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++ Coronavirus ++ Krise trifft vor allem Nonfood-Händler

16. März 2020, 10:44

In der HDE-Umfrage berichten fast zwei Drittel der Unternehmen aktuell von sinkender Nachfrage der Kunden aufgrund des Coronavirus. Der Einzelhandel ist damit massiv von Nachfrageausfällen betroffen. Ausnahme sind die Anbieter von Waren des täglichen Bedarfs, wie Lebensmittelhändler und Drogerien, die eine erhöhte Nachfrage nach einzelnen Produkten feststellen. Die negativen Effekte werden nach Einschätzung der Händler deutlich zunehmen. So rechnen für die kommenden Wochen drei Viertel der befragten Unternehmen mit einer sinkenden Nachfrage der Kunden, davon knapp die Hälfte mit deutlichen Rückgängen. Die nachfrageerhöhenden Effekte im Lebensmittelbereich dagegen werden eher nachlassen. Mit Ausnahme des Handels mit Waren des täglichen Bedarfs sprechen die Einzelhandelsunternehmen überwiegend von sinkenden Kundenfrequenzen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten spürt sogar deutlich sinkende Kundenzahlen.

Kurzarbeitergeld und Weiteres

Um die wirtschaftlichen Folgen des Coronavirus abzufedern, fordert bereits heute schon ein Viertel der Handelsunternehmen Maßnahmen, um die Situation dauerhaft meistern zu können. Die vom Bundeskabinett bereits beschlossenen Maßnahmen sind daher laut HDE begrüßenswert. Insbesondere wird auch der Einzelhandel auf die Möglichkeiten von Kurzarbeitergeld angewiesen sein, das aber erst im April Wirkung entfalten könnte. Um kurzfristig die Liquidität der Handelsunternehmen, auch zum Erhalt von Arbeitsplätzen, zu unterstützen, sind konkrete Maßnahmen erforderlich, wie insbesondere die Stundung von Steuervorauszahlungen bei der Einkommensteuer, Körperschaftssteuer und Umsatzsteuer. Nicht nur dem (mittelständischen) Einzelhandel würden derartige Maßnahmen auch kurzfristig die notwendige Luft zum Atmen verschaffen, um parallel auch Anpassungsmaßnahmen und Maßnahmen zur mittel- bis langfristigen Finanzierung einzuleiten und umzusetzen.

Mit dem Erhalt der Unternehmen und der Arbeitsplätze steht auch die Versorgungssicherheit für die Bevölkerung im Vordergrund. Mit ernstzunehmenden Lieferschwierigkeiten hat der Einzelhandel derzeit jedoch noch nicht zu kämpfen. Der HDE-Umfrage nach sehen die Handelsunternehmen überwiegend nur geringe Einschränkungen bei der Beschaffung von Waren. 41 Prozent der Befragten sind nach eigener Einschätzung bisher nicht betroffen, die Hälfte spricht von geringen Einschränkungen. Lediglich neun Prozent haben mit deutlichen Beschaffungsproblemen zu tun. Diese Lage allerdings könnte sich in den kommenden Wochen verschlechtern. Für die bevorstehenden vier Wochen erwartet dann ein knappes Drittel der befragten Händler deutliche Einschränkungen auf der Beschaffungsseite.

LEH – Kritische Infrastruktur

Der HDE versichert dagegen, dass die Versorgung mit Lebensmitteln gewährleistet ist und dementiert Gerüchte über eingeschränkte Öffnungszeiten im Lebensmittelhandel. Wegen der stark erhöhten Kundennachfrage ist die größte Herausforderung die Warenlogistik. Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE) sieht die Versorgung der deutschen Verbraucher gewährleistet: „Es gibt genügend Produkte am Markt. Bei dem einen oder anderen Produkt werden sich dennoch Engpässe vorübergehend nicht vermeiden lassen“, so Genth und verwies auf die stark erhöhte Nachfrage und damit verbundene Anforderungen an die Lieferlogistik. Er appellierte deshalb an die Verbraucherinnen und Verbraucher weiterhin bedarfsgerecht einzukaufen.

Damit die Handelsunternehmen die Ware bei erhöhter Nachfrage weiterhin möglichst rasch aus den Lagern in die Regale bringen können, hatten die Bundesländer das Sonntagsfahrverbot für LKW gelockert und Ausnahmegenehmigungen für Sonntagsarbeit in Logistik und Warendistribution ermöglicht. Zudem gehört der Lebensmittelhandel zur kritischen Infrastruktur, so dass Mitarbeiter/innen die Notbetreuung ihrer Kinder bei der Schließung von Kitas und Schulen nutzen dürfen. „Diese Maßnahmen unterstützen die Handelsunternehmen dabei, die Belieferung der Geschäfte und die Versorgung der Bevölkerung auch bei einer weiteren Ausbreitung des Coronavirus zu gewährleisten“, so HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth.

Katastrophenfall ausgerufen

Derweil hat Bayern am Montagvormittag den Katastrophenfall ausgerufen. Das bedeutet einen Bündel von Maßnahmen, die das öffentliche Leben im Freistaat empfindlich einschränken,aber auch den Publikumsverkehr entzerren sollen. Um die Grundversorgung mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Produkten sicherzustellen, weitet das Bundeland die Ladenöffnungszeiten für bestimmte Geschäfte aus: Supermärkte, Lebensmittelgeschäfte, Drogerien, Apotheken, Tankstellen, Banken und einige weitere Geschäfte dürfen werktags bis 22.00 Uhr öffnen und auch sonntags geöffnet haben, dann von 12.00 bis 18.00 Uhr. Gleichzeitig appellierte Ministerpräsident Markus Söder an die Bürger, verantwortungsbewusst zu handeln beim Einkaufen: „Überlegen Sie genau, was Sie einkaufen sollen und was nicht.“ Im südlichen Freistaat hatten sich am Montagmorgen teils lange Menschenschlangen vor den Supermärkten gebildet. 

einzelhandel.de/

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