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Mehr Frequenz und Flächenvorteile bei Einkaufsmeilen
Donnerstag, 13.07.2017 | 07:00

Die Frankfurter Zeil hat sich den Spitzenplatz unter den frequenzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands zurückgeholt. Dagegen velor der Vorjahressieger Kölner Schildergasse deutlich an Boden. Weitere mitunter überraschende Entwicklungen skizziert die Jahresstudie des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (Jll).

Spitzenplatz und mehr Passanten

Die Frankfurter Zeil hat sich den Spitzenplatz unter den frequenzstärksten Einkaufsstraßen Deutschlands zurückgeholt. Mit 14.875 gezählten Besuchern pro Stunde zwischen den zentralen Plätzen Hauptwache und Konstablerwache setzte sich die Frankfurter Konsummeile mit mehr als 550 Passanten Vorsprung deutlich an die Tabellenspitze. Im vergangenen Jahr hatte sie mit 14.250 Passanten noch mit der Bronzemedaille vorlieb nehmen müssen. Der Vorjahressieger Kölner Schildergasse verlor hingegen deutlich von 16.835 Passanten im vergangenen Jahr auf diesmal 13.505 und musste sich auf Platz 4 einreihen.

Laut Insgesamt hat die Zahl der gemessenen Passanten in diesem Jahr erneut zugelegt – von 708.545 auf 722.780. Das sind mehr als 10.000 über dem Fünf-Jahres-Schnitt. Einen neuen Rekord stellte derweil München auf: Erstmals konnte eine Metropole mit drei Einkaufsstraßen unter den Top Ten landen. Die Kaufingerstraße (2. Platz/14.320 Passanten), die Neuhauser Straße (6. Platz/11.745 Passanten) und die Weinstraße (7. Platz/10.035 Passanten) lassen die bayrische Landeshauptstadt verschmerzen, dass es nicht ganz für den Spitzenplatz gereicht hat.

Weitere Gewinner und Verlierer

Zu den großen Gewinnern gehört derweil die Flinger Straße in der Düsseldorfer Altstadt, die mit 13.710 Passanten auf dem bundesweit dritten Platz landete – nach 8.035 Besuchern und dem 13. Platz im Vorjahr. Die Münchener Weinstraße machte derweil einen Satz von Platz 19 auf 7 und die Bremer Sögestraße mit 8.415 Passanten gar von Platz 45 auf 11.

Deutliche Einbußen hinnehmen musste hingegen die baustellengeplagte Düsseldorfer Schadowstraße, die von Rang 5 mit 12.365 Passanten auf Rang 10 mit 8.465 Passanten rutschte. Im Gegensatz zur konstant frequentierten Georgstraße musste die Hannoveraner Bahnhofstraße einen Dämpfer hinnehmen, verlor gar 17 Plätze und landete mit 6.495 Passanten nur noch auf Rang 25 nach Platz 8 im Vorjahr.

Konstant in den Top Ten liegen darüber hinaus die Hannoveraner Georgstraße auf Rang 5 mit 11.905 Personen, die Hamburger Mönckebergstraße mit 9.475 auf Rang 8 und der Dortmunder Westenhellweg mit 8.750 Passanten auf dem 9. Platz. Dortmund ist damit die einzige Stadt unter den Top 10, die nicht zu den klassischen Big 10 der Immobilienbranche gehört.

Momentaufnahme der Frequenz

Helge Scheunemann, Head of Research JLL Germany, zur Methodik und Datenqualität der Erhebung: „Auch in diesem Jahr haben wir auf Handzählung an neuralgischen Punkten der Einkaufslagen gesetzt. Bei aller Diskussion um neue Zähltechniken fühlen wir uns mit dieser Zählmethodik und vor allem mit den Ergebnissen nach wie vor wohl. Das schließt nicht aus, dass wir die neuen alternativen Methoden natürlich nicht außer Acht lassen und wir uns ausführlich auch in Pilotprojekten über die Vor- und Nachteile informieren.

Die von uns durchgeführte Passantenfrequenz-Zählung ist und bleibt eine Momentaufnahme. Ziel der Erhebung ist der bundesweite Vergleich der Spitzenfrequenzen. Zudem soll deren Entwicklung im Laufe der Jahre abgebildet und ein sich abzeichnender Trend festgehalten werden. Im Vergleich mit dem Durchschnittswert der 5- bzw.10-Jahres-Zeitreihen lassen sich interessante Rückschlüsse auf die mittel- und langfristige Entwicklung der Lagen ziehen. Die Ausweitung der Zählung auf drei Stunden, die wir im vergangenen Jahr eingeführt haben, hat sich bewährt. Zum einen haben wir damit präzisere Ergebnisse erhalten und zum anderen werden wir damit auch der Verschiebung der Einkaufszeiten und -gewohnheiten gerecht.“

Dirk Wichner, Head of Retail Leasing JLL Germany, zum Wandel im deutschen High-Street-Einzelhandel: „Erneut sehen wir mehr Besucher in den Innenstädten. Das zeigt: Selbst wenn dort für den klassischen Einzelhandel die Umsätze zurückgehen, gibt es für die Menschen noch andere Gründe, in die City zu gehen. Statt zum Beispiel in eine weitere Hose zu investieren, geben sie einen Teil ihres Budgets in einem neuen, trendigen Gastronomie-Konzept aus. Städte, die diese Aufenthaltsqualitäten zum Beispiel durch Fußgängerzonen und Außengastronomie bieten sowie sich stetig wandeln, werden auch weiterhin volle Innenstädte und damit die entscheidende Basis für den stationären Handel haben.“

Ranking nach Einwohnerzahlen

Die Bielefelder Bahnhofstraße (8.035) ist mit Abstand die bestbesuchte Einkaufsmeile in der Kategorie
250.000 bis 500.000 Einwohner und kommt bundesweit auf Platz 12. Es folgen die Wiesbadener Kirchgasse (7.585; bundesweit Rang 16) und die Münsteraner Ludgeristraße (7.345; 18.). Die Kaiserstraße in Karlsruhe (7.330; 19.) und die Augsburger Annastraße (7.155; 20.) vervollständigen die fünf Top-Lagen dieser Kategorie.

