses Bezahlen wird immer stärker genutzt, auch mobile Bezahlfunktionen via Smartphone sind auf dem Vormarsch und der Kunde muss dank „Scan & Go“ nicht mehr an der Kasse anstehen.

Ikea bietet den Kunden die Möglichkeit an Self-Checkout Kassen selbst die Artikel zu scannen und kontaktlos zu bezahlen

Digitale Lösungen, kontaktloses Bezahlen und Self-Checkout gewinnen in Zeiten der Pandemie an Bedeutung und Akzeptanz. Im stationären deutschen Einzelhandel wurden 2020 mehr als die Hälfte der Umsätze mit Kartenzahlung getätigt. Insgesamt hat der stationäre Handel rund fünf Prozentpunkte bei der Barzahlung verloren, nur noch 41,2 Prozent der Umsätze wurden bar getätigt (2019 waren es noch 46,5 Prozent). Horst Rüter, Payment-Experte & Geschäftsleitung EHI (EHI Retail Institute ist ein Forschungs- und Beratungsinstitut für den Handel und seine Partner) ist überzeugt, dass sich dieser Trend in den nächsten Jahren fortsetzen werde. Dabei stehen Sicherheit, Geschwindigkeit, Convinience und Mobilität im Vordergrund.
Gemessen am Einzelhandelsumsatz hat die Girocard mit rund 40 Prozent den größten Anteil und gut acht Prozent werden, laut einer EHI Corona Sondererhebung, mit Kreditkarte bezahlt. Ebenfalls auf dem Vormarsch sind mobile Bezahlfunktionen via Smartphone. Das Angebot an mobilen Bezahl-Apps für das Smartphone hat in den vergangenen zwei Jahren in Deutschland zugenommen und es gibt viele Anbieter.

„Gegenüber 2018 nutzen mehr Verbraucher und Verbraucherinnen eine oder mehrere Apps, um an der Kasse zu bezahlen“, kommentiert EHI-Projektleiterin Caroline Coelsch das Ergebnis einer EHI-Verbraucherbefragung. Rund 38 Prozent der Befragten stehen dem Bezahlen mit dem Smartphone im Jahr 2020 aufgeschlossen gegenüber und rund 17 Prozent nutzten diese bereits. Sie sind der Meinung, dass das Bezahlen mit dem Smartphone schneller, einfacher und moderner ist und ihnen eine gute Alternative zu den bestehenden Zahlungsarten bietet. Die Bezahl-Apps funktionieren entweder kontaktlos über eine NFC-Schnittstelle (zum Beispiel Apple Pay oder Google Pay), oder via Bar- oder QR-Code (zum Beispiel Bluecode und Payback Pay). Die Apps, die am häufigsten genutzt wurden, stammen von Anbietern wie Apple Pay, PayPal, Payback Pay und Google Pay, die alle einen starken Markennamen haben und zusätzliche Mehrwertfunktionen – etwa das Sammeln von Treuepunkten – oder einen Omnichannel-Ansatz bieten.

Das Bezahlen per Smartphone wird immer beliebter

62 Prozent der Befragten konnten sich allerdings mit dem Thema noch nicht anfreunden. Hier gibt es vor allem um Bedenken bei den Themen Sicherheit, Datenschutz und bei der Notwendigkeit persönliche Daten in den Bezahl-Apps zu hinterlegen.
Die Mehrheit der Verbraucher, die bereits mit mobilen Apps bezahlen, nutzt diese selektiv für bestimmte Einkäufe. Nur fünf Prozent der Befragten haben angegeben, dass sie mit den Bezahl-Apps alle ihre Einkäufe bezahlen. 60 Prozent hingegen bezahlen „ein paar“ Einkäufe, also immer mal wieder, mit dem Smartphone. Das verdeutlicht, dass mobile Bezahl-Apps größtenteils zusätzlich zu anderen Zahlungsarten verwendet werden. Verbraucher wünschen sich jedoch noch mehr Aufklärung von den Zahlungsdienstleistern und verständliche Informationen zum Thema Datenschutz und Sicherheit beim mobilen Zahlen. Momentan ist das am Point of Sale einfacher zu handhaben als im Online-Shop. Doch auch beim E-Commerce versuchten derzeit viele Händler mobile Bezahlfunktionen zu integrieren, weil der Omni-Chanel-Gedanke umgesetzt werden solle, meint EHI-Expertin für mobile Zahlsysteme Caroline Coelsch.

Decathlon bietet in einigen Filialen neben Self-Checkout auch vermehrt Scan & Go an

Kontaktlos Bezahlen

Fast zwei Drittel der befragten Verbraucher haben angegeben, dass sich ihr Bezahlverhalten aufgrund der Corona-Pandemie verändert hat. Aus der Stichprobe gehen die Girocard (kontaktlos und gesteckt mit PIN) und die Kontaktlos-Funktion der Kreditkarte als klare Gewinner hervor, die während der Corona-Pandemie verstärkt genutzt wurden.

