ZWEI MAGAZINE - EINE WELT

Yeah Baby!

Im Rausch der Farben!

Die siebziger Jahre waren kulturell geprägt vom Discofieber, das aus den USA nach Deutschland schwappte und extrem schrille modische Kreise nach sich zog. Den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen trotzte man mit leuchtenden Farben, extravaganten Mustern sowie einem neuen Lifestyle. Ein bisschen davon ist zurück. Yeah!

Swing Tapete mit Querstreifen www.gmm-berlin.com / Psychedelische Muster aus Ghana www.lolaandmawu.com / 70er PiepEi www.brainstream.de / Retro Wecker www.coffeeandcloth.co.uk / Sitzkissen „17 stories“ www.wayfair.co.uk

Angepasst zu sein, war in den 70er Jahren komplett out. Man zeigte sich kritisch und das in jeder Hinsicht. Wirtschaftlich beherrschten zwei Ölpreiskrisen und der langsam endende Nachkriegsboom dieses aufregende und von Umbrüchen geprägte Jahrzehnt. Es veränderte sich nicht nur das Konsumverhalten, sondern auch die Lebensumstände. Man suchte seinen eigenen Weg, jenseits des Establishments. Jugendliche strebten nach der freien Liebe, der grenzenlosen Erweiterung des Bewusstseins und einer neuen politischen Wahrhaftigkeit. Man lebte kritisch, diskutierte heftig und feierte unbändig in den neu gegründeten Kommunen oder Wohngemeinschaften. Dieses neue Lebensgefühl drückt sich auch in der Mode aus: Schlaghosen, Plateausohlen, Blumenkleider, Miniröcke und Hotpants sind ebenso salonfähig wie Kordhosen, Rollkragenpullover und Pullunder.
Überdimensionierte Kotelleten bei den Männern und auftoupierte Frisuren bei den Frauen runden den Look ab. In Sachen Accessoires wurde auch geklotzt und nicht gekleckert. Riesige Kreolen, Anhänger mit Peace-Zeichen oder bunte Armreifen bei den Frauen und Hornbrillen bei den Männern waren echte Hingucker. In dieser Zeit wurde auch das Stricken und Häkeln salonfähig und zwar nicht nur für die Frauen, sondern auch für die Männer. Es entstanden Pullis, Röcke, Mützen und Socken, aber darüber hinaus erlebte der selbst gestrickte beziehungsweise gehäkelte Bikini einen Hype. Die Handarbeitshefte mit den Strick- und Häkelvorlagen aus dieser Zeit sind weiterhin beliebt und für Freaks im Umlauf. 

Freddie Mercury Neon Poster www.limelace.co.uk

Schlüsselanhänger www.tovisorga.com / Telefon im Retro-Look www.YellowOctopus.com.au / Poster „Funk“ www.mintandmay.co.uk

Let‘s dance!

Die Musik spielt in den siebziger Jahren eine fundamentale Rolle und war genauso schillernd wie das Leben und die Mode. Nachdem sich 1970 die Beatles auflösten und damit eine Ära zu Ende ging, eroberte ab 1974 die Diskomusik das Musikgeschehen und entwickelte sich zu einem eigenen, neuen Genre. Wie man sich dazu zu bewegen hatte, zeigte der so einzigartige Auftritt John Travoltas in „Saturday night fever“.
So eroberten nicht nur die Bee Gees, Abba, Queen, Donna Sommer, Boney M., Elton John, The Rolling Stones, sondern auch Pink Floyd, Led Zeppelin, David Bowie oder ACDC beziehungsweise Hannes Wader, Wolf Biermann oder Reinhard Mey die Musik-Charts mit einem unglaublich breiten Spektrum an Beats. Es glich einer wahren musikalischen Revolution, deren Protagonisten die Musikszene teilweise über Generationen hinweg bis in die Gegenwart hinein mit ihren Songs prägten.

Art Print mit individualisierter LP www.rocketjack.co.uk / Kissen im floralen Retrolook www.annabeljames.co.uk / Spardose Retro Radio www.danato.com / Silberne Peace-Hand www.audenza.com / Keramiktasse www.giselagraham.co.uk

Das neue Wohnen

Fancy wurde es auch im Bereich Wohnen: Die Farben Orange, Gelb, Braun, Türkis oder Rot fluteten die Zimmer und mischten sich zu immer neuen schrillen Mustern und Formationen. Es war eine junge Generation, die sich durch ihren ausgefallenen Wohnstil bewusst von ihren Eltern absetzen wollte. 1974 eröffnete die erste Ikea-Filiale in München. Die erschwinglichen und funktionalen Möbel eroberten schnell die Studentenwohnungen beziehungsweise alternativen Wohnkonzepte. Sie wurden mit ausgefallenen bunten Tapeten, dem legendären Flokati, der blubbernden Lavalampe oder schrägen Schaumstoffsesseln kombiniert. Das Räucherstäbchen bekam seinen Auftritt und bunte Prilblumen eroberten die Küchen.