Bei den mittelgroßen Städten mit 100.000 bis 250.000 Einwohnern ist die Aachener Adalbertstraße
(6.210; 29.) das Maß der Dinge. Auf den Rängen zwei und drei folgen die Paderborner Westernstraße (6.185; 30.) und die Trierer Simeonstraße mit 6.095 Passanten auf Rang 31. Zu den Top 5 in dieser Einwohnerkategorie gehören zudem die Obere Königstraße in Kassel (5.995; 32.) und die Breite Straße in der Hansestadt Lübeck (5.990; 33.).

In der Kategorie unter 100.000 Einwohnern trumpft die Große Bäckerstraße in Lüneburg (4.715; 60.) auf. Dahinter folgt der Grüne Markt in Bamberg (4.655; 63.) auf Rang zwei. Platz drei geht an den Flensburger Holm (4.495; 68.). Der langjährigen Spitzenreiter in dieser Kategorie, den Gießener Seltersweg (4.040; 79.) und die Kanzleistraße in Konstanz (3.205; 93.) machen die Top 5 der Kategorie komplett.

Hinter Luxusmeile Kö wechseln Verfolger

Bei den deutschen Luxusmeilen ist die Düsseldorfer Königsallee traditionell kaum zu schlagen. So auch 2017, wo 4.785 für den 59. Gesamtrang, aber vor allem für die unangefochtene Spitzenposition unter den Prachtstraßen reichte. Mit nur fast der Hälfte der Besucher, nämlich 2.660 folgt die Münchner Maximilianstraße. Immerhin: Vor einem Jahr war der Zuspruch mit 1.830 Passanten noch deutlich niedriger gewesen. Ebenso steigerte die Stuttgarter Stiftstraße ihre Popularität nach einer Baustellenphase wieder und verdreifachte ihre Quote von 850 auf 2.480 Passanten nahezu. Abwärts ging es derweil für die Frankfurter Goethestraße, die von 2.500 auf 1.645 Personen pro Stunde fiel sowie der Neue Wall in Hamburg, der nach 3.020 Besucher im Vorjahr diesmal nur noch 1.600 verzeichnete.

Menge an Hochfrequenzlagen

Erneut hat die Millionenstadt München die höchste Dichte an Hochfrequenzlagen mit jeweils mehr als 5.000 Passanten/Stunde vorzuweisen. In der bayrischen Landeshauptstadt sind dies in der Reihenfolge ihrer Frequenzstärke die Lagen Kaufingerstraße, Neuhauser Straße, Weinstraße, Tal sowie Sendlinger Straße. Überraschend: Dahinter hat Hannover Berlin überholt. In Niedersachsens Großstadt sind die Georgstraße, die Bahnhofstraße, die Große Packhofstraße und Karmarschstraße hochfrequentiert. In Berlin erreichen nur die Lagen Tauentzienstraße, Kurfürstendamm und Friedrichstraße dieses Niveau. Allerdings liegen die Hannoveraner Straßen alle benachbart zentral, während Berlins Konsumlagen über das gesamt Gebiet der Millionenstadt verstreut sind.

Bei den Bundesländern ist Nordrhein-Westfalen das Maß der Dinge: Insgesamt 14 Einkaufsstraßen erzielen dort mit ihrer jeweiligen Spitzenlage Frequenzen oberhalb von 5.000 Passanten/Stunde. In NRW insgesamt wurden 208.150 Passanten je Stunde gezählt.

Fußgängerzonen und Sortimente

Auch in diesem Jahr hat JLL analysiert, inwieweit sich die Passantenzahlen in Fußgängerzonen von denen in Fahrstraßen unterscheiden. Analysiert wurden 2017 dafür 132 Fußgängerzonen sowie dem entgegen 38 Fahrstraßen. Wie erwartet weisen die Fußgängerzonen eine deutlich höhere Frequenz auf. Im Durchschnitt liegen diese bei knapp 4.500 Passanten je Stunde. In den Fahrstraßen ermittelt JLL dagegen nur durchschnittlich 3.300 Passanten je Stunde.

Die Befürchtung, dass Innenstädte in Zeiten des Onlinehandels veröden, bestätigt sich also nicht. „Wir sehen vielmehr, dass die Städte wieder vielfältiger werden und das Kauf- und Genusserlebnis in den Vordergrund stellen“, erklärt Dirk Wichner die Entwicklung. Durch den Onlinehandel gibt es keinen Zwang mehr, das komplette Sortiment auf der Fläche zu präsentieren. Die Folge: „Es werden vielerorts tendenziell kleinere Flächen angemietet, dafür mehr und vielfältiger, was viele Innenstädte wieder bunter und attraktiver macht.“


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