Experte rät Karstadt Kaufhof zu schlüssigem Konzept
Professor Gert Hessert lehrt Handelsmanagement an der Universität in Leipzig. Bis zum Jahr 2000 war er Manager im Karstadt-Konzern, zuletzt als Direktor für Immobilienentwicklung. Der Experte sieht in dem „Spiegel“-Interview keine andere Wahl für die einstigen Einzelhandels-Flaggschiffe, die angesichts der Online-Konkurrenz und der Marktmacht von Amazon keine großen Konkurrenten mehr untereinander seien: „Beide Unternehmen kommen um die Fusion nicht umhin, auch um notwendige Schritte wie etwa beim Onlinehandel nicht doppelt gehen zu müssen.“
Wirtschaftlicher Erfolg?
Abgesehen von Synergieeffekten beim Internetauftritt, in Verwaltung, Einkauf und Logistik spricht Gert Hessert die großen Schwächen beider Unternehmen, die eine gemeinsame Strategie nötig machten. Bei beiden Unternehmen stellt der Experte den wirtschaftlichen Erfolg in Frage, der beim Kaufhof durch die Zuordnung zum Europageschäft des Mutterkonzerns Hudson Bay intransparent sei und trotz der aktuellen Gewinnsituation bei Karstadt nur auf dem enormen Stellenabbau fuße.
Hessert sieht den Erfolg einzelner Filialen von der Größe, dem Sortiment und Erlebniswert abhängig: „Gerade für kleinere Standorte braucht es deshalb auch Konzepte abseits des klassischen Nahversorgers. Eine Verbindung mit einer großen Abholstation für Pakete in der Filiale wäre denkbar, auch um die Idee des Marktplatzes zu leben – die Filialen liegen ja meist in guten Lagen in den Städten.“ Zudem sieht er eine marktbeherrschende Stellung solcher Standorte nur noch bei wenigen Sortimenten wie zum Beispiel GPK (Glas, Porzellan, Keramik) und Wäsche. Bei Technik, Parfüm, Spielwaren und Kleidung gebe es längst andere Konkurrenten, die teilweise auch Marktführer seien, so der Handelsexperte.
Logisches Markendach
Bei einer möglichen Fusion rät Gert Hessert zu einem schlüssigen Marktauftritt, der alle Warenhausmarken unter einem Dach vereinigen würde und unter dem Label Galeria Kaufhof, Galeria Karstadt und Galeria Inno (in Belgien) firmieren könnte. Als vordringlichste Aufagbe sieht er aber bei einer möglichen Fusion beider Warenhausketten das Zusammenbringen der Unternehmenskulturen und der Internetplattformen: „Der Markt ist unerbittlich, viel Zeit, sich mit sich selbst zu beschäftigen, haben die Unternehmen nicht.“
Das „Spiegel Online“ Interview mit dem Titel „Kaufhäuser in der Krise – ‚Da hängt der gleiche Anzug zwei Jahre an der gleichen Stelle'“ ist unter dem angefügten Web-Link kostenlos nachzulesen (Stand vom Veröffentlichungstag).