Sessel „Doris“ www.made.com

Serie Loukia aus Aluminiumwww.kaheku.com / Stylische Stehlampe in Kupfer www.cultfurniture.com / Vase „Bubbla“ www.abodeliving.co.uk

Holzgarage mit Schlüsselanhänger VW Bus Samba www.thedesigngiftshop.com / Retro Basket in Blau und Mint www.sunjellies.com (Vertrieb Deutschland über agentur-berg@t-online.de)

Das Revival

Die Siebziger waren eine schräge, bunte und politisch aktive Zeit. Die Jugend stellte zunehmend die Werte ihrer Eltern in Frage und formierte sich zur Gegenbewegungen. Man engagierte sich in der Anti-Atomkraft- oder in der Friedensbewegung und forderte mehr persönliche Freiheit. Vieles mag dem jungen Leser, der die siebziger Jahre nur vom Hörensagen kennt, bekannt vorkommen. Vielleicht ist es genau dieses Aufbegehren für die Umwelt und bessere Lebensbedignungen, welche ein Revival der Siebziger und ihrer Ideale nach sich zieht.
Heute findet man in Anlehnung an das Zeitalter der Diskomusik nicht nur das Kissen „Groovy“ oder das Poster „Funk“, sondern auch den Art Print mit personalisierbarer Vinyl-Platte oder ein Neon-Poster des unsterblich bleibenden Freddie Mercury von Queen. Das „70er PiepEi“ spielt „Kung Fu Fighting“ für perfekte Weicheier, „YMCA“ für perfekt gekochte mittelweiche Eier und „It’s a Heartache“ für perfekt hart gekochte Eier und sorgt damit für Party-Time in der Küche. Natürlich darf der passende Eierbecher von Kitchencraft nicht fehlen. Wer dann noch aus einer stilechten Tasse mit siebziger Jahre Muster, wie der von Gisela Graham trinkt, sich eine Prilblume an die Kacheln klebt oder die fancy Retro-Körbe von Sun Jellies im Einsatz hat, sollte sich ein wenig „back to the seventies“ fühlen.
In Form einer Spardose taucht bei Danato auch das Retro-Radio wieder auf und gesellt sich zu dem Retro-Wecker von Coffee & Cloth oder einem voll funktionstüchtigen Retro-Telefon mit Wählscheibe Yellow Octopus.
Natürlich darf die Lavalampe nicht fehlen. Wem das „too much“ ist, der kann auch auf ein zeitloses Modell aus Kufper von Cult Furniture oder die hippe Stehlampe Scofield in Dunkelrot zurückgreifen.

Bei den Möbeln findet man ausladene Ohrensessel in leuchtendem Orange neben quietschgelben Sitzkissen und einer absolut schrägen Kommode von Sweetpea & Willow, deren blasenförmige Dekoelemente – die man auch bei der Vase „Bubbla“ findet – den Zeitgeist trafen und offensichtlich immer noch treffen.
Natürlich dürfen in Anlehnung an die Siebziger psychedelische Muster nicht fehlen. Die außergewöhnliche Zusammenstellung von Farbflächen findet man nicht nur auf der Tapete „Swing“ mit Querstreifen, sondern auch auf einem Kissen aus Ghana. Während bei der Tapete Braun-Orange und Beige-Töne neuen Schwung bekommen, bilden auf dem Kissen Gelb-Braun- und Rot-Töne kaleidoskopartige Formen. Auch Blumenmuster waren ein beherrschendes Stilmittel der siebziger Jahre, wie man auf dem grauen Leinenkissen von Annabel James sieht.
Wer es noch auffälliger möchte, der sollte zu den farbenfrohen Schlüsselanhängern in Blitzform von Tovi Sorga greifen oder in Form eines Bullis mit Holzgarage. Hier werden wir an eine Zeit erinnert, in der sich der VW Bus zum begehrten Kultobjekt mauserte. Diese Begeisterung erfährt gerade ein Revival, wie sich unter dem Hashtag #vanlife bei Instagram unschwer verfolgen lässt.
All diese Produkte haben nicht nur ihren besonderen dekorativen Reiz, sondern verströmen einen Hauch der Aufbruchsstimmung der siebziger Jahre. Natürlich darf in diesem Zusammenhang auch das Symbol der Friedensbewegung nicht fehlen. Denn mit den ausgestrecken Zeige- und Mittelfingern der Peace-Hand von Audenza hat man eine klare und vollkommen zeitlose Aussage: Make love no war!

Kissen und Lavalampe www.redcandy.co.uk / Jonathan Adler Globo Cabinet www.sweetpeaandwillow.com

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