···Home ··· News ··· Prognosen und Herausforderungen für Branchenmärkte

Prognosen und Herausforderungen für Branchenmärkte

11. Dezember 2019, 10:52

Branchenperformance

Der Gesamtmarkt, dem neben dem klassischen DIY-Kernmarkt der Bau- und Gartenfachmärkte, Fachmärkten und Kleinbetriebsformen alle weiteren Verwandten Betriebsformen wie Fachhandel und Handwerk angehören, wächst zwar eher moderat, wird aber mit 247,9 Milliarden Euro deutlich mit 1,4 Prozent im Plus prognostiziert. Den klassischen Bau- und Gartenmärkten sagt Teipel ein Umsatzplus von 3,2 Prozent voraus und deckt sich dabei fast vollständig mit der erweiterten BHB-Umsatzprognose von drei Prozent. Dies bedeutet auch, dass die Bau- und Heimwerkermärkte erstmal seit Jahren wieder deutlich über Marktniveau agieren, ihr Anteil am Kernmarkt liegt auf einem Sechs-Jahres-Hoch.

Mit wachen Augen schaut die Branche immer besonders auf die Entwicklung der E-Commerce-Umsätze in den DIY-Kernsortimenten.: Er wird in Deutschland prognostiziert auf 59,6 Mrd. Euro steigen, ein Plus von 6,7 Prozent. Eine positive Entwicklung: Der Anteil der Baumärkte daran steigt auf erfreuliche 21,4 Prozent während die Pure-Online-Player bei 49,4 Prozent stagnieren.

Hausaufgaben für Händler

Gedämpft positiv setzte Teipel seine Prognose für 2020: Angesichts zunehmender konjunktureller Querschüsse durch Brexit, Handelskriege etc. schätzt er die Umsatzentwicklung auf rund plus 1,8 Prozent ein. Der Zuwachs im Online-Geschäft wird in der Branche abflachen – deshalb schrieb er den Bau- und Gartenfachmärkten vorrangig die Pflege der stationären Vertriebsformen, aber auch der Serviceangebote sowie klare Profilierungsmaßnahmen auf die To-Do-Liste.

Eine weniger zahlengetriebene, sondern eher strategische Einschätzung der Branchenentwicklung wagte Stephan Fetsch, Head of Retail beim Beratungsunternehmen KPMG. Bekannte Entwicklungen wie schwindende Heimwerkerkompetenz nachwachsender Generationen oder die abnehmenden Fähigkeiten einer alternden Gesellschaft positionieren
besonders den Sektor des Do-it-for-me viel besser als bislang. Zum Umfeld: Selbst konservative politische Entscheidungsträger sind heute weit mehr an Themen wie Nachhaltigkeit,
Klimawandel usw. ausgerichtet, die Parteiprogrammatik tendiere zu Beliebigkeit. Fetsch riet dem DIY-Handel, sich diesen beiden Szenarien in ihren Strategien intensiv zu widmen.

Sparring der Branche

Das Szenario Online gegen Offline – also E-Commerce gegen stationären Handel – ist so etwas wie das ewige Sparring der Branche. Und so kamen Nils Kernchen und Mateus Wiltjes von ManoMano im Boxer-Stil auf die Bühne, maßen sich im Pro und Contra – und sandten schlussendlich die Botschaft, dass sich alles doch ganz gut ergänzt. Doch was wird für den Endkunden morgen wichtig? Prof. Peter Wippermann stellte eine neue Studie seines Trendbüros vor, die das Living 2038 unter die Lupe nimmt. Mehr Singles und Paare in teuren urbanen Umgebungen brauchen Lösungen für kleine und kleinste Wohneinheiten. Dort halten sich die Menschen aber länger und öfter auf, denn soziale Beziehung werden zunehmend virtuell. Mehr als ein Viertel der Bevölkerung wird 2038 über 65 Jahre alt sein, aber Jugend wird mehr und mehr zur kulturellen Norm.

Der Massenmarkt wird dank Big Data und schnellen Kommunikationswegen immer ausdifferenzierter, Roboter werden im Alltag helfen. Aber – und dies ist die große Hoffnungsfackel für die DIY-Branche: Es gibt auch die mentale Gegenbewegung. Entschleunigung wird zelebriert, man setzt auf Dinge, die man selbst gestaltet und repariert. Do-it-yourself wird also „grundsätzlich“.

Kommunikationsfaktor

Kommunikation bekommt in Zeiten von schnellen Shitstorms und viralen Videos auch für die Branchenunternehmen zunehmend Bedeutung. Dazu hatte der BHB zwei sehr unterschiedlich aufgestellte Expertenteams eingeladen, die in ihren Zielgruppen echte Best-Practices erreicht haben. Den Anfang machten Bettina Formen, stellvertretende  Verlagsleiterin der Bild-Gruppe und Frank Ochse, der den Leser-Dialog ebendort verantwortet. Sie zeigten Beispiele aus DIY-orientierten Kampagnen und Leserstammtischen. Ihr Credo: Echtes Feedback statt Marktforschung ermöglich ein Agieren hautnah an der Zielgruppe.

Dr. Martell Beck, Marketingchef der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), brachte die Kongressteilnehmer mit einem der unterhaltsamsten Vorträge ebenso zum Lachen wie zum
Nachdenken. Er hatte für die BVG, die oft in letzten Jahren in der Kritik stand, eine witzige wie reichweitenstarke Imagekampagne angestoßen – quasi Berliner Schnauze 2.0. Dadurch ließ sich das Image der gescholtenen Verkehrsbetriebe nicht nur nachhaltig verbessern, die BVG hat nun echte „Fans“.

