IVSH: Aufwind trotz Bürokratie
Die Unternehmen der deutschen Schneid- und Haushaltwarenindustrie blicken wieder etwas zuversichtlicher in die Zukunft. Nach der deutlichen Eintrübung im zweiten Quartal erwarten im dritten Quartal 42,5 Prozent der befragten Unternehmen steigende Gesamtumsätze in den kommenden zwölf Monaten. 40 Prozent rechnen mit einer stabilen Entwicklung, lediglich 17,5 Prozent erwarten einen Rückgang. Grundlage des aktuellen IVSH-Situations- und Tendenzberichtes sind die Antworten von 2/3 der IVSH-Mitgliedunternehmen.
Die gegenwärtige Geschäftslage bleibt allerdings verhalten: Insgesamt bewerten 22,5 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut, 60 Prozent als mittelmäßig und 17,5 Prozent als schlecht. Im Inland liegen positive und negative Einschätzungen mit 30 beziehungsweise 32,5 Prozent nahezu gleichauf.
Auftragseingänge stabilisieren sich
Auch bei den Auftragseingängen deutet sich eine Stabilisierung an. Insgesamt melden 37,5 Prozent der Unternehmen gegenüber dem Vorjahr steigende Auftragseingänge, 35 Prozent keine Veränderung und 27,5 Prozent einen Rückgang. Im zweiten Quartal hatten noch 42 Prozent einen Rückgang und nur 27 Prozent eine Zunahme gemeldet.
Das Inland bleibt jedoch uneinheitlich: Jeweils 37,5 Prozent berichten von steigenden beziehungsweise rückläufigen Auftragseingängen. Im EU-Ausland fällt das Bild stabiler aus. Dort melden 37,5 Prozent steigende und lediglich 22,5 Prozent rückläufige Aufträge.
Bürokratie wird zur größten Herausforderung
Trotz des etwas besseren Ausblicks bleibt der wirtschaftliche Druck hoch. 85 Prozent der Unternehmen nennen zunehmende bürokratische Belastungen als Herausforderung für die kommenden zwölf Monate. Damit liegt die Bürokratie erstmals vor den steigenden Rohstoffpreisen, die von 80 Prozent genannt werden. In diesem Zusammenhang verweist der IVSH auch auf seinen Bürokratiemonitor. Es folgen steigende Energiekosten mit 57,5 Prozent, rückläufige Aufträge mit 40 Prozent und der Fachkräftemangel mit 32,5 Prozent.
Im zweiten Quartal hatten 76 Prozent Bürokratie und 79 Prozent Rohstoffpreise als zentrale Belastungen genannt. Der Vergleich zeigt: Die Auftrags- und Umsatzerwartungen hellen sich auf, der strukturelle Kosten- und Regulierungsdruck nimmt jedoch nicht ab.
Hinzu kommt eine wachsende Preissensibilität der Kunden. 80 Prozent der Unternehmen beobachten einen stärkeren Fokus auf das Preis-Leistungs-Verhältnis. Im zweiten Quartal waren es 73 Prozent, im ersten Quartal rund 68 Prozent. Steigende Kosten treffen damit auf immer geringere Möglichkeiten, diese über höhere Preise weiterzugeben.
„Nach dem schwierigen zweiten Quartal sehen wir wieder mehr Zuversicht. 42,5 Prozent unserer Unternehmen erwarten steigende Umsätze, und auch bei den Auftragseingängen überwiegen wieder die positiven Meldungen. Das ist ein wichtiges Signal, aber noch keine Entwarnung“, sagt Jan-Frederik Kremer, Geschäftsführer des IVSH.
„Besonders besorgniserregend ist, dass inzwischen 85 Prozent der Unternehmen die zunehmende Bürokratie als zentrale Herausforderung nennen. Wenn gleichzeitig Rohstoff- und Energiekosten hoch bleiben und die Kunden stärker auf den Preis achten, geraten Margen und Investitionsspiel-räume unter Druck. Die Unternehmen brauchen deshalb nicht immer neue Nachweispflichten, sondern wettbewerbsfähige Standortkosten, spürbare Vereinfachungen und faire Wettbewerbsbedingungen – dafür setzen wir uns nachdrücklich in Brüssel und Berlin ein.“
Investitionsbereitschaft bleibt hoch
Trotz der Belastungen investieren die Unternehmen weiter in ihre Zukunft. 77,5 Prozent planen, ihre Digitalisierung und IT-Infrastruktur zu stärken. 50 Prozent wollen in neue Technologien oder Automatisierung investieren, 32,5 Prozent in Mitarbeiterqualifizierung und Weiterbildung sowie 25 Prozent in Nachhaltigkeit und Energieeffizienz. Nur 12,5 Prozent planen keine Investitionen.
Auch beim Beschäftigungsausblick zeigt sich ein ausgeglichenes Bild: 45 Prozent erwarten im kommenden Jahr stabile Beschäftigtenzahlen. Jeweils 27,5 Prozent rechnen mit einer Zu- beziehungsweise Abnahme.
Der aktuelle Bericht zeigt damit eine vorsichtige Stabilisierung, aber noch keinen nachhaltigen Auf-schwung. Der IVSH fordert zügige Entlastungen bei Bürokratie, Energie- und Standortkosten sowie eine konsequente Durchsetzung bestehender Regeln gegenüber Importeuren und Anbietern auf digitalen Marktplätzen. Nur so kann aus der verbesserten Erwartung dauerhaftes Wachstum entstehen.