Self-Checkout

Daneben wächst in Deutschland die Zahl der Selbstbedienungskassen rasant. Schon vor der Pandamie verdoppelte sich die Anzahl der Geschäfte, die Self-Checkout zur Verfügung stellen. Seit Ausbruch der Pandemie verbarrikadieren sich die Kassierer hinter Plexiglasscheiben oder Plastikvorhängen.

Auf Schildern wird zum bargeldlosen Bezahlen aufgefordert, um jeglichen Kontakt zu vermeiden. Immer mehr Läden setzen auf Lösungen, bei denen der Kunde seine Einkäufe selbst erfasst und bezahlt. Diese reichen von Selbstscanner-Kassen am Ausgang (stationär installiertes Self Checkout) bis hin zu ortsunabhängigen Varianten, bei denen der Kunde direkt am Regal seine Waren mit einem Mobilgerät erfasst (mobiles Self Scanning). Dadurch können Mitarbeiter von der Kasse abgezogen und für die Kundenberatung eingesetzt werden, was die Zufriedenheit erhöht. Läden, die komplett auf Self-Checkout oder Self-Scanning setzen, dürften in Deutschland zunächst die Ausnahme bleiben. Es wird jedoch immer mehr Geschäfte mit einer „Zwitter-­Lösung“ geben, in denen sowohl klassische Kassen mit Kassierer zum Einsatz kommen als auch Selbstkassierlösungen. Neben Rewe oder Global bieten auch Ikea, Saturn und Zara den Kunden die Möglichkeit, an Selbstbedienungskassen ihren Einkauf selbst abzuscannen und direkt zu bezahlen. Der Lebensmittelhändler tegut... hält Self-Scanning Geräte am Eingang bereit, mit denen die Kunden dann durch die Regale gehen und am Ende nur noch rasch alle selbst gescannten Produkte am Self-Checkout bezahlen.

Beim Lebensmittelhändler tegut… aus Fulda gehört Scan & Go zum Alltag

Bei dem französischen Sportartikelhersteller Decathlon gibt es neben Self-Checkout in einigen Filialen seit 2019 die Möglichkeit des Scan & Go. Dabei kann der Kunde, nachdem er die entsprechende App heruntergeladen hat, alle Produkte bequem mit dem eigenen Handy scannen und direkt mobil bezahlen. Auch das Warenhaus Globus erweitert die Möglichkeit des Self-Scanning-Services um eine mobile Version. Globus-Kunden können in den saarländischen Globus-Märkten die mobile Version von „Scan & Go“ über die „Mein Globus“-App nutzen. Ein Rollout in weitere Märkte soll zeitnah folgen.
„Der Trend zum Self-Scanning erfreut sich bei unseren Kunden steigender Beliebtheit, weshalb wir die Funktion um eine mobile Version in unserer ,Mein Globus‘-App ergänzt haben“, sagt Daniel Richter, Leiter Multichannel bei Globus. „Der Prozess ist ähnlich wie bisher mit dem Handscanner, nur dass unsere Kunden statt der Scanner bequem ihr eigenes Smartphone nutzen können. Am Check-out lässt sich richtig Zeit sparen, da man die Artikel nicht mehr aufs Band legen muss. Die Bezahlung ist neben den klassischen Zahlarten auch über die App mit Google Pay, Apple Pay und Bluecode möglich.“

Globus-Kunden können fortan direkt über die „Mein Globus“-App mit dem eigenen Smartphone ihre Produkte scannen

In gewisser Weise hat die Pandemie die Digitalisierung im stationären Einzelhandel weiter beflügelt. Kunden die zuvor mit Click & Collect nichts anzufangen wussten, haben diesen Service zu schätzen gelernt und fleißig genutzt. Auch Themen wie Cloud und Künstliche Intelligenz gewinnen im Handel an Bedeutung. Scan & Go treibt zudem die Entwicklung der autonomen Stores voran, die rund um die Uhr geöffnet haben. Intelligente Läden wie Amazon Go in den USA oder die X-Marts von JD in China gehen noch deutlich weiter und verzichten komplett auf das Scannen der Produkte. Stattdessen geschieht die Erfassung der Einkäufe beispielsweise über Sensoren, Kameras und künstliche Intelligenz komplett im Hintergrund. Schnelleres Auschecken bedeutet einen erheblichen Wettbewerbsvorteil gegenüber Läden mit Warteschlangen. Die durch solche Lösungen gewonnenen nutzer- und warenbezogenen Daten helfen Händlern dabei, ihr Sortiment, Ladendesign und Verständnis der eigenen Kunden zu verbessern. Diese Entwicklung wird sich in den nächsten Jahren noch verstärken.
Quelle: www.ehi.org

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