Richtiger Kanalmix

Um Fans und Gegner ging es auch in der Gesprächsrunde mit Marktforscher Jonas Lang (2HMforum), Alexander Kremer (Inhaber Kremer Naturtalente) und Markus Dulle (Geschäftsführer 3e-AG. Angesichts steigender Online-Konkurrenz: Wie soll der richtige Kanalmix künftig aussehen? Für Alexander Kremer eine Frage der eigenen Positionierung: „Es geht hier um die innere Haltung. Wenn ich für mein Unternehmen beantworten kann, wer ich bin und was ich kann, dann weiß auch auch, wie und womit ich Nutzen stiften kann“. Markus Dulle riet, nicht die eigenen Traditionen zu vergessen: Die Fans (=Kunden) bekommen ihr Einkaufserlebnis in der Branche immer noch am stärksten im stationären Handel.
EDRA-Präsident und OBI-CEO Sergio Giroldi ließ es sich zum Abschluss des Auftakt-Tages natürlich ebenfalls nicht nehmen, den BHB-Kongressteilnehmern ein internationales Grußwort zu überbringen. Dies in Form eines Appells an alle Branchenakteure, sich der „Mission Nachhaltigkeit“ anzuschließen und mit dem Bewusstsein zu handeln, nicht „Produkte zu verkaufen, sondern Menschen zu befähigen“ – dies erst mache die moderne Form des DIYHandels zukunftsfähig.

Sympathieträger

Tag 2 des Baumarktkongresses 2019 startete mit einem echten „Typen“ – Holger Stanislawski. Tag 2 des Baumarktkongresses 2019 startete mit einem echten „Typen“ – Holger Stanislawski hat es als Fußball-Trainer, meist beim FC St. Pauli, zum Kultstatus gebracht. Unkonventionell beschreibt den Sympathieträger, der mittlerweile Inhaber eines großen Rewe-Marktes ist, wohl am Besten – und so berichtete er, mit welch fröhlichen wie schrägen Events er Kunden auf die Fläche holt und bindet.

Fröhlich war auch das entscheidende Stichwort für Dr. Oliver Haas. Sein Ansatz- und auch sein Unternehmen – heißt Corporate Happiness. Dass Mitarbeiter entscheidender Faktor bei der Unternehmensentwicklung sind, ist bekannt – aber wie man sie durch Wertschätzung, Übertragung von Verantwortung und Sinnstiftung so motiviert, dass wirklich erstaunliche
Wachstumszahlen entstehen, darüber berichtete er dem Kongress.

Ein- und Überblicke

Die Weitläufigkeit der Rhein-Main-Congress-Centrums in Wiesbaden konnten die Teilnehmer des BHB-Kongresses am zweiten Tage komplett ausnutzen. Der BHB bat zur Teilnahme am DIYversum – in insgesamt 13 Breakout-Sessions gab es kurze und effektive Informationseinheiten in nahezu allen Trendthemen der Branche. Das Angebot der Experten-Sessions reicht dabei von technologiegeprägten Themen wie Voice Assistants, Algorithmen gegen Kassenbetrug, Digitaler Baustoffe-Commerce, digitale POS-Tools oder künstliche Intelligenz beim Pricing. Weitere Themen waren strategisch geprägt: Mitarbeiter standen beim „New Work“ im Vordergrund, Experten erklärten Besucherstromanalysen, Trend-Vorausschauen oder Marketingtrends. Die DIY-Academy stellte ihren Ansatz vor, anhand von Content-Strategien, professionellen Heimwerkerkursen und E-Learning Mitarbeiterkompetenz zu erhöhen und Kunden zu begeistern.

Ein fast besinnliches Schlusswort gab‘s von Bestseller-Autor Jan Weiler, der bei seinen zahlreichen Aufenthalten in heißgeliebter Baumarkt-Szenerie so manche Ungereimtheiten
festgestellt hatte, die er den schmunzelnden Teilnehmern mit auf den Heimweg gab. Eine besondere Veranstaltung, konnte auch Moderator und BHB-Hauptgeschäftsführer Dr. Peter Wüst resümieren: „Mit dem 20. Kongress ist es uns gelungen, die wichtigsten Themen für die Weiterentwicklung der Branche in den Fokus zu bringen, Innovationen zu zeigen und
vor allem auch den Blick über den Tellerrand zu wagen. Dies haben die Teilnehmer bereits deutlich im Feedback unserer Kongress-App bestätigt und uns darin bestärkt, diese Mischung auch bei künftigen Veranstaltungen weiter auszureizen“.

Der nächste BHB-Kongress findet am 3. und 4. Dezember 2020 in Bonn statt. 

 

 

www.bhb.org/

Leinen los!

Die besten Fanggründe liegen nicht im Meer – sondern auf trendwelten.eu

Im Trendwelten Newsletter winken die Top News & Trends der Konsumgütermärkte.

Ich stimme zu, dass ich 14-tägig den Newsletter von Trend&Style zum Thema Trends erhalte.
Ich kann meine Einwilligung jederzeit kostenfrei für die Zukunft per E-Mail an info@goeller-verlag.de widerrufen.

Detaillierte Informationen zum Umgang mit Ihren Daten finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.