Marktforscher sehen genug Potenzial im Thermomix-Bereich
In einem Artikel für die Publikation „Wirtschaftswoche Online“ äußert sich You Gov Deutschland Marketingchef Philipp Schneider verwundert sowohl über die Entscheidung als auch die Argumentation des deutschen Herstellers. Demnach legen „speziell die Thermomix-Kunden überdurchschnittlich viel Wert darauf, Produkte aus Deutschland zu kaufen“, wie Daten aus dem You Gov Markenmonitor BrandIndex zeigen würden.
Argumentation widerlegt
Die Annahme des Wuppertaler Konzerns, der deutsche Markt sei bereits gut erschlossen oder wohl beinahe gesättigt, stellt Philipp Schneider auf den Prüfstand. Denn es bestehe sehr wohl noch Interesse am Thermomix: Aktuell würden immerhin acht Prozent aller Deutschen einen Kauf erwägen: „Mitteln wir den Verlauf seit Frühling 2017 etwas aus (seitdem listen wir den Thermomix im BrandIndex), zeigt sich: Das Interesse ist seitdem nahezu konstant geblieben. Hinzu kommt: Ein paar Millionen Deutsche haben den Thermomix erst in den vergangenen zwei Jahren kennengelernt – noch mehr kennen ihn aber immer noch nicht. Auch hier liegt für Vorwerk ein Potenzial. Denn, so banal es klingt: Nur, wer ein Produkt kennt, kann es kaufen.“
Dabei kritisiert der Experte, was auch einige Kunden bemängeln: Die allzu kurzfristige Einführung und mangelnde Kommunikation des neuen Thermomix-Modells „TM6“, die Kunden verärgerte, die kurz zuvor noch das ältere Modell „TM5“ gekauft haben. „Viele Menschen haben das als negative Schlagzeilen wahrgenommen, wie ein deutlicher Einbruch des Marken-Buzz zeigt, mit dem im BrandIndex gemessen wird, wie über eine Marke gesprochen wird. Im März fiel der Wert aus dem deutlichen positiven in den negativen Bereich. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass die Modell-Politik bei Kunden und Nicht-Kunden schlecht angekommen ist. Sie hat sogar beeinflusst, wie Thermomix-Kunden die Qualität des Gerätes wahrnehmen. Und die Weiterempfehlungsbereitschaft der aktuellen und ehemaligen Kunden ist für Thermomix-Verhältnisse zurzeit ebenfalls auf niedrigem Niveau“, heißt es in dem WiWo-Artikel.
Geeignete Stellschraube
Vor diesem Hintergrund sehen laut You Gov Deutschland immer mehr Kunden im Preis-Leistungs-Verhältnis eine Stellschraube für bessere Verkäufe. „Je besser das Preis-Leistungs-Verhältnis wahrgenommen wird, desto mehr Kunden hat ein Produkt beziehungsweise eine Marke. Das Besondere der Kategorie, in der wir Marken wie eben Thermomix sowie Bosch, Siemens, Braun, Krups, Senseo, Tefal und andere listen: Der Zusammenhang ist hier deutlich ausgeprägt. Steigt das wahrgenommene Preis-Leistungs-Verhältnis, bedeutet das überproportional mehr Kunden.“
Philipp Schneider schlägt in diesem Zusammenhang ein günstigeres Modell mit reduziertem Funktionsumfang und ein spezialisiertes Modell nur für Babynahrung vor: “ Dass Letzteres eine Idee sein könnte, zeigen nicht nur Kochbücher, die sich speziell dem Babybrei aus dem Thermomix widmen, sondern auch Daten aus dem Zielgruppen-Analyse-Tool YouGov Profiles: Unter den aktuellen und ehemaligen Thermomix-Kunden geben deutlich mehr Verbraucher an, ein oder mehrere Kinder unter 18 Jahren zu haben als die durchschnittliche Vergleichsgruppe.“ Zudem hätten 14 Prozent aller Deutschen und sogar 20 Prozent der Marken-Kenner, die Kindern unter 18 Jahren haben, den Thermomix auf dem Zettel. Man müsse ihnen nur noch ein Angebot machen, das sie nicht ablehnen könnten, resümiert Marktforscher Schneider.
Aus diesen Aussagen und Fakten ergibt sich für andere Hersteller und Einzelhändler dieses Fazit: Das Potenzial für höherwertige Multifunktionsgeräte ist bei einem gesunden Preis-Leistungsverhältnis und einer klaren Markenstrategie da.
